Was bisher geschah: Das Ehepaar Henriette und Giesbert fährt auf dem Weg in den Urlaub durch den Bayrischen Wald.

Warum Selfies immer von oben gemacht werden

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Giesbert hatte es längst aufgegeben Henriette irgendetwas erklären zu wollen, es konnte nur verlieren, zu gut erinnerte er sich noch an den Moment als sie die exzessive Selbstaufnahme, neudeutsch Selfie, für sich entdeckt hatte, gefühlt immer und überall machte sie einen Knutschmund, hielt die Kamera hoch und schoss ein Selbstportrait. Nein, Giesbert hatte nicht versucht ihr klar zu machen, dass der Mund so bleibt wenn es gewittert. Er erklärte ihr vielmehr, dass es total einleuchtend wäre, dass diese Art Fotos immer nur von halb oben aufgenommen würden, schließlich müsste man dann nach oben schauen und dann würde man das Doppelkinn nicht mehr sehen. Er kann sich nicht mehr erinnern, ob er „das“ oder „dein“ Doppelkinn gesagt hatte, allerdings kann er sich gut an Henriettes Gesichtsausdruck erinnern als sie ihm verdeutlichte, dass die Wohnzimmercouch sehr wohl zum Schlafen geeignet wäre.

Giesbert hatte sich mit der Zeit an die Wohnzimmercouch als Ersatz für die stille Treppe gewöhnt.

Einmal bestand Henriette darauf, dass sie eine neue Körperwaage anschaffen müssten, die alte würde zu lange Zeit benötigen, bis sie das korrekte Gewicht anzeigen würde.

„Die ist doch fast neu, die haben wir doch erst letztes Jahr gekauft.“

„Sie ist defekt, die braucht zu lange.“

„Machst du auch alles richtig?“

„Was kann man bei einer Waage denn schon groß falsch machen?“

„Überladen,“ nuschelte Giesbert..

„Was?“ Henriette hob eine Augenbraue.

„Was weiß ich denn,“ entgegnete Giesbert, „zeig mal wie du das machst.“

Henriette entkleidete sich, Giesbert ertappte sich bei der Frage, ob bei seiner Angetrauten die Kleidergröße mittlerweile die verbrauchte Stoffmenge in Quadratmetern angab, er schämte sich umgehend und sah betreten Richtung Boden, aber nur in die grobe Richtung, seine eigene Körpermaße unterbanden jegliche Versuche des direkten Blickkontaktes, wie es wohl seinen Füßen geht? Währenddessen hatte Henriette sie völlig entblättert und stand vor der Waage, hob einen Fuß setzte ihn auf die Trittfläche der Waage und holte den zweiten Fuß hinterher. Die Waage ließ die Zahlen kreisen und kreisen und kreisen.

„Siehst du? Das dauert ewig.“

„Schatz,“ sagte er „das nennt man Massenträgheit. Ein schwereres Auto hat ja auch einen längeren Bremsweg.“ Sofort nachdem er es ausgesprochen hatte, wusste er was kommen würde. Henriettes Blick umwölkte sich, das verhieß nichts Gutes.

„Couch?“ fragte er.

„Couch,“ nickte sie.

Er zuckte mit den Schultern und holte sein Bettzeug.

 

Auf in den Wald

Und jetzt also Orgasmuspilze, Giesbert gab das Verdrehen der Augen auf und zuckte nur noch mit den Schultern, aber immerhin waren die weißen Frauen vergessen.

„Halt da vorn an dem Häuschen mal an, ich muss mal.“

„Das ist eine kleine Kapelle und kein Toilettenhäuschen.“

„Egal, dann geh ich hintern Busch.“

Giesbert zuckte mit den Schultern und lenkte den Wagen in einen kleinen Waldweg nahe der Kapelle.

Sofort nachdem sie ausgestiegen waren, stieg ihm ein unangenehmer Geruch in die Nase, sein Magen fuhr Karussell.

„Heidenei, was stinkt den hier so kreuz erbärmlich?“

„Ich riech nichts, aber wenn es für dich stinkt, ob es dann diese Pilze sind?“

Natürlich hatte sie die Orgasmuspilze noch im Kopf, naja eher den Bericht dazu, den sie, wenn überhaupt, dann nur zur Hälfte gehört hatte, ob ihr die Auskunft „Orgasmus ausgelöst“ letztendlich ausreichte, um wenigstens für eine Weile ihre Aufmerksamkeit auf die Pilze zu legen, bleibt allerdings abzuwarten.

Henriette verschwand hinter einer Buschreihe, um sich zu erleichtern, wie Giesbert vermutete. Er musterte die Strecke von dort wo er stand den Hang hinauf zu der Stelle an der sie in den Büschen verschwunden war und beschloss seinen Standort zu verlegen, nicht dass ihm das zu erwartende Bächlein das edle Schuhwerk benetzen würde.

Ein wildes Tier?

Plötzlich erscholl ein seltsames Gebrüllgeheulgelärme, Giesbert war sich nicht sicher was es sein könnte. Entweder ein kapitaler, aber durch den Gestank völlig durchgeknallter Zwölfender, der durch die in seinem Revier den Hintern entblößende menschliche Gestalt völlig aus der Fassung gebracht wurde und nun seinem Entsetzen lautstark Luft verschaffte, oder eine Rotte Wildschweine mit eben derselben Erfahrung, welche, also die Wildschweine, sich jetzt aufmachten den ungebetenen Gast stumpf in den Boden zu rammen. Giesbert sah in Gedanken schon einen ortsansässigen Waidmann durch das Dickicht brechen und in der Hoffnung die legendäre, weiße Hirschkuh des Bayrischen Waldes zu erlegen, die Flinte auf Henriette richten. Er erwog kurz einfach zum Auto zurück zu gehen und schon mal die Nummer seiner Schwiegermutter zu wählen, um ihr zeitnah vom schicksalhaften Ableben ihrer Tochter zu berichten. Besann sich dann aber um, unter anderem auch, weil ihm kein geeigneter Satz einfiel, wie er die Nachricht hätte überbringen können, alles mit Hirschkuh und verwechselt, hätte nur zu Unstimmigkeiten innerhalb der Hinterbliebenen geführt, also entschied er sich dazu heldenhaft zur Rettung seiner Angetrauten zu eilen.

Naja, eilen, sagt sich so leicht dahin, immerhin ging es den Hügel hinauf, auf rutschigem, angegammelten Blattwerk, dennoch schaffte er es sich dort hinaufzuarbeiten. Mehrfach glitt er aus, verlor fast seine Brille, ohne die er ob seiner Kurzsichtigkeit alles nur noch schemenhaft wahrnehmen konnte, er rutschte runter, rappelte sich hoch und erreichte doch irgendwie die Buschreihe. Wie in aller Welt war Henriette da nur so fix rauf gekommen ohne ihre weißen Rock und Bluse in Mitleidenschaft zu ziehen? War der Vergleich mit der behenden Hirschkuh doch nicht so weit hergeholt?

Das seltsame Geräusch hielt an, wurde mit jedem Schritt lauter, endlich erreichte Giesbert eine kleine Lichtung und blieb wie angewurzelt stehen, zum einen, weil der unerträgliche Geruch zu einem ausgewachsenen Gestank geworden ist, zum anderen weil er den Ursprung des Geräusches gefunden hatte, seine Henriette, robbte und wälzte sich in einem Pilzkreis herum, dabei gab sie eben  jenes Geräusch von sich, vermutlich, so nahm Giesbert an, entsprach dies nach ihrem Dafürhalten einem der Situation angemessenen wohligen Grunzen. Er begann fieberhaft zu überlegen, wie er sie da wieder wegbekommen könnte, da tauchte neben ihm der Lauf einer doppelläufigen Flinte auf, ach schau ein Waidmann auf der Pirsch. Giesbert zögerte kurz, legte dann aber doch die Hand auf die Doppelläufe und drückte die Waffe sanft nach unten.

(Fortsetzung folgt….)

Teil 1

Teil 2

 

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