Verlange ich zu viel?

Von | 10. Juli 2019, 19:53

Ich sitze hier am Kopfende meines Tisches und denke so vor mich hin wie man eigentlich mit der neuen oder auch relativ alten politischen Rechten umgehen soll. Natürlich ist es einfacher sich über sie lustig zu machen, und ja, wenn sie sich quasi selber aus dem Hauptausschuss eines Rates wählen, dann ist das lustig, ebenso ist es wirklich belustigend, wenn ihnen ihre Landeswahlliste zusammengestrichen wird. Was wirft man ihnen dann im Tenor vor? Mangelnde Kompetenz.

Doch das kann doch eigentlich nicht das Ziel und der Ansatz unserer etablierten Parteien sein. Wie sollten die damit umgehen?

Inhaltliche Auseinandersetzung ist ja nur insofern möglich, als der Gegenüber tatsächliche Inhalte anbietet, ist dies nicht der Fall, läuft man mit allen Versuchen ins Leere und bietet selber eine sehr große Angriffsfläche.

Vielleicht sollte man mal einen völlig anderen Ansatz versuchen und statt einer direkten Konfrontation den Umweg über das eigene Angebot, Personal, dessen Kompetenz und die Wahlen nehmen.

Nur weil jemand fünf bis sieben Kinder hat, diese vielleicht sogar mit NERF Pistolen versorgt hat, hat er noch lange nicht die für den Posten als Verteidigungsminister notwendige Kernkompetenz. Bei fünf bis sieben Kindern vermutlich eher als Familien und Jugend Minister.

Ich bin ja auch kein Arzt, nur weil ich mal neben einem Krankenhaus gewohnt habe.

Natürlich geht es heute nicht mehr ohne die Beratung durch Fachleute, aber gewisse Grundlagen sollten einfach vorhanden sein. Nur weil jemand das Wort Computer fehlerfrei buchstabieren kann, ist er oder sie noch nicht befähigt über Digitalisierung und Internet zu reden, oder gar den entsprechenden Ministerposten zu besetzen. Ich verlange gar nicht ein entsprechendes Studium, aber die Grundlagen sollten da sein.

Nehmen wir einfach mal als Beispiel einen Veranstaltungsleiter in der freien Wirtschaft, der eine Ausstellung organisieren soll und schon mit den einfachsten, im Betriebssystem das Computers vorhandenen, Bordmitteln überfordert ist und sich auch nicht in der Lage sieht einen Kollegen der Technik um Hilfe zu bitten, sondern stattdessen einfach in den Raum stellt, dass der Computer nicht in der Lage ist die übermittelte Datei zu lesen und zu verarbeiten. Ist diese Person mit dieser Aufgabe zurecht betraut worden?

Auch hier verlange ich nicht das Unmögliche, sondern lediglich die Befähigung zur internen Kommunikation mit den Kollegen.

Mein Ansatz für die Auseinandersetzung mit der neuen alten politischen Rechten verbirgt sich also in dem Wort Grundlagenkompetenz. Der vorgestellte Politiker sollte in der Lage sein freihändig und ohne größere Vorbereitung zumindest grob inhaltlich über sein Ressort diskutieren zu können, dann passiert es ihm auch nicht, dass er aus Versehen strunzdummen Kommentaren über die angebliche Bezahlung von Demonstranten Glauben schenkt und diese auch noch weiter verbreitet.

Es ist auch nicht wirklich hilfreich, wenn Satiresendungen des öffentlich-rechtlichen Fernsehens Zitate von Politikern aus dem Zusammenhang reißen, mit einem minderbegabten Kommentar auf einem Internet-Zigarettenbildchen in die sozialen Medien hinausposaunen, denn eines fällt mir immer wieder auf, den Konsumenten dieser Zigarettenbildchen fehlt immer mehr die einstmals vorhandene Skepsis gegenüber Schlagwörtern.

Vielleicht ist es einfach zu viel an Informationen, was Sie Ihrem armen Schädel zumuten. Grundsätzlich sollte doch eigentlich jetzt nach Jahren Facebook, Twitter und wie sie nicht alle heißen, jeder verstanden haben, dass es sich durchaus, lohnt die Schlagwörter und die damit verbundenen Personen in einer Suchmaschine unterzubringen und die ersten ein oder zwei Ergebnisse durchzulesen. Nahezu jedes Zitat auf einem dieser Bildchen ist entweder völliger Blödsinn oder aber so aus dem Zusammenhang gerissen, dass der tatsächliche Inhalt total verfälscht ist. Alles nur für eine einfache schnelle Reaktion des Konsumenten. Eine Methode, die uns aus dem Bereich des Like – und Clickbaiting nicht unbekannt ist. (siehe unser Beitrag zum Thema „heute ist mein Geburtstag„) Umso bedauerlicher ist es, dass auch die öffentlich-rechtlichen Medien mittlerweile zu diesem Mittel greifen.

Ich kann also nur jedem raten, bevor er oder sie ein solches Bildchen teilt, nehmt euch die Zeit und hinterfragt den Inhalt, überprüft die Aussage, denn eigentlich ist nichts peinlicher als öffentlich, und auch eine geschlossene Gruppe oder Diskussion unter sagen wir 150 Facebook Freunden ist öffentlich, aufgezeigt zu bekommen, dass das soeben mit Bluthochdruck geteilte Bildchen Schwachsinn ist. Da hilft dann auch nicht mehr der Rückzug auf “ Hey, Satire darf das!“, der Fauxpas ist geschehen und hätte so leicht vermieden werden können.

Aber zurück zur geforderten Kernkompetenz, kommt es nur mir so vor, dass eine Person, die sich auf hochdotiertem Posten als überfordert erweist, die Karriereleiter hinauf stolpert? Lässt sich daraus schließen, dass die Bezahlung in gleichem Maße steigt wie die Kompetenz für einen Posten sinkt? Nein, soweit können wir nicht denken und gehen, denn wie wir wissen, wird auch an der Basis ganz schöner Mist verzapft. Meistens an Stammtischen und Biertresen.

Um an den Wahlurnen wirklich etwas reißen zu können, brauchen wir aber durch die Bank weg neue unverbrauchte Gesichter mit der entsprechenden Grundlagenkompetenz für ihr Ressort. Erst damit zeigen wir den Wählern, dass wir auch in der Lage sind die Probleme des Landes anzupacken und nicht nur teure Beraterfirmen beschäftigen zu wollen.

Selbstverständlich handelt es sich hierbei um meine eigene, völlig unmaßgebliche Meinung, was meine Leser aber nicht davor bewahrt, sie vorgesetzt zu bekommen.

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