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Während draußen die Vögel in der strahlenden Sonne umher zwitschern, sitze ich hier am Kopfende meines Tisches, ich freue mich schon auf die Blüten des Sommerflieders und die damit unweigerlich verbundenen Schmetterlinge.

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Denen da draußen macht die Pandemie eben keine Probleme, zumindest keine, die wir Menschen wirklich wahrnehmen. Anders wirkt es sich bei uns aus, denn auch wenn die ersten Massen sich bereits wieder im Urlaubs- und Partymodus befinden, sind wir noch lange nicht damit durch.

Es liegt aber in der menschlichen Natur, sich austauschen zu wollen, also suchen sich viele Menschen diese Nähe und den Austausch im Internet. Nicht die schlechteste Idee, man benötigt keinen Mundschutz und der nötige Abstand ist auch gewahrt.

Aber wie immer und überall, so sind auch hier gleich jene finsteren Gestalten nicht weit, die mit den Gefühlen anderer Schindluder betreiben wollen. Nicht umsonst müssen auch wir regelmäßig vor Love Scammern warnen.

Aber was sind das eigentlich für Figuren?

Vereinfacht gesagt „Nepper, Schlepper, Bauernfänger„, in diesem speziellen Fall wollen sie aus den Sehnsüchten der User Kapital schlagen, das muss dann nicht mal unbedingt monetär sein (ist es aber meistens), denn meines Erachtens gehören auch jene dazu, die nur, um ihr eigenes unterentwickeltes Ego aufzupusten, mit den Gefühlen anderer spielen, nur um sich bestätigt zu fühlen. (Das schließt das Anfordern von erotischen Bildern oder ungebetene Zusenden derselben mit ein).

Man könnte sagen, die Heiratsschwindler sind auch digital vernetzt.

Ich will hier auch gar nicht groß auf die Beweggründe der Figuren eingehen, das würde erstens den Rahmen hier völlig sprengen und noch dazu einen Abschluss mindestens in Soziologie erfordern, und somit weit jenseits meines Ereignishorizonts liegen.

Was ich hier machen möchte, ist meinen Lesern, die sich eventuell auf diese digitale Erkundungstour der zwischenmenschlichen Beziehungen begeben wollen, ein paar Gedanken und Werkzeuge mitzugeben, damit sie dort draußen für alle Eventualitäten gewappnet sind.

Komme was da wolle, ein Stapel Scammer oder auch die große Liebe.

Den einfachsten Rat gleich zu Anfang, genau wie im übrigen Internet so auch im dortigen zwischenmenschlichen Balztanz – bleibt misstrauisch, Mogelpackungen sind nicht selten wunderschön verpackt. Glaubt nicht sofort alles.

Jetzt aber die große Frage, wie soll man das den bitte überprüfen?

Der Mensch ist ein visuelles Lebewesen, einen nicht unwesentlichen Bestandteil unseres Lebens nimmt die visuelle Aufnahme unserer Umgebung ein. Als Fluchttier ausgelegt, war es für unsere Altvorderen nicht unerheblich, in der Lage zu sein zu erkennen, ob dort ein mit mächtigen Zähnen versehenes Raubtier, oder doch eher nur ein Feldhamster durch die heimische Botanik streift.

Mit dieser durchaus nicht neuen Erkenntnis ist es auch nicht wirklich weiter verwunderlich, dass sich auch bei der zwischenmenschlichen Vertrautheitsbildung die Ersterweckung des jeweiligen Interesses zunächst auf optische Reize verlässt. Ein Phänomen, das wir auch in der Tierwelt im jeweiligen Balzverhalten wiederfinden.

Ganz kurzer Gedankenexkurs: es gibt aber evolutionsbedingt mittlerweile einen signifikanten Unterschied zwischen menschlichem und tierischem Balz- und Paarungsverhalten, während im Tierreich überwiegend die farbenprächtigsten, stärksten oder lautesten die erste Wahl sind, so gehen menschliche Partnersuchende auch gerne mal nach Charakter oder mentaler Leistungsfähigkeit, mit anderen Worten „jeder Topf findet einen Deckel“.

Zurück vom Exkurs.

Schauen wir uns jetzt eine der „Dating“ Seiten an, das ist Neudeutsch für „Partnervermittlung“ weil Englisch so modern ist.

Egal welche Seite, alle zeigen zunächst die Bilder der Kontaktsuchenden, durch schlichtes anklicken des Bildes kommt man dann auf das jeweilige Profil.

Es geht also auch hier ganz klar über die Optik, aber wenn wir ganz ehrlich sind, geht es auch beim regulären Kennenlernen in der näheren Umgebung erst einmal über die optischen Reize. „Sieht nett aus“ „Wow“ „Die Person möchte ich näher kennenlernen“ usw. aber am Anfang steht die Optik. Nicht umsonst verbringen alle Geschlechter vor dem Ausgehen mehrere Momente mit der allgemeinen Herstellung eines für die eigenen Begriffe vorzeigbaren Erscheinungsbildes.

Genau auf diese optische Vorauswahl setzen viele der Scammer, sie wählen für ihre Fake Profile fremde Bilder, Schauspieler, Sportler, Tänzer, Fotomodells, alles bis hin zu Pornodarstellern. Nur selten die bekannten Gesichter, dazu sind die jeweiligen Beziehungskisten zu bekannt. Aber man findet neben Bollywood Darstellern, brasilianische Extremsportlerinnen oder auch farbige Musiker aus Afrika.

Deshalb möchte ich euch jetzt zeigen, wie ihr Fotos im Internet schnell und einfach überprüfen könnt. Das bietet keine 100%ige Sicherheit, da einige Fotogalerien nicht mit abgesucht werden können, aber es gibt einen nicht zu vernachlässigenden Effekt. Wenn ihr euch nämlich mit den Bildern beschäftigt, erfüllt ihr schon den ersten wichtigen Punkt „seid immer erst einmal misstrauisch und vorsichtig“.

Kurze Erläuterung zu den nachfolgenden Anleitungen, da es sich um allgemeingültige Anleitungen handelt, nehme ich keinen aktuellen Fall aus einem Fake – Profil. Schon alleine aus dem Grund um eventuellen juristischen Schritten von Abmahnern aus dem Weg zu rollen. Stattdessen nehme ich ein lizenzfreies Bild von Pixabay.com und wir sind auf der sicheren Seite – die goldene Else ist ja auch ein wunderschönes Objekt.

Anleitung für Desktop Nutzer:

1. Also zunächst speichert ihr das Bild, entweder mit Rechtsklick – speichern unter, oder notfalls mit einem Screenshot.

 

 

2. Diesen fügt ihr dann sowohl in Google als auch Yandex ein.

Yandex:

3. Schaut euch die Ergebnisse an, nicht alle sind so offensichtlich wie das Beispiel.

Als Beispiel habe ich das Ergebnis von Yandex gewählt, aber bei Google und Bing sehen die Ergebnisse nahezu identisch aus, das Bild wird gefunden.

Es gibt inzwischen auch Webseiten, die anbieten, bei der Suche zu helfen, jedoch würde ich immer dazu raten die Ergebnisse eigenständig zu überprüfen. Denn „dat übt“ und gibt mit der Zeit das Gefühl, die Sache selber in der Hand zu haben und nicht wieder von anderen abhängig zu sein.

Mobilgeräte

Auf Mobilgeräten muss man einen anderen Weg wählen, da die mobilen Seiten der Suchmaschinen diese Suche nicht direkt anbieten. Dafür gibt es aber bereits Apps, die diese Suche erleichtern, zum Beispiel „Reverse Image Search“:

Wir fertigen dann von dem zu suchenden Bild einen Screenshot an, das ist je nach Smartphone anders zu bewerkstelligen. Bei Huawei z. B. durch aufs Display klopfen, andere wischen mit der Handkante über das Display und so weiter. Egal wie, wir erstellen einen Screenshot.

Anschließend geht es wie folgt:

1. App öffnen (die kann aber auch schon im Hintergrund laufen).

2. unten rechts in der App auf das Plus

3. aus der Gallerie (oberste Auswahl) das Bild auswählen

4. eventuell mit den Tools links im Hauptbild der App zurechtschneiden

5. auf die Lupe klicken

6. Nach erfolgter Suche zeigt uns die App die Ergebnisse von Google, Yandex und Bing.

Diesmal dient das Ergebnis von Bing als Beispiel, aber wie ihr selber ausprobieren könnt, die Ergebnisse von Google und Yandex sehen auch auf Mobilgeräten ähnlich aus.

Hier zeigt sich dann, ob und wo das Bild bereits einmal benutzt wurde. Waren es andere Datingseiten (herrliches Denglisch) kann man die angegeben Daten wunderbar vergleichen. Waren es andere Seiten, kann man ebenfalls vergleichen, oder findet wie in unserem Fall gleich den Hinweis auf Scam.

Test bestanden?

Bestehen die Bilder die Prüfung, sollte man dennoch weiter Vorsicht walten lassen.

Auch im weiteren Gespräch kann man durchaus Scammer erkennen, zum Beispiel an wiederkehrenden Floskeln, oder wenn überhaupt nicht auf Themen und Fragen genauer eingegangen wird. Gerne arbeiten sie, die Scammer, sich an allgemein gültigen Werten ab, Familie, Kinderwunsch, Beruf usw. aber auch da geht es bei Nachfragen eher selten in die Tiefe.

Irgendwann, eher früher als später, wird die große Liebe erklärt und der Wunsch auf einen Besuch geäußert, man kann aber nicht zum Kontakt reisen, denn dort ist gerade irgendeine Krise, deshalb Reise zu uns – hier kommt die Bitte um Geld. NIEMALS ETWAS SCHICKEN NICHT EINMAL 20€ DIE SIND SCHLICHT WEG.

Gerne genommen auch kranke Angehörige, Unfälle, plötzliche Rechnungen und was es noch für Gründe geben kann, weshalb eine Reise derzeit unmöglich ist. Aktuell gerne angeführt wird das Datenvolumen, welches ausgerechnet jetzt aufgebraucht ist, jetzt wo man doch so gerne Bilder schicken würde. Wie erwähnt, niemals nie etwas schicken.

Ist es ein Scam, kann man gleich den Kontakt abbrechen und das Profil zum Schutz der anderen User zunächst dem Seitenbetreiber melden.

Sind also Datingseiten zu verteufeln, weil dort der Betrug lauern kann? Nein, dann wären Tauschbörsen, Kleinteilmärkte, Flohmärkte und Onlinemarktplätze ebenfalls Teufelswerk. Man muss eben überall die mit einer gesunden Skepsis vorgehen und lieber einmal mehr als einmal zu wenig prüfen.

Die obige Anleitung funktioniert auch wunderbar für alle anderen Bilder die mit euch geteilt werden z. B. die größte Menschenmenge bei einer Präsidentenvereidigung, fliegende Haie, Demonstrationen, Krawallen und so  weiter – die Ergebnisse führen dann nicht selten unter anderem auch wieder zu Mimikama, was nicht weiter verwundert denn Debunking gehört bei uns ja zum täglichen Leben 🙂

Bleibt gesund, seid vorsichtig und viel Erfolg bei der Suche.

Bildquelle: pixabay.com – Siegessäule

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Hinweis: Die Wiedergabe einzelner Bilder oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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