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Teil 2 – Was bisher geschah

Des Ehepaar Henriette und Giesbert befinden sich auf einer Urlaubsreise, diesmal am erbaulichen Nordseestrand, einem Ort mit Watt, einer vorgelagerten Insel und jeder Menge zänkischer Einwohner – dennoch ein nettes Fleckchen Erde.

Rückblende

Also, unabhängig voneinander und dennoch gemeinsam erinnern sich Henriette und Giesbert an damals, es war ihr erster gemeinsamer Urlaub an diesem lauschigen Ort, also wenn man von denen in den vorangegangenen Jahren absieht. Aber die zählen nicht wirklich, denn schließlich waren das alles Urlaube bei denen ihre Eltern immer eine gewichtige Rolle gespielt haben, von der Buchung der Zimmer, über die kulturelle Beschallung bis hin zum Abendprogramm; da war es schon schwer für die beiden mal einen Moment für sich allein zu zweit zu haben.

Wie das Leben so spielt, haben sich die beiden zunächst auch mal aus den Augen verloren, denn irgendwann waren sie eben schlicht zu alt, um mit Mami und Papi in den Urlaub zu fahren; sie fuhren viel lieber mit ihren Freunden und Freundinnen; allerdings überlagerten sich ihre Freundeskreise nicht ausreichend, um aus den beiden zeitnah nach der Nestflucht ein Pärchen zu zaubern.

So erlebten beide jahrelang das ungezwungene Leben eines heranwachsenden Menschen, gerade   der elterlichen Fuchtel entkommen und schon mit dem knallharten Arbeits- respektive Ausbildungsleben konfrontiert, welches wiederum mit einer radikalen Einschränkung der Frei- und Ferienzeit einhergeht, was natürlich auch der erwähnten Ungezwungenheit gewissen Grenzen setzt, also im Rahmen dieser Grenzen waren sie ungezwungen, naja und die Gesetze gab es ja auch noch, also Rahmen und Gesetze, aber dann … ach egal, ungezwungen, so gut sie konnten…

Sie zogen also getrennter Wege durch die Lande, und dennoch wollte das Schicksal, dass sie sich wieder begegnen sollten – und zwar genau an jenem Ort, an den sie gerade eben in ihren Gedanken gereist sind, dem Ort der zänkischen Einwohner.

Henriette war seinerzeit, oder heißt es bei Frauen „ihrerzeit“, so als weiblicher Gegenpart zu „seinerzeit“, also der männlichen Form des auf eine vergangene Zeit deutenden Ausdrucks? Wird „seinerzeit“ als eine der letzten Bastionen einer patriarchalischen Sprachentwicklung bestehen bleiben, oder wird es langsam aber sicher aus dem Sprachgebrauch entschwinden? Wäre schade, nicht nur für das Wort an sich, aber es wäre ein eindeutiger Hinweis darauf, dass die einstmals so blumige und reichhaltige deutsche Sprache so langsam verödet und immer weniger Wortalternativen existieren.

Hat aber nicht direkt etwas mit Henriette zu tun, die war damals, also seinerzeit zu ihrer Zeit, mit einigen Freundinnen in den hohen Norden gekommen, um hier, also dort im Zankenhaven, Reiterferien zu machen; sie hatten sich auf einem der vielen Reiterhöfe eingemietet und unternahmen Ausritte in Feld und Flur, sowie, in Watt und Wiesen.

Giesbert hingegen begleitete eine mittlere Meute Jugendlicher zur damals alljährlich angebotenen Jugendzeltwiese, tagsüber an den Strand und ins Watt, abends auch durchaus mal zu einer der zahlreichen Darbietungen, die so ein Touristendorf für seine Gäste bereithält.

An jenem denkwürdigen Tag bzw. Abend hatte er frei; er musste nicht die Jugendmeute bewachen, er konnte seinem privaten Vergnügen frönen, fand sich aber schlussendlich doch wieder in der Nähe einer jener Touristenunterhaltungsveranstaltungen wieder. Eine hinreichend engangierte und halbwegs begabte osteuropäische Coverband unterhielt das dankbare Publikum mit Schlagern und Hits der vergangenen Jahre; was ihnen an Talent fehlte, machten sie durch Enthusiasmus wieder wett: Die meist älteren Herrschaften schoben sie gegenseitig über die Tanzfläche oder hielten sich an einem der reichlich vorhandenen Tresen fest.

Giesbert saß auf einem Mäuerchen und sah dem bunten Treiben aus sicherer Entfernung zu, als ihm plötzlich ein blondgelocktes Wesen auffiel. Aber das konnte nicht sein,… sollte das,… nein, das ist unmöglich, wäre schon ein arger Zufall. Er sah genauer hin; doch, der Gang und die Bewegungen, das musste sie sein! Wenn er jetzt noch seine vermaledeite Schüchternheit überwinden könnte, dann wäre er durchaus in der Lage, seiner Vermutung nachzugehen und herauszufinden, ob sie es war. Doch was, wenn nicht?

Wenn diese Blondlocke ihr nur ähnlich sieht?

Er wandte den Blick ab, sah hinunter zu seinen Füßen.

Was, wenn sie es ist, sie ihn aber nicht erkennt?

Sie sich nicht freut ihn zu treffen?

Sie ihn ignoriert und dann heimlich mit ihren Freundinnen tuschelt?

Am liebsten hätte er sich jetzt rückwärts in die Büsche gerollt, aber wenn er sich recht entsann, waren ausgerechnet hinter ihm Gewächse gepflanzt worden, deren Zweige nicht nur mit Blättern versehen, sondern auch mit Dornen bewehrt waren. Ganz so, als ob die Stadtgärtner ihm die letzte Fluchtmöglichkeit hätten nehmen wollen. Dennoch wog er die Möglichkeiten ab, hintenüber kippen, ein paar Dornenkratzer, mit etwas Glück sind sie nicht einmal giftig, dafür wäre er mit noch etwas mehr Glück außerhalb jeglicher Sicht. Mit etwas weniger Glück hingegen sieht jeder in näherer Umgebung seine Beine über das Mäuerchen ragen und wie wild zucken, weil sich diverse Dornen in sein Fleisch bohren.

So blieb er im Halbschatten  und wurde sich der Verzweiflung seiner Lage immer mehr bewusst, starrte über den Rand seines Glases auf den Boden. Was wollte er eigentlich hier, welcher Teufel hatte ihn geritten, als er zustimmte, die Jugendgruppe ins hiesige Zeltlager zu begleiten? Ja, er war hier schon öfter gewesen, und ja, er hatte auf die Alternative eindeutig keine Lust gehabt: mit einer Gruppe die mitteldeutsche Waldlandschaft zu durchstreifen, abends am Lagerfeuer auf der Gitarre immer die gleichen Stücke zu spielen und dazu dem Gesang aus stimmbrüchigen Kehlen zu lauschen, denen so viel Talent fehlte,d das zu dem der in den Touristengebieten strategisch verteilten und devisenverdienenden, osteuropäischen Coverbands eine derartig signifikante Diskrepanz aufwies, dass selbst ein nicht zu unterschätzendes Höchstmaß an Enthusiasmus nichts half und die lautstark aufbrandende Dissonanz lediglich dazu führen würde, dass eine nicht zu unterschätzende Zahl heimischer Waldbewohner scharenweise in benachbarte Gebiete auswanderte.

Ja, er wusste warum er an diesem Ort war, jetzt musste er eigentlich nur noch mit sich ins Reine kommen, warum er ausgerechnet an jenem Abend bei dieser Veranstaltung, auf diesem Mäuerchen saß.

Während er also so vor sich hin starrend mit dem Schicksal haderte, erschienen plötzlich am jenseitigen Rand seines Glases zwei blaue Augen, ein dazugehöriges Gesicht, umrahmt von blonden Locken.

– Fortsetzung folgt –

Teil 1

 

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