Kannst du uns einen kleinen Gefallen tun? Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und hilfreich findet, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben. Folgende Möglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady, via Banküberweisung
- Sponsorenliebe | Werbung -

Wieder einmal sitze ich hier am Kopfende meines Tisches; der Grüncontainer, der bei uns regelmäßig vor der Haustür geparkt und von nahezu allen Nachbarn der näheren und ferneren Umgebung mit Gartenabfällen versorgt wird, verrichtet stumm seinen Dienst.

Stumm ist allerdings nur der Container, die Nachbar folgen ihrem allgemeinen Gesprächsdrang und tauschen den neuesten Klatsch und Tratsch aus. Warum ist die Stadtverwaltung noch nicht auf die Idee gekommen, neben dem Container noch eine Getränkebude für warme und kalte Getränke aufzubauen?

Ich höre sie schon reden.

„Ach, komm Hinnerk, einen können wir..“

„Nee du heute nicht mien Olsch wartet mim Essen.“

„Hat sie selber gekocht?“

„Jo.“

„Na dann verpasst du ja nichts, Klaus mach uns nochmal zwei.“

Während ich die verpasste Gelegenheit der Getränkebude noch weiter betrauere, überkommt mich die Lust auf einen Kakao. Nichts Dolles, kein extra aufgekochter, nein so ganz profan, aus Fertigpulver angerührt. Das Haus ist zwar verwaist, alle zur Arbeit, zum Einkaufen oder in der Schule, aber vor mir auf dem Tisch, am Kopfende des selbigen, durchaus in meiner Reichweite, befindet sich alles, was ich für diesen zuckerhaltigen kurzfristigen Trinkgenuss benötige.

Ich schüttele die Milchpackung – na gut fast alles, aber für ein Glas wird es noch reichen. Nach dem Einschenken muss ich diese erste, überaus optimistische Einschätzung nach unten korrigieren: ein halbes Glas, hey, aber immerhin ist es halb voll. So voll positiv wie ich sein kann, lege ich einen Löffel des Pulvers auf die Milch und rühre um, und um. Mal links rum, mal rechts rum, um sowohl die linksdrehenden als auch die rechtsdrehenden Milchsäuren milde zu stimmen.

Als ich mich gerade so rührend um meinen Kakao kümmere, wird draußen der volle Container gegen einen leeren ausgetauscht.

Milch und Kakaopulver sind vor lauter Rührung etwas durcheinandergeraten und so entsteht der weithin bekannte kakaobraune Zuckerpunsch. Ich schaue dem Kakaostrudel zu wie er langsam abebbt und sich auf halber Höhe des Glases ein ruhiger Kakaoseespiegel bildet. Ich bereite mich innerlich auf den Genuss des überzuckerten Süßgetränkes vor da surrt etwas brummend an meinem Ohr vorbei.

Bevor ich überhaupt realisieren kann um welche Art Bedrohung es sich handeln könnte, stürzt der beflügelte Miniräuber… ihr kennt es, wenn man etwas sieht und laut und vernehmlich das entsprechend zu erwartende Geräusch dazu hört, egal wie klein der Auslöser tatsächlich ist, gerne genommen in diversen Filmen, wenn der Protagonist nach einer durchzechten Nacht durch das kleinste Geräusch aus dem Konzept gebracht wird.

Und genau DAS geschieht jetzt: Die Sumse sumst an meinem Ohr vorbei und landet mit einem lauten, weithin vernehmbaren „PLUNTSCH“ in meinem Kakao.

Für einen Moment hält die Welt ob der akustischen Schockwelle inne, sämtliche Gespräche scheinen zu verstummen. Ich starre entgeistert auf den brustschwimmenden Schädling. Das hat sie jetzt nicht wirklich gemacht, oder?

Ich meine, normaler Weise landen die doch erstmal am Rand und klettern langsam runter, prüfen erst einmal mit dem Zeh die Getränketemperatur oder erforschen den Löffel, der gemeinhin aus einem weitaus leitfähigeren Material gefertigt ist als das Getränkegefäß selbst. Es ist wie ein ungeschriebenes Gesetz: sie erforschen erst die Umgebung, und dann gehen sie baden. Nicht so dieser surrende Flugterrorist. Im Nachhinein bin ich mir fast sicher, noch so etwas wie ein helles „ARSCHBOMBE!!!“ gehört zu haben, dieses Biest ist ungebremst in meine ohnehin knapp bemessenen Kakaoration eingetaucht und lässt es sich gut gehen.

Was soll noch großartig geschehen? Allein zu Hause, Milch alle, Nachschub außerhalb der Reichweite und letzte Getränkeration von Flugterrorist kontaminiert. Ich hole das Monster mit dem Löffel an Land. „Meinst du nicht, dass du hättest warten können? Aber egal; bleib da draußen, wenn du nochmal reinfällst kann ich dich nicht mehr retten. Ich werde nämlich jetzt darbend diesen Raum verlassen und mich anderweitig beschäftigen; also, Sumse: lass gut sein und rette dich!“

Ich denke, das sollte reichen, ich verlasse das Kopfende meines Tisches und begebe mich zum Kopfende meiner Terrasse, um dort eine Runde neudeutsch zu entspannen, also zu chillen, hat mit Schily ebenso wenig zu tun wie mit Chili oder gar Chile, so etwas geht mir im Kopf herum; aber irgendwie muss man ja die Zeit rumbringen. Ich lausche den Gesprächen am Grüncontainer und lasse meine Gedanken baumeln.

Der Nationalpark Niedersächsisches Wattenmeer, unendliche Weiten, zumindest alle paar Stunden zwischendurch werden diese unendliche Weiten von ebenso unendlichem Nordseewasser überschwemmt.

Henriette lehnt sich auf dem Stuhl zurück und legt die Füße auf das Geländer des Balkons ihres Hotelzimmers. Ihr Blick schweift über die bunte Promenade, den Strand mit den gelben Strandkörben, spielenden Kindern und meckernden Alten hin zum Meer und der kleinen vorgelagerten Insel.

Ihr Blick verweilte auf dem Eiland und ein Lächeln umspielte ihre Lippen, sie lehnte sich zu Giesbert hinüber und stupste ihn sanft an den Oberschenkel; er blickte auf, sie deute mit dem Kinn zur Insel hinüber, Giesberts Blick folgte dem Hinweis, ihr Lächeln springt auf ihn über und er nickt.

„Japp, Sylt.“

Beide lachen schallend und begeben sich gemeinsam auf eine gedankliche Zeitreise, natürlich nicht Hand in Hand mit einem bunten Wirbel und dem ganzen Brimborium, das in entsprechend ausgestatteten Filmen immer dargeboten wird; sie stehen auch nicht auf und sehen sich dort  in der Vergangenheit stehen; nein, es ist schlichter, und doch wissen sie beide bei diesem Stichwort umgehend, was der andere denkt und durchlebt.

Es war eines jener Erlebnisse, die sie beide für den Rest ihres Lebens mit diesem Ort verbinden werden, und nicht nur sie; da sie diese Begebenheit mit Freunden, Verwandten, verwandten Freunden (ja, da muss man schon genau unterscheiden, nicht alle Verwandte sind Freunde und nicht alle Freunde sind Verwandte, doch es gibt durchaus eine gewisse Schnittmenge) und sogar mit dem einen oder der andere Bekannten geteilt haben.

Jeder von diesen, den es anschließend in die Gegend der zänkischen Einwohner verschlagen hatte, wusste nach seiner Rückkehr lachend zu berichten:

„Sylt haben wir auch gesehen.“

– Fortsetzung folgt –

-Mimikama unterstützen-

Weil du diesen Bericht zu Ende gelesen hast…

Kannst du uns bitte einen kleinen Gefallen tun? Mehr Menschen denn je lesen die Artikel von mimikama.at, aber die Werbeerträge sinken rapide. Anders als andere Organisationen haben wir keine “Pay-Wall” eingerichtet, denn wir möchten unsere Inhalte für alle Interessierten so offen wie möglich halten. Der unabhängige Enthüllungsjournalismus von mimikama.at bedeutet jedoch harte Arbeit, er kostet eine Menge Zeit und auch Geld. Aber wir tun es, weil es wichtig und richtig ist, in Zeiten wie diesen Internetnutzer mit transparenten Informationen zu versorgen. Wir hoffen, dass du es schätzt, dass es keine Bezahlschranke gibt: Unserer Auffassung nach ist es demokratischer für Medien, für alle zugänglich zu sein und nicht nur für ein paar wenige, die sich dieses "Gut" leisten können. Durch deine Unterstützung bekommen auch jene einen Zugang zu diesen Informationen, die es sich sonst nicht leisten könnten. Wenn jeder, der unsere Rechercheberichte liest und mag, dabei hilft, diese zu finanzieren, wird es mimikama.at auch weiterhin geben.

Folgende Unterstützungsmöglichkeiten bieten wir an: via PayPal,via Steady