Knapp am Thema vorbei

Von | 18. Februar 2019, 20:48

Ich sitze hier am Kopfende meines Tisches, draußen ist es immer noch winterlich grün, aber noch ist Zeit für etwas mehr Schnee zu Beginn des Jahres, drinnen beschweren sich die Katzen, dass sie zu wenig Aufmerksamkeit bekommen, während der Hund hinter mir auf seiner Decke liegt und schnarcht.

Während ich heute Morgen so durch meine Facebook Timeline blätterte, fiel mein Blick auf den Beitrag eines Facebookfreundes, er hat ganz unschuldig einen Beitrag über Greta Thunberg zitiert, nicht einmal den ganzen Beitrag, sondern nur einen Teil davon nämlich diesen:

Die schwedische Klimaaktivistin Greta Thunberg hält es für unverantwortlich, dass Deutschland erst im Jahr 2038 ganz aus der Kohle aussteigen möchte. „Deutschland will bis 2038 Kohle verbrennen. Das ist absolut absurd. Und die Leute denken, das wäre etwas Gutes“, sagte die 16 Jahre alte Schülerin.

Was darunter an Kommentaren zu finden ist, ist ein milder Spiegel dessen, was über Greta und ihre Klimawandelkampfgefährten in der letzten Zeit weltweit hereingebrochen ist, lediglich mit etwas weniger direktem Hass, aber ansonsten fast alles dabei, nur keine Gegenargumente.

Ich möchte hier mal etwas Neues ausprobieren – die Gedanken, die ich beim Lesen der Kommentare und Schreiben des Beitrages hatte, werde ich in einer anderen Farbe darstellen und meine Antworten zur besseren Unterscheidung in kursiv.

Da gibt es dann Aussagen wie:

„Das ist also der Mist den sie heutzutage den Kindern in der Schule beibringen.“

Finde ich eine etwas gewagte These, wenn man bedenkt dass während meiner Schulzeit in den 80er Jahren bereits Prognosen über den radikalen Anstieg des Meeresspiegels bekannt waren, ein Anstieg der die Küstenlinie Niedersachsens deutlich ins Landesinnere verschieben würde. Da hat also augenscheinlich jemand in den letzten rund 40 Jahren fahrlässig die eigene Informationsfreiheit ungenutzt verstreichen lassen, aber dennoch netter Versuch.

So kam ich dazu, nach einem kurzen Blick in das Profil des Schreibers, diesem zu antworten:

Es scheint als hätte dieses Mädchen in den 16 Jahren ihres Lebens mehr gelernt als der echt geniale, den Klimawandel verneinende Präsident in den über 70 Jahren seines Lebens, alles was der kann ist andere zu schikanieren, Angst und Hass im eigenen Land zu schüren.“

Eine Antwort blieb aus.

Einer meinte, sie sei krank, sie habe selbst gesagt sie könne nur schwarz / weiss…

Ich kam nicht umhin, ihm mit einem Zitat von Greta selbst zu helfen:

Manche Menschen verhöhnen mich wegen meiner Diagnose, aber Asperger ist keine Krankheit, sondern ein Geschenk. Wäre ich „normal“ und sozial, hätte ich mich einer Organisation angeschlossen oder eine Organisation gegründet. Aber da ich nicht so gut darin bin, mich mit Leuten zusammenzutun, habe ich eben alleine mit dem Schulstreik begonnen. Manchmal hat es einen größeren Effekt, etwas nicht zu tun. Genauso wie ein Flüstern manchmal lauter ist als ein Schrei.“

Greta Thunberg

Anschließend gab ich ihm noch meine weiteren Gedanken mit auf den Weg:

Aber natürlich ist es einfacher jemanden schnell mal aufgrund einer Diagnose als krank hinzustellen, damit erspart man sich die Mühe über die vorgebrachten Argumente nachzudenken und muss nicht sein eigenes Umweltverhalten reflektieren.

Eine Antwort blieb aus.

Eine Frage zum Thema

Endlich meldete sich eine Stimme, die wissen wollte wie es denn um die Situation in Schweden bestellt sei, woraufhin der Threadersteller freundlich erwiderte, dass in Schweden der Strom fast ausschließlich aus Wasserkraft gewonnen werde und Deutschland auf Wind und Sonne zurückgreifen könnte.

Oh, dachte ich so bei mir, das hier könnte was werden, allerdings kam dann eine Art Frage, die mich doch etwas aus der Kurve getragen hat.

„Woher kommen Gas und Erdöl unter den Polarkappen?“

Da taten sich in mir gleich zwei Fragen auf: Sollte die Frage ernst gemeint sein? War dem Fragesteller nichts über Algen, Plankton, Druck, Temperatur und Jahrtausende der Entstehung bekannt? Neee, so arg kann es doch nicht sein, also stellte ich die zweite in mir entstandene Frage.

Was haben Erdgas und Erdöl mit regenerativen Energien zu tun.

Eventuell habe ich den Fragesteller mit meiner anschließenden Verlinkung zu einem Artikel darüber, dass in Südaustralien in einem Werk die Kosten für die Herstellung von erneuerbarem Wasserstoff bei denen für Erdgas liegen, etwas verwirrt und er versuchte mich deshalb mit der Antwort, es ginge um das Klima und das sei generell nicht menschengemacht, ebenfalls zu verwirren.

Ich kam aber nicht umhin ihm grundsätzlich zuzustimmen, Klima an sich ist nicht menschengemacht, wies aber direkt daraufhin, dass Flugzeug-, Auto-, Schiffs-, Fabrik-, und andere Abgase, die das Klima beeinflussen hingegen schon menschengemacht seien. Stellte dann meinerseits die Frage ob der Abbau der Ozonschicht auch alle paar Jahrtausende wie Eiszeiten und andere vorgekommen sei.

Als Antwort bekam ich, dass das sogenannte Ozonloch ja kleiner geworden sei, außerdem gäbe es nur Hypothesen und Hochrechnungen, aber keine Beweise, das sei alles Mainstream und er folge nun mal vielen Wissenschaftlern, die es anders sehen.

Ich ahnte ja bereits mit welcher Sorte Mensch ich es hier zu tun hatte, aber mit „Mainstream“ wurde die Sache rund, so sieht also ein Klimawandelleugner aus, aha, nur wie geht man damit um?

Zunächst einmal hielt ich den Ball im Spiel und antwortete:

vermutlich stehen den „vielen Wissenschaftlern“ weit mehr Wissenschaftler gegenüber die die Hypothesen stützen.“

Etwas später fiel mir aber ein weit größeres Problem auf, der Mensch will mich doch tatsächlich dumm sterben lassen und vernachlässigt fahrlässig meine Frage, also setzte ich noch nach mit:

Ich muss allerdings feststellen, dass meine Frage was Öl und Gas mit regenerativen Energien zu tun haben bislang unbeantwortet blieb. „Es geht ums Klima und das ist generell nicht menschengemacht!“ kann keine ernstgemeinte Antwort auf diese Frage sein.“

Ihr ahnt es sicherlich bereits – eine Antwort blieb bis jetzt aus.

An anderen Stellen fielen zwei ältere Herren durch ein Benehmen auf, das jedem Drittklässler zu Ehren gereicht hätte. Sie erwarteten Rentenkonzepte, Hinweise auf den Weltfrieden und zogen auf eine Weise über Greta her, dass die Frage nach ihrer eigenen mentalen Reife, also eben jene, die sie bei Greta in Zweifel zogen, unübersehbar und entsprechend unheilschwanger über ihren Aussagen lauerte. Einen entsprechenden Hinweis ließ ich ihnen da und kümmerte mich anschließend nicht mehr weiter darum, das roch einfach zu sehr nach einer gehörigen Portion Altersstarrsinn.

Dementsprechend erwartete ich auch keine Antwort.

Mein Highlight

Doch es gab ein echtes Highlight und das meine ich nicht einmal ironisch, auch wenn die Ursprungsaussage in meinen Augen ziemlich daneben ist, so ergab sich daraus eine spannende, kontroverse Diskussion, die mit gegenseitigem Respekt von verschiedenen Standpunkten aus geführt wurde und am Ende wirklich Spaß gemacht hat.

So fing alles an:

„Ganz schön überheblich für so ein kleines Mädchen“

Wohlwollend wie ich bin, ging ich nicht davon aus, dass der Verfasser dieser Zeilen plump auf Gretas Körpergröße abzielte, sondern vielmehr auf ihr jugendliches Alter und so formulierte ich als Antwort:

Ganz schön seltsam, dass man ihre Argumente versucht mit Überheblichkeit auszukontern statt wirklich zu argumentieren.“

Nachdem noch einige andere mitgemischt hatten und er erstmalig auf die seiner Meinung nach gegebene Instrumentalisierung Gretas durch Eltern, Medien und Umweltverbände (auch wenn Greta in ihren Interview es immer wieder verneint, aber das Kind wurde vermutlich indoktriniert – so wie man uns mit 16 fürchterlich beeinflussen konnte… „Solange du deine Füße unter meinen Tisch stellst!“) auswich, wurde er nahezu großmütig, ja fast großväterlich:

„Ach, ihr Gutgläubigen. …. Ihr meint s ja gut. Aber bitte nicht so.“

Da ergab sich jetzt ein Problem, für mich ist so eine Aussage direkt eine Herausforderung, ein Affront, das war ja wohl nicht sein Ernst wollte er mich wirklich so von oben herab abkanzeln?

„Ach, ihr Gutgläubigen.“ las sich schon so wie „Ach, ihr armen Schlafschafe.“

Innerlich schwoll mir da doch etwas der Kamm, ausformuliert blieb es ruhig:

Ui, nicht so? Wer hat denn unsachlich angefangen? Das Alter hat mit der Information an sich nichts zu schaffen, aber es ist natürlich einfacher sich auf dem Alter auszuruhen anstatt argumentativ vorzugehen. Wie sagte mein Junior unlängst, „Respekt vor dem Alter – warum nur vor dem Alter? Sollten wir nicht zunächst einmal wieder lernen respektvoll miteinander umzugehen, altersunabhängig uns zuzuhören. „Er hat recht, leider ersticken viele durch ihre eigene Ignoranz und vielleicht altersbedingte Überheblichkeit eine sachlich, argumentative Auseinandersetzung im Keim. Greta holt sich Rat bei Fachleuten, um Fakten liefern zu können, finde ich ziemlich erwachsen für eine 16jährige. Jugendlichen den Respekt des Zuhörens aufgrund ihres Alters zu entziehen ist irgendwie schräg, das wäre das Gleiche als wenn sich ein Mittzwanziger hinstellt und zu einem über 60jährigen sagt „Sorry, aber dein Argument zieht nicht du bist schon kurz vor der Kalkrente in Demenzien.““

leider verallgemeinert

Trug ich mich hiernach mit der vagen Hoffnung endlich das Alter beiseiteschieben zu können und endlich auf die Argumente zu kommen, so wurde ich bitter enttäuscht, denn es folgte ein weiterer entsprechender Erklärungsansatz:

„die Berufung auf mangelnde Geschäftsfähigkeit ist nie unsachlich, sondern eine Notwendigkeit. Der Schutz von Kindern und Jugendlichen vor sich selbst und ihrer mangelnden Lebenserfahrung und ihrer leichten Beeinflussbarkeit ist nämlich eine Errungenschaft der späten Neuzeit und ein hohes Gut. Erinnern wir uns daran.“

Hm, dachte ich mir, an sich ein gutes Argument, allerdings haben wir es in diesem Fall nicht mit einer der üblichen Verdächtigen zu tun, sondern mit einer Asperger Autistin.

Asperger Autisten haben alle, so unterschiedlich sie auch sonst sein mögen, eines gemeinsam, sie haben deutliche Probleme in der sozialen Kommunikation, wenn ich aber jemanden in meinem Sinne beeinflussen will, dann müssen beide nicht nur verbal die gleiche Sprache sprechen, dem „Empfänger“ muss auch klar werden, was ich von ihm will. Stelle ich mir bei einer Person mit einem deutlichen Problem bei der sozialen Kommunikation recht schwer vor, womit ich nicht sage unmöglich, nur recht schwer, schwerer als beim Durchschnittsmitteleuropäer. Die Probleme der sozialen Kommunikation liegen im Allgemeinen bei Asperger in der Deutung der Mimik und der Stimmlagen.

Weiterhin neigen Asperger Autisten zur sogenannten Inselbegabung, sie können sich also regelrecht in ein Thema verbeißen. Wenn sie sich also für ein Thema interessieren, dann ziehen sie sich alles rein, was es zu dem Thema gibt, was im Zeitalter des Internets schon verflixt viel ist. Greta interessiert sich für das Klima und den Klimawandel, also ist es klar, dass sie wie ein Schwamm alles dazu in sich aufsaugt, wirklich alles und einige Prognosen und Rechenmodelle dazu sind echt beängstigend, da kann ich die von Greta vorgetragene Panik durchaus verstehen und nachvollziehen. Entsprechend argumentierte ich den vorliegenden Fall mit:

Das mag auf den „Normalfall“ zutreffen, hier haben wir es mit dem Asperger Syndrom zu tun, das dazu führen kann, dass sich bereits junge Menschen in ein Thema vertiefen und sich alle verfügbaren Informationen dazu besorgen, sie dürfte uns beiden im Thema Klimawandel und Klimaschutz um mehr als 10 Nasenlängen voraus sein, und da gehe ich von der durchschnittlichen mitteleuropäischen Nase aus.“

Betreuung für alle?

Damit waren wir dann wirklich endlich weg vom jugendlichen Alter und es kam das nächste Argument, das von Kritikern gerne ins Feld geführt wird – Asperger, habe ich ja auch, selber Schuld, warum erwähne ich es überhaupt und so kam es, wie es kommen musste und wurde wie folgt formuliert:

„Asperger mögen in Teilbereichen sehr intelligent sein, wissen aber nicht Wichtigkeit zu werten… Insbesondere wenn widerstreitende Informationen vorliegen. Warum wohl haben die im Regelfall eine gesetzliche Betreuung, hm?“

Oh schau, dachte ich wiederum bei mir so für mich alleine, ein Fachleut, dann wollen wir doch mal sehen was die Suchmaschine zu „Asperger Autismus und Betreuung“ so auswirft, ei schau, eine gesetzliche Regelung. Wie sagte schon ein sehr geschätzter Dozent an der FH? „Ein Blick ins Gesetz erleichtert die Rechtsfindung.“ Da! Dachte ich es mir doch – nimm dies Diskussionspartner:

Nicht im Regelfall – bei Betreuung von Autisten ist es immer eine Einzelfallentscheidung.“

schwirrte mein Diskussionsflorett durch die muffige Facebookluft auf ihn zu.

„Natürlich ist es immer eine Einzelfall- Entscheidung. Nur fast immer die gleiche.“ parierte er.

Ähh, nein.“ schlug ich den Gegenstoss zur Seite, bereit nachzulegen, aber es reichte aus.

„Zumindest bei allen Fällen Jugendlicher dürfte Betreuung der Regelfall sein“

Verdammt, dachte ich so bei mir, wenn er jetzt von deinem E-Rolli wüsste, würde er dann umgehend eine Betreuung für dich anregen? Außerdem beschlich mich so allmählich der Verdacht, dass er, der dort mit mir sprach vielleicht nicht so wirklich wusste wie genau sich das Asperger Syndrom äußert, so half ich ihm weiter:

Asperberger Autismus ist eine milde Form des Autismus und vielleicht hilft die Lektüre dieses Textes ein wenig mehr davon zu verstehen und nicht einfach drauf los zu fabulieren:

https://riddler-gedankenwelt.blogspot.com/2012/04/das-asperger-syndrom.html

Doch es schien als hätte ich mich verschätzt, seine Antwort blieb er nicht lange schuldig:

„vielen Dank, aber das bringt mir nichts wesentlich Neues. Die eingeschränkte bzw. erschwerte soziale Kompetenz wird auch in diesem Artikel zugestanden. Und deshalb darf, ja sollte man Gretas „Erkenntnissen“ auch mit einem gewissen Vorbehalt und Skepsis begegnen. Nichts für ungut, gegen das Mädchen habe ich nichts, aber gegen ihre unkritische Instrumentalisierung. Würde ich genauso sehen, wenn ihre Meinung um 180 Grad gedreht wäre“

Für einen Moment kam wieder Hoffnung auf, es deutete sich an als würde er die Aussagen und Meinung doch anerkennen, aber gleichzeitig brachte er wieder die Instrumentalisierung, was mich kurzfristig aus dem Gleichgewicht brachte und so antwortete ich wie folgt:

Jetzt wieder die Instrumentalisierung, was kommt als nächstes? Haben wir das Thema Betreuung jetzt durch, oder kommen wir darauf später noch einmal zurück?
Was hat die eingeschränkte soziale Kompetenz mit der Informationssuche und dem Interesse an einem Thema der betroffenen Person selbst zu tun? Sie hat sich mit Menschen in Verbindung gesetzt von denen sie sich sie selber weiterbringende Informationen erhoffte, sie bittet Wissenschaftler um Hilfe um uns mit Fakten zu versorgen und nicht einfach etwas in die Welt zu setzen – so arg schlimm scheint ihre soziale Kompetenz jetzt auch wieder nicht eingeschränkt zu sein.
Sie steht seit einiger Zeit jeden Freitag in Stockholm und protestiert, die Idee hatte sie augenscheinlich selber, denn jeder „Normalo“ hätte versucht eine Großdemo auf die Beine zu stellen nach dem Motto „Viel bringt Viel“ und gleich noch einen social Media Event draus gemacht – wenn daraus jetzt eine Bewegung wird dann kann man da nicht von Instrumentalisierung sprechen eher von Anreiz oder Anregung.
Nicht gram sein – aber warum reden wir über Greta und nicht endlich über das Thema für das sie steht?“

alles eine Frage des Alters

Wieder dauerte es nicht lange und ich bekam folgende Antwort:

„meinetwegen, aber bitte mit Hilfe von Experten und nicht von Schülern! Meinetwegen Dr. Mojib Latif, wenn Ihnen der was sagt. Das hat dann Hand und Fuß. Nicht Emotion.“

Latif? Noch nie gehört, was hat der denn so gesagt, flugs buddelte ich mich durch die Kernaussagen das Thema betreffend – Hoch lebe das Internet, was man da alles findet.

immerhin holt sich die Schülerin Informationen von Experten, was ich aber an ihr schätze ist, dass sie das Thema endlich mal wieder in die breite Öffentlichkeit bringt. Dr. Latif stimmt doch mit Greta überein also ist ihr Gedanke nicht so abwegig, was macht da dann die Überheblichkeit aus, Dr. Latif sagt auch in Deutschland wird nicht genug getan. Ist das jetzt nur nicht überheblich weil er älter ist?“

Was kam, war die Antwort, die ich irgendwie befürchtet hatte:

„ja. Genauso verhält es sich.“

Alter Verwalter, das erinnerte mich direkt an „Der Zauberer ihrer Majestät ein Fantasy Roman in dem ein Erdenbewohner auf einen erdähnlichen Planeten gelangt, dort ist es dem Mittelalter auf der Erde sehr ähnlich, Ritter, Drachen halt alles was man so braucht für einen Fantasy Roman. Die Welt ist eindeutig schwarz – weiß ausgelegt, der Erdmensch sagt etwas zur Menschenmenge vor sich, keiner reagiert, der Ritter neben ihm sagt genau das gleiche und zack Reaktionen im Übermaß. „Du bist eben kein Ritter.“

Greta ist jung, egal ob sie genau das gleiche sagt wie Dr. Latif es ist unwichtig und muss nicht zur Kenntnis genommen werden, da sie – zurück zum Satzanfang – zu jung ist.

Ich konnte nicht anders, ich musste dazu recht deutlich meine Meinung abgeben:

das ist, mit Verlaub gesagt, ein ziemlich überheblicher Denkansatz und zeugt von einer unbeschreiblichen Ignoranz jüngeren Menschen gegenüber – solange sie unter 18 (nach deutschem Recht also volljährig) sind, reden sie Blech und man muss ihnen nicht zuhören, sobald sie 18 (s.o.) sind muss man ihnen zuhören denn jetzt sind sie ja vollwertige Mitglieder der Gesellschaft, egal ob sie genau das gleiche sagen wie mit 17 Jahren und 363 Tagen.. erstaunlich..“

Die Antwort war zu erwarten:

„nein überhaupt nicht. Ich akzeptiere jede Meinung. Aber die eines Teenagers diskutiere ich vielleicht mit ihm. Ernst nehmen tu ich sie auf diesem technischen Gebiet nicht“

Ich musste einfach noch mal nachfragen, das war mir zu seltsam:

Also verstehe ich das richtig, Dr. Latif sagt „Deutschland macht nicht genug“ = tolle Aussage kann ich nachvollziehen.
Greta zitiert Dr. Latif und sagt „Deutschland macht nicht genug“ = ganz schön überheblich das kleine Kind?“

Doch meine Befürchtungen wurden bestätigt:

„ja. Weil sie wahrscheinlich einseitig fixiert nur noch in einer Richtung liest. Und unsere großen Medien finden das alle gaaaanz toll. Und sie setzen dann auch noch auf die Emotionsschiene. ….soooo ein kluges junges Mädchen.
Es ist ausschließlich diese billige durchschaubare Instrumentalisierung eines jungen Mädchens, die ich schon missbräuchlich finde. Egal für welchen Zweck“

Zeit für eine kleine Zeitreise

Allerdings kam dann ein recht interessanter Vorschlag:

„versetzen Sie sich mal in ihr 16. Lebensjahr. Ganz ehrlich sich selbst gegenüber.
Ist n guter Lackmustest.“

Schon alleine weil ich sowieso gerne mal Erinnerungen rauskrame gefiel mir die Idee, wobei mir jetzt beim Schreiben noch weitere Einzelheiten aus der Zeit einfallen, aber hier erst einmal meine direkte Antwort:

„Ist zwar grundsätzlich ein interessanter Gedanke, allerdings tauge ich recht wenig als Beispiel, weil ich schon damals ziemlich nerdig war und in Bezug auf Greta hinkt der Vergleich noch mehr, denn bei der Selbstbetrachtung können wir die Auswirkung von Asperger auf Greta nicht mal im Ansatz nachvollziehen. Außerdem unterscheiden sich unsere Generationen von Gretas gewaltig.“

Außerdem bin ich zu dem Zeitpunkt in die SPD eingetreten (nach der letzten GroKo Entscheidung wieder ausgetreten, meine Beweggründe folgen vielleicht irgendwann, haben hier aber nichts verloren) entsprechend war ich mit 16 aktiv bei den Jusos, zeitweilig auch im Vorstand, Ortverein, Stadtverbandskonferenz und alles was man so mitnehmen kann. Umweltschutz war auch interessant es gab nur keine ernstzunehmende Grünen Bewegung in meinem Städtchen, das waren alles Menschen, die schon immer etwas komisch waren.

Interessant fand ich an dieser Stelle auch eine Antwort auf eine Zwischenbemerkung eines mitlesenden Teilnehmers:

„ egal. Der Wille einer Minderjährigen sollte für eine objektive seriöse Berichterstattung eines seriösen Journalisten kein Kriterium sein was berichtenswert ist. Der ganzen Sache wird einfach viel zu viel Raum gegeben und die Leute werden kirre gemacht von einem panikenden Mädchen“

Auf meine Aussage, dass man die Generationen nicht vergleichen könne:

„Ich bestreite dass die Generationen nicht vergleichbar seien. Nicht in einem Vergleichsraum von etwa fünfzig Jahren“

Dazu ich:

ach echt? Haben Sie mit 16 diesen schnellen Zugang zu Informationen gehabt? Um nur ein Beispiel zu bringen.“

Es erfolgte eine knappe Erläuterung:

„es geht mir um die Verständnis Fähigkeit und Reife. Informationen gab es immer auf verschiedene Weisen“

Irgendwie fand ich die Debatte über das Alter mittlerweile echt stressig und bezog Stellung zu unseren Generationen wie folgt:

Da gab es auch in unseren Generationen die Überflieger und Inselbegabten.“

Zum Thema zu jung wurde ich leicht provokant:

Genau alle wegsperren und erst ab 18 wahrnehmen, ist aber auch von mehr als vorgestern die Einstellung.“

Entsprechend wurde ich zur Ordnung gerufen:

„Wegsperren? Bleiben Sie doch bitte sachlich“

Ich ergänzte und erläuterte meine Aussage:

Wegsperren aus der öffentlichen Wahrnehmung“

Dann allerdings kam mir ein gewaltiges Problem in den Sinn, außerdem fand ich, wie gesagt die Altersdiskussion echt unmöglich und erstmals erwachte der Satiriker in mir:

Moment, wir haben ein Problem.. wenn wir sie direkt ab dem 18. Geburtstag wahrnehmen und ihnen zuhören, stammen die Meinungen und Aussagen definitiv aus einer Zeit als wir sie nicht nicht wahrnehmen durften, von zuhören ganz zu schweigen. Sollten wir da nicht noch eine Karenzzeit von mindestens einem weiteren Jahr veranschlagen? So ab 19 vielleicht?“

Der Vorschlag stieß auf Gegenliebe und wurde sogar ausgedehnt:

„provokativ gefragt, warum eigentlich nicht? Nicht ohne Grund wird im Strafrecht die Verantwortlichkeit für eigenes Handeln bis zum 21. Lebensjahr meist eingeschränkt. Die ursprünglich als Ausnahme gedachte sogenannte Reifeverzögerung ist mittlerweile zum Regelfall geworden. Meinen Sie die Strafgerichte machen das ohne Grund?“

 

Allerdings gab es etwas das mich persönlich schon eine ganze Weile beschäftigte:

Warum legen sie an einen internationalen Fall deutsches Recht an? Hat mich vorhin schon bei dem Exkurs ins Betreuungsrecht gewundert.“

Irgendwie roch es streng nach einem geplanten Eingriff in die Grundrechte und so musste ich der Sache einfach auf den Grund gehen:

Oder fordern sie hier konsequent deutsches Handeln und Zensur bis die betreffende Person das entsprechende Alter erreicht hat sollen alle Aussagen in Deutschland nicht verfügbar sein?“

„Sie überzeichnen total. Schüler sollen da diskutieren wo das hingehört. Vor allem in der Schule. Das ist auch gut so zur Entwicklung und Reife. Und was deutsche Medien angeht, so sollten die sich durchaus an unseren Rechtsgrundsätzen orientieren, finden Sie nicht? Ich vermute überdies ähnliche Regelungen in Schweden als europäischem Land“

fundiertes Wissen zählt nicht?

Damit konnte man doch arbeiten, daraus ergab sich die nächste Frage:

und welche Rechtsgrundsätze haben wir über wissenschaftlich fundierte Aussagen von 16jährigen?“

Man mag mich korrigieren, aber wenn jemand sich aus wissenschaftlichen Quellen informiert, seine Ergebnisse mit Wissenschaftlern bespricht und sich weitere Informationen einholt, damit sie keine Fehlinformationen weitergibt, dann ist es meiner bescheidenen Meinung nach durchaus eine wissenschaftlich fundierte Aussage, denn sie wurde ja von Wissenschaftlern abgesegnet. Dennoch wurde mein Ansatz zurückgewiesen, obwohl fundierte Aussagen lediglich wissenschaftlich belegt aber keine eigenen Erkenntnisse sein müssen.

„es wird absurd. Greta liest viel und ist deswegen noch lang keine Wissenschaftlerin. Und wenn sie weiter Schule schwänzt wird sie auch keine werden können.
Zum Abschluss geb ich mal wieder was Hamed Abdel Samad heute dazu schrieb. Jeder Satz zutreffend. :
„Ich finde es großartig, wenn Kinder sich für die Politik und den Umweltschutz interessieren. Schrecklich ist es jedoch wenn die Angst ihr Zugang zu diesen Themen ist, nicht die Neugier. schrecklich ist es, wenn das Thema religiöse Dimensionen nimmt. Hier die Schuldgefühle, dort die Hölle des Weltuntergangs, und dazwischen der Mensch, der entweder ein Umweltsünder ist oder ein Prophet der das gesamte Planet retten will und Himmel auf Erden etabliert.
Greta Thunberg hat eine beeindruckende Rede in der UNO gehalten. Ich will mich an keiner Verschwörungstheorien beteiligen, wer und was hinter ihrer Rede stand. Doch ein Satz aus ihrer Rede fand ich besonders erschreckend: „Ich habe Angst, und ich will dass ihr die gleiche Angst spürt“. Dahinter steckt ohne Zweifel die Ideologie von Himmel und Hölle, von der ich oben sprach. Eine Ideologie, die besonders in Schweden (aber mittlerweile auch in Deutschland) ein fester Bestandteil der Bildung ist. Eine Ideologie die sagt „die Erde ist gut und der Mensch ist böse, vor allem der weiße Mensch“.
Man sollte die Sorgen von Kindern ernst nehmen, doch man darf Kinder nicht mit Horrorszenarien und Ängsten futtern, die sie in Panik geraten lassen, um dann diese Panik für politische Zwecke zu missbrauchen.
Heute lese ich in einer deutschen Zeitung, dass ein deutscher Journalist Greta fragte was sie davon hält dass der Kohleausstieg in Deutschland erst 2038 stattfindet. Sie antwortete „Das ist absurd“.
Absurd ist, dass ein Journalist nach Schweden reist, um eine 16-jährige wie eine Umweltpropheten zu fragen was sie von deutscher Energiepolitik hält, und glaubt von ihr eine qualifizierte Meinung dazu zu bekommen. Das ist Ideologie.
Ich finde es ebenfalls abstoßend, wenn Rechte Greta beschimpfen und ihre Krankheit thematisieren, um ihre Meinung zu disqualifizieren. Das ist auch Ideologie. Gretas Aussagen bleiben die Meinung einer Schülerin. Diese Meinung hat Geltung. man darf sie weder überhöhen noch unterdrücken!
Einigen wir uns darauf, dass wir ein Problem mit der Umwelt haben. Und das wir bewusster leben und unser Konsum mäßigen müssen, um weiterhin saubere Luft zu atmen und sauberes Wasser zu trinken. Aber wir sollten uns von der Arroganz lösen, die ganze Erde retten zu können. Denn falls die Erde uns nicht mehr will, würde sie uns wie Flöhe von sich abschütteln, wie der Comedian George Carlin einst sagte!““

Wenn er jetzt damit schließen wollte, lief doch aber seine gesamte vorherige Diskussion am Thema vorbei:

Ja, aber im Gegensatz zu ihnen hört Samad Greta zu und hat lediglich mit ihrer Art der überspitzten Darstellung Probleme aber nicht mit der Aussage an sich, auch nicht damit, dass sie es sagt oder wie alt sie ist. Er nimmt sie wahr – als Meinung lässt er sie gelten und fordert nicht sie bis ca 21 zu ignorieren.“

Wie nicht anders zu erwarten gab es Widerworte:

„nichts anderes habe ich geschrieben. Wenn Sie es richtig gelesen hätten. Die Meinung einer Schülerin. Nicht weniger, aber auch nicht mehr.“

Aber, das Internet vergisst nichts, also scrollte ich kurz hoch und fasste die Kernaussagen wie folgt zusammen:

oh nein, sie gingen nebenbei noch über Asperger und die mediale Instrumentalisierung. Die Aussagen wollten sie ignorieren bis sie vollljährig ist auf Nachfrage sogar bis 21.“

Seine Antwort war für mich persönlich unbefriedigend und verwirrend:

„all das war ja Bestandteil der Medien Inszenierung. Da konnte man nicht drüber weggehen, um den Fall in Gänze zu erfassen“

Also habe ich einfach nochmal nach dem weiteren Vorgehen gefragt:

Also was machen wir jetzt? Nehmen wir sie wahr und ihre Meinung zur Diskussion an, oder stempeln sie als überheblich und unreif ab, was zur Folge hat, wir ignorieren sie bis 21?“

Dann kam sie die Aussage, auf die ich mühsam hingearbeitet habe:

„ich nehme ihre Meinung zur Kenntnis und damit hat es sich.“

Aber ich kam nicht umhin zu vermuten, dass die Lorbeeren dafür an jemand anderen gingen:

Damit sind wir doch ein ganzes Stück weiter als vorher 😀 Vermutlich geht der Dank dafür an Samad.“

Was ich richtig klasse fand, war die Tatsache, dass er sogar seine Grundaussage überdachte:

„nur noch eins: Überheblich wird das Mädchen möglicherweise erst durch den Hype gemacht. Beispiele gibt’s bei Kinderstars . Deswegen ja auch meine Sorge um das Kind. Auch wenn das nicht so ganz rüber kam bisher.“

Ich sah und sehe die Gefahr gerade bei Greta allerdings als nicht gegeben an:

Ich glaube da müssen wir uns bei ihr Aufgrund des Asperger Syndroms nicht wirklich Sorgen machen.“

Damit sind wir am Ende der Diskussion angelangt, ich stellte mich ihm anschließend in einer PN vor und bat darum ihn für diesen Artikel zitieren zu dürfen, was er mir dankenswerter Weise gestattete. Ich möchte mich an dieser Stelle noch einmal bei meinem Gegenpart für die offene, stets respektvolle Diskussion bedanken, so macht es Spaß Gedanken auszutauschen, auch wenn man am Ende vielleicht nicht auf einen Nenner kommt, so habe ich dennoch einiges aus der Diskussion mitgenommen vor allem andere Denkansätze, die ich in meinen weiteren eigenen Gedanken mit verwerten und in Betracht ziehen kann – und das bei jedem Thema, das ich bearbeite.

Leider kein Einzelfall, sondern in letzter Zeit die Regel

Ich finde, in diesem Gesprächsverlauf sehen wir viele der Vorbehalte Greta Thunberg gegenüber.

Aber die Diskussionen über Greta Thunberg sind ja eigentlich nur die Spitze des Eisberges, an ihr fällt es mehr Menschen auf, dabei kippt die Diskussionskultur immer mehr ins Unsinnige ab. Egal wer etwas zu welchem Thema auch sagt, es ist auch völlig egal was er sagt, die gefühlt meisten in den sozialen Medien gehen erst einmal gegen die Person an. Nehmen wir diesen bislang völlig in der Versenkung wohnenden Jungspund der CDU, der auch versuchte durch das Thema Greta Thunberg sein eigenes Profil zu schärfen, aber anstatt ihr Thema aufzugreifen nichts besseres zu tun hatte als sie direkt zu attackieren. Was soll so etwas? Wenn man zu einem Thema nichts zu sagen hat, sollte man die Klappe halten, zumindest so lange bis man sich soweit in das Thema eingelesen hat, dass man wenigstens einen einigermaßen Schimmer hat um was es geht. Aber gut in Zeiten in denen Menschen, die von sich meinen intelligent zu sein, sagen „Ich lese nichts was länger ist als vier Zeilen“, muss man, fürchte ich, damit leben, dass wir immer mehr mit hohlen, nicht zum Thema passenden Phrasen und verbalen Angriffen auf den Redner leben müssen.

Wir müssen uns einfach nur bewusst werden, dass dies nicht peinlich ist für den Angegriffenen, sondern für den Angreifer und seine Kinderstube.

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