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Wieder einmal sitze ich hier am Kopfende meines Tisches, draußen ist es norddeutsch nass, matschig, grün – ist ein Teil der nördlichen Hemisphäre auch in winterliches Weiß gehüllt, hier nicht, Sonne ist ebenfalls Fehlanzeige, norddeutsch eben – vergangenes Jahr gab es hier 1459,9 Stunden Sonnenschein, was aber nicht gleichbedeutend ist mit regenfreien Tagen, bekanntermaßen scheint die Sonne ja auch durchaus mal zwischen den Regenschauern. Ein Blick auf den Kalender zeigt allerdings, ohne Schnee, es darf kalt sein, das Wetter entspricht der Jahreszeit, kein Grund sich zu beklagen, die Zeit der Schmetterlinge kommt bestimmt.

Allerdings stimmt ein Blick aus dem Fenster auf dieses Wetter eindeutig betrüblicher, als der Anblick munter tanzender Sommergesellen, wobei ich nicht unbedingt nur ein Schönwettermensch bin, es ist nur, dieses Wetter es ist… langweilig, legt ein büschn Wind dazu, kokelt den Kamin an, dann wird es lauschig, aber so ist es eben trist, langweilig und öde. Allerdings sind dies ja nur meine höchsteigenen Witterungsemotionen, andere Menschen haben andere und mögen vielleicht dieses Wetter und können mit Sommer und Sonnenschein nichts anfangen.

Während ich also noch über das Wetter hin und her sinniere, kommt von der Seite links schräg quer ein weiterer Gedanken anmarschiert, langsam schlurfend leise und schubst mich auf eines der üblichen Themen der sozialen Netzwerke, allen voran Facebook, der Gedanke wirft mir noch „Gemeinschaftsstandards“ an die Hirnwindung und löst sich dann in Wohlgefallen auf. Prima, nicht mal einen richtigen Arbeitsauftrag dagelassen, jedoch fällt mir relativ spontan ein Facebookrätsel ein:

„Was ist unsichtbar auf Facebook und dennoch in verschiedenen Farben, Größen und Formen vorhanden, ist immer wieder Streitthema und als solches dann in aller Munde?“

Nippel!

Die Lösung ist, wenn man die Herkunft von Facebook berücksichtigt, recht einfach – Nippel, genauer gesagt, weibliche Nippel. Die Brust drumherum kann so groß oder so klein, so natürlich oder künstlich sein, wie es der Natur oder der Natur der Trägerin gefällt, so lange der Nippel unsichtbar ist, darf sie gezeigt werden. Blitzt aber der Nippel auf, ist Schluss mit lustig, dann schlägt das Facebook-Rollkommando erbarmungslos zu, Sperre, Pranger, Abmahnung, lediglich von einem körperlichen Verweis sieht das Unternehmen bislang ab, aber auch dafür sind bereits Pläne in der Schublade.

Ist aber wie erwähnt bei der Herkunft von Facebook kein großartiges Wunder, Amerika ist prüde bis zum Abwinken, Waffen gibt es nahezu frei verkäuflich, die Pornoindustrie boomt und eine von jeglichem gesunden Menschenverstand befreite Challenge jagt die nächste.

Während man sich hierzulande fragt, ob das Dschungelcamp noch in mentalem Unterhaltungswert zu unterbieten ist, futtern sie dort löffelweise Zimt oder neuerdings Waschmitteltabs, während man sich hierzulande noch fragt, wie man dort auf die Idee kommen konnte, diese Wahl eines Präsidenten zu treffen, wird von dort bereits die Antwort geliefert, sie essen Waschmittel. Auf der Packung steht „Von Kindern fernhalten“, cool, endlich mal ein Snack nur für die Großen. Bill Engval würde sagen „here’s your sign“.

Aus einem solchen Land kommt also Facebook, während man hierzulande nach einem Amoklauf über eine weitere Verschärfung des Waffenrechts nachdenkt, laufen dort die Waffenlobbyisten Amok, wenn nur entfernt der Gedanke aufkommt, es könnte durch eine Verschärfung des Waffenrechtes eine Besserung herbeigeführt werden – meist wird der Amokschütze gleich mit erschossen, Problem beseitigt, wird ihm eine Lehre sein.

Pornos bringen Kohle, entsprechend gefeiert wird die Industrie, schillernd entsprechende Preise verteilt, Nacktheit in anderen Belangen hingegen ist ein Skandal, Prostitution verpönt, strafbar, Playboy (Hey den liest MANN nur wegen der Interviews!) gibt es nicht wie bei uns im Supermarkt an der Ecke, den gibt es im super Markt um die Ecke, da gibt es dann auch gleich noch die preisgekrönten Filme aus dem ersten Satz dieses Absatzes.

Blitzt ein Nippel auf, wird er unkenntlich gemacht, geht natürlich schlecht bei einem Livebild, seit dem Nipplegate (Janet Jackson beim Super Bowl 2004) werden deshalb Live Veranstaltungen nur noch zeitversetzt (meist 5 Minuten) im TV übertragen, damit die Sittenwächter Nippel abkleben können.

Zurück zu Facebook, natürlich muss keiner dieses Medium benutzen, wenn ihm oder ihr diese „Gemeinschaftsstandards“ nicht passen, aber ein wenig verwunderlich ist es schon, wenn ein Unternehmen auf der einen Seite keine Probleme damit hat, Beleidigungen, rechte und linke Hetze, Menschenrechtsverletzungen, Bilder von Greueltaten, als mit den Gemeinschaftsstandards konform zu erklären, aber bei einem Nippel sofort mit aller Härte reagiert.

Ich persönlich sehe aber lieber mal einen Nippel, als hundertfach mit Greuelbildern bombardiert zu werden.

#Metoo

Ist jedoch im #Metoo Zeitalter ein relativ offenes Bekenntnis pro Nippel noch statthaft? Ich denke schon, schließlich beziehe ich mich nicht auf einen speziellen (oder auch zwei), sondern es geht mir allgemein um die Darstellung und die Diskrepanz zwischen Gewaltdarstellung auf der einen Seite und Nacktheit auf der anderen Seite, zumal ich davon ausgehe, dass der überwiegende Teil der weiblichen User sorgsam mit der Zurschaustellung ihrer höchsteigenen Nippel umgehen würden.

Außerdem geht es meiner Meinung nach bei der #Metoo-Debatte nicht in erster Linie um Sexismus und Nacktheit, sondern vielmehr um Machtmissbrauch, jene Macht, die ausgenutzt wird, um ein Opfer willfährig zu machen.

Machtmissbrauch in jeglicher Form ist auf das schärfste zu verurteilen, es ist an der Zeit die Beschwerden der betroffenen Frauen ernst zu nehmen.

Ich habe mich auch gefragt, ob ich jetzt sorgsamer im Freundeskreis agieren muss, weniger „zotig“ bei Feierlichkeiten, eventuell als anzüglich zu deutende Aussagen unterlassen sollte und ich denke, so geht es vielen Männern, aber auch Frauen.

Doch muss das wirklich sein?

Selbstverständlich ist es immer gut, das eigene Verhalten zu reflektieren, keine Frage, sollten wir alle hin und wieder und manche vielleicht sogar öfter machen, aber abgesehen davon, geht es bei #Metoo eben wirklich um Machtmissbrauch, Macht durch eine Position, meist gesellschaftlicher Art, Erzwungenes durch eine Vormachtstellung und damit verbundener Druck auf das Opfer der Begierde. Eine Situation, die bei einem Flirt, bei einer Veranstaltung oder einer Feierlichkeit mit Freunden eher unwahrscheinlich ist, schließlich begegnet man sich, zumindest im Freundeskreis, eher auf Augenhöhe (in meinem Fall sinnbildlich, es sei denn, die anderen sitzen auch, sonst ist eher mal ein Bauch auf meiner Augenhöhe).

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