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Mimikama-Kolumne: “Ich sitze hier am Kopfende meines Tisches”. Bei dieser Kolumne, werden Themen aus dem Netz mit einem Hauch Ironie beleuchtet. Von Jens H., mimikama.at

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Da sitze ich mal wieder am Kopfende meines Tisches und blättere mich durch diverse Seiten virtuell vergilbten Lesestoffs, bei der Schnelllebigkeit von Informationen auf Facebook, sind die meisten nicht älter als 24 Stunden, teilweise aber schon wieder vom tagesaktuellen Geschehen überholt. Da bleibt natürlich einiges auf der Strecke, damit meine ich jetzt nicht dem Abwasch, da gibt es ja die Spülmaschine für, nein, ich meine wichtige Informationen, richtige Informationen, irgendwie wird immer alles auf die gefühlte Briefmarkengröße geschrumpft, auf ein Bild getextet, aber bitte nicht länger als x-Zeilen und ja ich weiß darüber schwadroniere ich immer mal wieder und es hilft nichts, kann es auch nicht, denn die breite Maße braucht es genau so wie es ist.

persönliches Unvermögen

Ich kann es leider, oder zum Glück nicht so kurz, selbst wenn ich es versuche, es klappt einfach nicht. Alles was kürzer ist als eine Seite ist einfach nur ein Absatz, da habe ich das Gefühl, das reicht so nicht. Seht es mir also nach, wenn Ihr Euch hier immer wieder durch lange Texte und gefühlt noch länger Sätze quälen müsst, ich mache das nicht mit Absicht, ich mache das zum Spaß, weil es mir persönlich eine geradezu diebische Freude bereitet meine Leser durch gewagte Satzkonstrukte zu zwingen, die teilweise schlicht dadurch entstehen, dass mir beim Schreiben des einen Teilsatzes eine Erläuterung dazu einfällt und die wird dann eben eingeschoben. Das fällt mir leichter, als nach Beendigung des Textes noch einmal drüber zu gehen und mühsam kurze Sätze zu konstruieren.

Thema?

Zurück zum eigentlichen Problem, der Schnelllebigkeit von Informationen auf Facebook, es ist ja nicht so, dass alle Informationen dadurch auch gleich ein kurzes Leben beschieden ist, nein, so jetzt auch wieder nicht, sie werden einfach von der Masse an weiteren Posts fortgeschwemmt, da gibt es verschiedene Möglichkeiten zu reagieren, entweder man schwimmt im Strom mit und teilt was das Zeug hält, schlichtweg alles, was man irgendjemandem zeigen möchte, am besten noch mit einem durch die Überschrift und einiger eigener Phantasie beflügeltem Kommentar, der bei näherer Betrachtung des Gesamtkontextes dann aber wieder keinerlei Existenzgrundlage mehr hätte, weil er meilenweit am Thema vorbei geht, aber du den „Verteiler“ mit den Worten „Ich kann doch nicht alles lesen“ verteidigt wird. Dann möge er, oder sie, aber der Welt zumindest seinen Kommentar ersparen, der impliziert nämlich er, oder sie, habe sich tatsächlich mit dem Inhalt auseinandergesetzt, zumindest versuchsweise und ist dann am einfach Verständnis gescheitert, stellt sich dann beim Lesen des geteilten Textes heraus, dass der Kommentar nur bedingt auf den Text zutrifft, etwa weil eine Studie gerade mal wieder das „Teilverhalten“ von Facebook – Usern erforschen will, kann der, oder die, Teiler, oder Teilerin, ruckzuck als dümmer da stehen, als es ihm, oder ihr, eigentlich lieb ist.


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Wenn man nicht zu den „Allesteilern“ gehören will, beginnt man zu selektieren, auszuwählen, was wird verteilt, wer sich richtig viel Mühe gibt, erstellt noch Gruppen innerhalb seiner Kontakte und verteilt die Post entsprechend der Interessen in den Gruppen, aber selbst dann kommt es vor, dass man abends erschreckt feststellen muss, dass da doch einiges über den Äther gegangen ist. So oder so, Facebook unterliegt einer starken Informationsfluktuation, wobei hierbei der Begriff Information sehr weit gefasst werden muss, sehr sehr weit, ach was noch weiter als sehr sehr weit. Da sind dann auch Katzenbilder, Spaß Meme und Blumengrüße mit dabei. Eben alles was so vorbeitröpfelt. Wäre Facebook wie „Dalli – Dalli“ mit Hans Rosenthal, würde einiges abgezogen werden, weil es doppelt ist, wenn wir ehrlich sind, wird durch die Wahl des Ausdrucks „doppelt“ in Bezug auf Facebook Posts auf der Timeline, die Statistik arg geschönt und der Begriff „doppelt“ mindestens ebenso weit ausgelegt, wie zuvor der Begriff Information.

Einige Meldungen sind auch schlicht nicht „tot“ zu kriegen, so wie die mal angesprochene Ute Christoff und ihre Anverwandten Hoaxes, gibt es viele weitere virtuelle Wiedergänger, Hoaxdämonen, eigentlich wollte ich den Begriff Hoaxzombies nutzen, aber der allgemeinen Auffassung über Zombies nach kann man diesen ja durchaus beikommen, wie genau mag ich hier nicht erklären, dass wisst Ihr selber, außerdem lesen bestimmt Kinder mit. Aber diese Biester kommen ja immer wieder aus den dunkelsten, der dunklen Tiefen des Netzes hervorgekrochen, ähnlich wie Ute und ihre Vorgänger durchaus hin und wieder in einem neuen Gewand und neuem Namen, aber letztendlich sind es dieselben Geister, die dahinterstecken, also nicht auf der Schreiberlingseite am PC, ich meine die Geister im Post.

die noch Hausbank

An einen dieser von uns bei ZDDK schon oft aufgelaufenen und immer wieder mühsam gebannten, dennoch eine riesige Fangemeinde besitzenden, und oftmals mit den Worten „besser mal geteilt, könnte ja sein es hilft“ geteilten „Geist“, musste ich kürzlich erst denken. Da erhielt ich einen Anruf aus der Zentrale meiner noch Hausbank, das ist der Ort an dem sich die angeblichen Unsummen aus Spendengeldern tummeln sollen, und ganz im Gegensatz zu der Bank vor meinem Haus, ist meine noch Hausbank nicht in so kurzer Distanz zum Kopfende meines Tisches, schon gar nicht deren Zentrale. Also, eben jene Zentrale bzw. eine dort beschäftigte Mitarbeiterin, rief mich an, um mir mitzuteilen, dass meine Kundenberaterin vor Ort, in der hier ansässigen örtlichen Filiale, hätte Sehnsucht nach mir und würde sich gerne einmal wieder mit mir über meine Zufriedenheit bezüglich des Bankservices austauschen. Dazu muss man wissen, mir ist an einer Bank wichtig, dass ich mein Geld dort parken kann, bis es durch Daueraufträge verteilt meine monatlichen Fixkosten deckt und dass ich dafür möglichst wenig zu löhnen habe, vorzugsweise gar nichts, nada, niente, nothing, kostenlose Kontoführung ist wie Musik in meinen Ohren und eben jenes bot mir meine noch Hausbank bis zu diesem für mich durchaus denkwürdigen Tag, denn wenn ich gewusst oder auch nur im entferntesten geahnt hätte, was der Tag noch so mit sich bringt hätte ich am Telefon ganz anders reagiert.

Schon alleine das Ansinnen, mir mitzuteilen eine weitere Person hätte Sehnsucht nach mir, erschüttert mein Selbstverständnis auf das ärgste, habe ich etwa Telefonmundgeruch, oder bin ich gar ein unflätiger Gesprächspartner? Ist meine persönliche Kundenberaterin nicht in der Lage mir persönlich ihre persönliche Sehnsucht nach mir mitzuteilen? Fürchtet sie Repressalien aus einer anderen Richtung? Will sie diese Sehnsucht vor ihrem Chef geheim halten und ist dazu der Schritt über die Bank eigene Zentrale der richtige? Wir werden es nie erfahren, denn ich sprach die voreiligen und mittlerweile ernsthaft bereuten Worte „Ich sehe keinen Grund für ein Gespräch, ich habe doch nichts zu meckern die Kontoführung klappt, also bin ich zufrieden“ – kurz, bündig, ohne viele Worte, also ganz so wie man mich kennt. Keine zwei Stunden später schlug das Schicksal postalisch auf meine Kundenzufriedenheit ein und legte diese in Schutt und Asche. Mir wurde in einem freundlichen doch bestimmten Brief mitgeteilt, mein bislang kostenloses Konto würde ab Oktober 7,99€ an Kontoführungsgebühren kosten. Hätte ich den Brief VOR dem Anruf bekommen, oh ja DANN hätte ich durchaus ebenfalls eine extreme Sehnsucht nach meiner Kundenbetreuerin verspürt, so verspürte ich nur das dringende Bedürfnis mir eine neue Hausbank zu suchen. Warum ich nicht Kontakt mit der Bank aufgenommen habe? Na, weil sie mir mitgeteilt haben, dass ich, wenn ich mit der Änderung der AGB nicht einverstanden bin, ein Sonderkündigungsrecht habe und bis zum Tage xy mein Konto kostenfrei kündigen könne.

Pawlow lässt grüßen

Genau an dieser Stelle sprang einer der Internetgeister in mein Blickfeld und tanzte auf meinem Tisch Rumba. Der gern genommene und immer wieder neu datierte Widerspruch gegen die Facebook AGB. Am besten noch mit Bezug auf völlig abwegige Paragraphen aus dem StGB. Jeder weiß, dass Facebook die Sammeleidenschaft eines Datenmessis hat, alles was virtuell nicht niet- und nagelfest ist, wird kopiert und gespeichert. Jeder macht dieses Spielchen mit, beliefert Facebook und die ganze Welt freiwillig mit jeder Menge privaten Informationen und Bildern, die einen mehr die anderen weniger, aber jeder, der bei Facebook mitmacht, tanzt den Reigen mit. Es gibt durchaus Menschen bei denen kann ich es nachvollziehen, dass sie die Geschichte über den Widerspruch gegen die neuen AGB schlucken wie ein Fisch den Köder, eben jene die weiter oben schon zitiert wurden mit „Ich lese mir doch nicht alles durch“. Die teilen dann eben den Widerspruch „vielleicht hilft es ja doch“. Andere kündigen vollmundig ihren Rückzug von der Plattform Facebook an und sind ein Jahr später immer noch aktiv. Was man mir jedoch erklären muss, warum teilen Menschen, die sich als durchaus intelligent bewiesen haben, abgeschlossenes Studium und dergleichen, warum teilen die so einen Firlefanz? „Weils schee macht“? Statt einfach mal die §§ zu eruieren und selber darauf zu kommen, dass das ausgemachter Unfug ist. Wäre ein guter Schritt Richtung – zuerst denken, dann klicken, aber irgendetwas schnappt bei der Begriffskombination „Facebook“ und „AGB“ aus, das löst einen pawlowschen Klickreflex beim User aus, die Kombination taucht auf und „klick“ – hups. Natürlich könnte man sich der weitläufig vertretenen Meinung anschließen „Facebook sammelt eh alles, die werden es schon zur Kenntnis nehmen“ ähmm also eher nicht, die werden sich nicht die Mühe machen und für jeden einzelnen User eine gesonderte AGB akzeptieren, außerdem geht es Facebook um Fotos und Daten, alles was Schriftverkehr ist, geht ungefiltert auf die Speicherplatten der NSA (SPASS!) also müsstet ihr wenn schon dann den AGB der NSA widersprechen? *g* Und weil wir gerade so schön dabei sind, es heißt Allgemeine Geschäftsbedingungen abgekürzt AGB und nicht AGB’s (Allgemeine Geschäftsbedingungen’s?) also, wenn falsch dann richtig AGBs’s!!!11

Seht dort oben

Wenn ich mit mehr Langeweile gesegnet und mehr Störenfried als Aufklärer wäre, dann würde ich ja auch mal einen solchen Testballon starten, nur um zu sehen wie oft der in welcher Zeit geteilt wird. Da ich aber nett sein kann, lasse ich es bleiben, aber es weckt Erinnerungen an die Schul- und Studienzeit, als wir Zettel herum gaben mit der geheimnisvollen Frage „Wer hat die schwarzen Schuhabdrücke an die Decke gemalt“, anschließend haben wir albern kichernd die Klasse, den Kurs beobachtet und genau gezählt wer alles mehr oder weniger auffällig nach oben geschaut hat, hin und wieder bekam ein Lehrer oder Dozent den Zettel zu fassen, las ihn, schaute nach oben, anschließend teils belustigt, aber auch vorwurfsvoll in die Runde und warf den Zettel in den Müll. Vertraut mir, wenn man etwas Zeit vergehen liess, konnte man den Zettel im selben Kurs erneut einsetzen, es schauten fast alle wieder nach oben, die schon beim vorherigen Mal nach oben geschaut haben.

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