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Nach langer Zeit sitze ich wieder einmal am Kopfende meines Tisches und ich muss sagen es fühlt sich gut und richtig an. Warum ich dann so lange still war, nun sagen wir so, es gibt Dinge im Leben die nehmen einem die Kraft, man schaltet um auf reine Existenz, wenn die virtuellen Einschläge von allen Seiten kommen, dann fehlt oftmals die Kraft für die einfachsten Dinge auch für die, die eigentlich am meisten Spaß machen, zumindest war und ist es so bei mir – ich werde einfach leise und versuche meine Probleme mit möglichst wenig Leuten zu teilen, ein kleiner enger Kreis von Vertrauten. Soviel dazu, aber der Baucontainer ist vom Hof, der Garten trotzen den ersten kalten Winden und ist erbaulich verwildert, kleine Schlangen haben ihn zum Biotop ernannt, irgendwie nicht schlecht wenn man einen Fachmann beinahe täglich im Haus hat, so kommt keine Panik auf, wenn so ein Fahrradschlauch sich plötzlich bewegt „ist was heimisches, ungefährlich, oh wie cool die wohnt da im Gestrüpp.“ „Na, damit ist doch geklärt was wir mit dem Beet machen, dat blifft so.“

Ich war natürlich nicht lesefaul in den vergangenen Monaten, nee so nu nicht, nur ohne den nötigen Schwung, worüber hätte ich auch schreiben sollen, Pflegenotstand wäre ein tolles Thema gewesen, Jens Spahn und wie ich ihn verstehe, auch aus persönlicher Erfahrung, also nicht, dass ich ihn mal getroffen habe, ich meine die Erfahrungen mit dem Pflegenotstand gerade in Heimen, und gleich noch ein Nein, ich bin kein Heimbewohner in dem Sinne, ich wohne im Eigenheim und dennoch habe ich in den letzten Monaten mehrfach unliebsame Erfahrungen sammeln dürfen über den Zustand von privaten Heimen und den dortigen Umgang mit Bewohnern, erschreckend, aber das soll hier und heute nicht das Thema sein, vielleicht mach ich da auch noch was zu, nur eben nicht jetzt und hier.

Hobbyrevoluzzer

Heute soll und wird es um etwas aktuelleres, kurzfristigeres gehen – einen Boykottaufruf. Ja, geil ein Boykott meine kleine Revoluzzerseele jubeln und bereitet innerlich schon Fackeln und Mistgabeln vor, mal sehen wen wir diesmal durch die virtuellen Straßen treiben können.

„Große Protestaktion gegen die steigenden Benzin- und Dieselpreise Montag 26. November keine Tankstellen anfahren, wer tanken muss sollte das Sonntags am 25. November noch machen.

Sende diese Protestaktion an alle deine Kontakte weiter um ein Zeichen gegen die hohen Benzin und Dieselpreise zu agieren.“

Puh den muss man aber auch erst einmal gemütlich durch die Frontallappen tropfen lassen, der ist wie ein guter Wein, wird besser mit der Zeit, allerdings braucht man durchaus mindestens mittlere Reife auf der Schule des Lebens sonst wird das nix. Gehen wir den mal locker an, also ich rolle ihr geht, aber locker eben.

Benzin- und Dieselpreise zu hoch, gut mag stimmen, aber da kann man unterschiedlicher Auffassung sein, ich verstehe als Otto Normalverbraucher durchaus den Ansatz so preiswert wie möglich von Punkt A zu Punkt B zu gelangen und dass man es als Privatmensch auch gerne gemütlich hat, ist auch nachvollziehbar, diese Gemütlichkeit findet man auch ganz schnell vor der Haustür im eigenen Kfz, egal wie ordentlich oder zugemüllt die Kiste ist, es ist die fahrbare Erweiterung der eigenen vier Wände.

Außerdem wird man durch die schlechter gewordene Versorgung mit öffentlichen Verkehrsmitteln auch vielfach schlicht dazu gezwungen mit dem eigenen Wagen zu fahren. Taxen wären eine Option aber auch nur so lange, bis man feststellt, die Klapskallis nehmen doch tatsächlich für eine Fahrt mit einem Rollstuhl 5€ Zuschlag, seitdem ist diese Option für mich nur noch zu ganz besonderen Anlässen eine wirkliche Alternative, sie mögen ihre Gründe haben, aber keiner davon wird mich wirklich überzeugen. War mein kleines innerhalb der Ortschaft gelegenes Dorf zu meiner Schulzeit von Morgens bis Abends im Stundentakt durch Busse mit der Außenwelt verbunden, so ist heutzutage nach 6 Fahrten Schluss und die Bushaltestellen bleiben meistens leer. Logisch, dass man da auf das eigene Fahrzeug zugreift, immerhin bilden Schüler Fahrgemeinschaften.

Ich kann aber auch den Denkansatz verstehen, dass der Preis Anbetracht der mit den Abgasen verbundenen Umweltproblemen immer noch zu niedrig ist. Die in den letzten Jahren immer wieder bekannt gewordenen Tricksereien der Autoindustrie zur Schönrechnerei von Verbrauchswerten, die ohne nennenwerte Auswirkungen für die Industrie an sich blieben, zeigen uns deutlich, dass wir und diesbezüglich weder auf die Politik und schon gleich gar nicht auf die Industrie verlassen können. Zumal man auch bedenken muss, selbst wenn jetzt schlagartig supersparsame 2 Liter Autos, die den Namen nicht nur im Hubraum widerspiegeln, sondern auch tatsächlich im Verbrauch auf 100 Kilometer, auf den Markt kämen, könnten sich nur die wenigsten eine derartige Benzin- oder Dieseldroschke leisten. Die Zeiten als der Volkswagen noch ein Wagen des Volkes war, sind lange vorbei, den Namen hat er dennoch behalten.

dann halt mit Strom

Es gibt einige vielversprechende Ansätze im Bereich der Elektrofahrzeuge, aber wir dürfen eines nicht vergessen, wir verlagern das Problem damit nur, solange im Bereich der Stromerzeugung durch Laufzeitverlängerungen für die Stromlobby Politiker ihre Taschen füllen und nicht konsequent in den Sektor der erneuerbaren Energien investiert wird. Deutschland hat sich auch da den Rang ablaufen lassen, ach Quatsch hergeschenkt haben wir den, durch eben jene unsäglichen Laufzeitverlängerungen und die Kürzung der Investitionen.

Also auf Hurra eine Revolte gegen die Benzengpreise! HA! Denen zeigen wir es. Eine konzertierte Aktion gegen die hohen Spritpreise wird denen da oben schon ein deutliches Signal von „NICHT MIT UNS!“ senden.

Während ich langsam so etwas wie absolute Demostimmung in mir aufkommen fühle, ertönt aus den Tiefen meines Unterbewusstsein eine belustigte Stimme zu mir durch, also innerlich, kann nur ich hören, deshalb schreib ich das hier auf dann könnt ihr mitlesen, müsst sie euch aber vorstellen, dafür dürft ihr euch auch den Klang und das Geschlecht ja sogar den Dialekt selber aussuchen. Jene Stimme also, legt mir sozusagen virtuell die Hand auf die Schulter und spricht ruhig, samten, geduldig die Worten „Junge, möchtest du dir das nochmal durchlesen, nachdenken, auf den Hirnwindungen zerfliessen lassen bevor du irgendetwas weiter schickst? Nur so eine flüchtige Idee von mir, aber ich vermute es könnte nicht schaden.“ Da diese Stimme hin und wieder mit Weisheit gesegnet ist, gab ich nach, las und ließ zerfliessen und siehe da, es hat geklappt.

Jetzt mal im Ernst Leute, wer teilt denn sowas und vor allem wer fällt auf sowas rein?

Hey Leute das Benzin ist zu teuer, wir gehen jetzt alle mal am 26. NICHT TANKEN, dafür alle am 25.! Geile Idee, ich bin auch dafür, dass am 26. mal so richtig Platz an den Zapfsäulen des deutschsprachigen Raumes ist, wäre nur verdient weil ja am Tag vorher das absolute Chaos herrschen wird. Überfüllte Tankstellen, man könnte meinen eine Katastrophe bahnt sich an, Benzinhamsterkäufe.. dafür am Montag verwaiste Tankstellen, wer mag darf sich jetzt ein oder zwei Rollgrasbüschel vorstellen wie sie durch die Tankstelle wehen..

Es gibt ja nur drei Möglichkeiten von wo so etwas kommt:

1. da hat einer echt Langeweile und will die Nation foppen

2. ein Informatikprofessor will seinen Studenten zeigen wie schnell Blödsinn wieder zurück kommt

oder

3. es gibt im deutschsprachigen Raum EINEN in Zahlen 1 Tankstellenpächter/besitzer der am 26. einen dringenden Termin hat, aber keine Vertretung Bock hat für ihn einzuspringen

ok es gibt noch eine Variante von 3.

4. es gibt im deutschsprachigen Raum ZWEI in Zahlen 2 Tankstellenbesitzer/pächter die heiraten wollen und alle anderen Tankstellenbesitzer/pächter sind eingeladen, damit das aber am 26. auch klappt, haben sie kurzerhand alle Kfz – Besitzer aufgefordert am 25. zu tanken, dann können sie alle am 26. zur Hochzeit

Ebenso interessant gestaltet sich die Frage „wer teilt sowas?“

Wie kurz muss man mental gesprungen sein, um sich mittelmässig spontan dazu hinreissen zu lassen diese wortgewaltige Kommerzverschiebung von Montag auf Sonntag weiter zu verteilen? Sind es die gleichen wachen Köpfe, die munter gegen die AGB von Facebook durch fleissiges Teilen eines Bildchens Widerspruch einlegen?

Eine Kommerzverlagerung wird niemandem weh tun, schon gleich gar nicht den Konzernen, die bekommen eben am 25. ihr Geld und nicht am 26. grundsätzlich also völlig Latte. Was ist eigentlich, wenn ich am 25. keine Zeit habe, aber am Protest teilnehmen möchte, darf ich bereits am 24. tanken oder mit Verzögerung am 27.? Ich möchte ja guten Willen zeigen..

Abgesehen davon, dass man mit einem echten Tankboykott zunächst einmal wieder die Tankstellenpächter trifft, Familien, die damit ihren Lebensunterhalt bestreiten, würden man die Konzerne nur treffen, wenn man seinen Verbrauch ändert oder ganz aufgibt und nicht wenn man ihn verschiebt.

Konsequente Nutzung alternativer Fortbewegungsmittel, Fahrrad, Bus, Bahn, Umstellung des eigenen Fahrverhaltens Kurzstecken auch einfach mal laufen, wenn man es kann, DAS könnte, wenn es von vielen gemacht wird, eventuell ganz oben ankommen, ansonsten entlastet es einfach auch nur die eigene Haushaltskasse.

Aber so ist dieser Protestansatz eigentlich nur für eine Sache gut, oder schlecht je nach eigenem Standpunkt, man könnte plötzlich einen ganz anderen Eindruck von der vermeintlichen mentalen Leistungsfähigkeit von den Bewohnern der Kontaktliste „Ach guck ausgerechnet DU schickst mir das kommentarlos weiter? Von DIR hätte ich das nicht erwartet, ich sollt meine Erwartungen etwas zurückschrauben..“

Oder man verwickelt die Leute in eine Diskussion über den Zeitpunkt s.o. was ist wenn ich mitmachen möchte aber am 25. keine Zeit zum Tanken habe..

Ehrlich, wenn ich noch tanken müsste, würde ich am 26. hinfahren, endlich mal Platz an der Tanke…

 

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