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Ich sitze hier am Kopfende meines Tisches, der Ofen wirft einen warmen Schein, aber auch ordentlich Wärme in den Raum, meine Gedanken lungern sanft in der wohligen Wärme des Raumes. Dabei kommt mir eine kürzlich vorgebrachte Kritik in den Sinn, die da kurzgefasst „Drecksmedien“ umfasste.

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Stellt sich mir die Frage, ob diese harsche Kritik an den Medien so undifferenziert als annehmbare Wahrscheinlichkeit hingenommen werden könnte. Die Antwort lautet vermutlich „Nein, undifferenziert mit Sicherheit nicht“, aber warum nicht? Weil wir beachten sollten, welchem Wandel die Medien durch das Internetzeitalter unterworfen wurden und zwar schnell und radikal, ohne großartige Anpassungszeit, was aber genau betrachtet nur die halbe Wahrheit ist. Legt man den Anfang des Internetzeitalters grob in die Zeit der ersten Akustikkoppler, eine Zeit als jene, die stolzer Besitzer eines solchen Gerätes von vielen derjenigen, die heute am Smartphone Pizza bestellen, noch müde belächelt wurden, dann merkt man erst wieviel Zeit eigentlich für die Anpassung vorhanden war.

Aber damals waren es eben Nerds, Außenseiter, Blassvögel und vieles mehr, alles nur keine Trendsetter. Zugegeben die Verbindungsraten waren unter aller Kanone, Informationen für den „Normaluser“ nur schwer zu finden, aber es fanden sich recht schnell Gruppen gleicher Interessen, die sich dieses neue Medium zu Nutze machten. Auch Newsletter gab es vergleichsweise schnell.

Damals

Chatrooms im Internet Relay Chat waren sozusagen die ersten sozialen Netzwerke, schon dort wurde heftig Propaganda gemacht, damals noch mit mäßigem Erfolg, aber immerhin Erfolg. Wen man dort allerdings zumeist vergebens suchte, waren die sogenannten Massenmedien. Nicht deren Mitarbeiter, die konnte man hin und wieder antreffen, auch die Gespräche mit dem einen oder anderen damals bereits tätigen Abmahnanwalt waren durchaus unterhaltsam, wenn man nicht auf der anderen Seite des Tisches saß.

Das Internet wurde bunter, die Übertragungsraten stiegen, für die Printmedien lange kein Grund in operative Hektik zu verfallen, so ein technischer Schnickschnack wird sich auf Dauer nicht durchsetzen, wer hat denn schon alles einen PC und dann auch gleich ein Modem zu Hause?

Während sich die Herausgeber noch diese Frage stellten, wurden mit ihren Zeitungen und Zeitschriften Werbebeilagen verteilt in denen eben genau diese PCs inkl. Modem zu Kauf angepriesen wurden.

Während der User immer schnelleren Leitungen hinterher rannte, zuckten die öffentlich-rechtlichen Sender unwissend die Schultern, als sie auf Mediatheken angesprochen wurden.

Das Festhalten an veralteter Technik und Kupferleitungen tat sein Übriges. Breitband was ist das?

Nicht umsonst zog sich die Kanzlerin Spott und Hohn zu als sie die launigen Worte „Das ist für uns Neuland“ in die Zitatekiste diktierte.

Dieses Neuland war allerdings schon besiedelt und nicht jeder hatte hehre Absichten, natürlich nicht, auch nicht diejenigen, welche vorgeblich die Wahrheit, die reine unverblümte Wahrheit und alles was bislang von den Massenmedien verschwiegen wurde, in die Welt hinaustragen, oder soll ich sagen gerade diese, also die Wahrheitsträger, nicht.

Nichts wie hinterher

Die Massenmedien wachten germanisch üblich spät auf und versuchten die Zeit aufzuholen, aber langsam man könnte ja stolpern und es gab ja auch genügend Leser ihrer Printausgaben.

Doch das Angebot im Netz wuchs stetig, jene, die sich vorher kein Gehör verschaffen konnten, fanden plötzlich offene Ohren und konnten ihre teilweise recht wilden Theorien in alle Welt hinauspusten. Während die altgedienten Printmedien nur langsam die ersten Zehen in das kalte Wasser Internet steckten, tobte dort bereits ein Informationskampf, aber es blieb den Altgedienten nichts anders übrig sie konnten sich nicht langsam akklimatisieren sie mussten hineinspringen, sich anpassen, sie hatten schlichtweg die sanfte Startphase der Netzinformation verschlafen, lagen zu lange im Hafen bevor sie nach Neuland aufgebrochen sind.

Dort, also in Neuland, hatte sich bereits eine eigene neue Informationskultur entwickelt, es kam immer mehr auf die Überschriften an, teilweise sehr zu Lasten des Inhaltes, viele Onlinemedien haben regelrechte Informationsmogelpackungen in der Auslage. Konnten wir früher am Kiosk noch aus einer relativ überschaubaren Menge an Zeitungen und Zeitschriften auswählen, bei denen es bereits damals schon qualitative Unterschiede in der journalistischen Sorgfalt gab, so werden wir heute im Netz geradezu von den Angeboten erschlagen. Glaubt man zunächst mit dieser Informationsreizüberflutung zurecht zu kommen, stellt man früher oder später fest, dass man dieser nicht gewachsen ist, statt aber die Menge zu reduzieren und sich auf subjektiv wirklich interessante Dinge zu beschränken, verfallen viele, angetrieben durch die Informationsmogelpackungen, auf die fatale Idee das Lesen der Überschriften würde für eine vollumfassende Selbstinformation völlig ausreichen.

Verschiebung der Interessenlage

Gleichzeitig schafften es politisch motivierte Gruppierungen die Interessenlage in Deutschland eklatant zu verschieben. Aus einem gesunden Informationsegoismus, in dem sich jeder von uns hauptsächlich mit Themen befasst, die die eigene Lage betreffen, sei es aus dem Sport, der Kunst, Literatur oder Politik, wurde eine ungesunde Mischung aus Neid und Ablehnung. Den dafür empfänglichen Menschen wurden die Informationen so aufbereitet, dass mit Neid, Ablehnung und teilweise auch Hass auf alles fremde und neue reagieren. Daraus resultiert, dass auch Informationen über alles fremde und neue weitaus besser ankommen als Informationen die eigene Lage betreffend.

Durch die stetig sinkende Auflagenzahl der Printausgaben sind die Herausgeber gezwungen sich dem Markt anzupassen und drängen ebenfalls massiv auf den Internetinformationsmarkt, der aber längst, wie gesehen, eine eigene Dynamik entwickelt hat. So wird mancherorts mal öfter mal weniger oft die journalistische Sorgfalt über Bord geworfen, kopiert, abgeschrieben und streckenweise auch aus Hörensagen eine Nachricht gebastelt. Vorzugsweise genau die, die die massentauglichen Themen aufgreifen, alles andere kam früher auch gerne mal erst auf Seite 4, die gibt es heute nicht mehr, also wird es entweder ganz weggelassen, oder nur am Rande erwähnt.

Nicht ganz unschuldig sind daran aber auch die Politiker, die dieses Phänomen zwar gesehen haben, aber die Menschen dahinter über einen Kamm geschoren und abgestempelt haben. Anstatt einfach mal hin zu hören, weshalb da etwas geschieht wird das Ergebnis an sich verurteilt, die von ihnen, also den Politikern, teilweise aber mit verschuldeten Symptome aber nicht behandelt. Es wurde und wird nur den lauten zugehört, den leisen, die daneben stehen, denen leiht keiner sein Ohr, obwohl die leisen es sind, die am ehesten etwas zur Lösung beitragen könnten.

Vielleicht auch falsch

Vielleicht liege ich auch falsch und meine These ist völlig absurd, aber ich denke, wenn es die Politiker der ehemals etablierten Parteien es über das Herz bringen würden und denen Gehör schenken, die sich selber als von der Gesellschaft vergessen und abgeschoben betrachten, sich deren Sorgen annehmen würden. Ihnen Lösungen anbietet, Lösungen, die mehr sind als nur heiße Luft, Lösungen bei denen man sich nicht gegenseitig für 50 Cent mehr in den Taschen der Betroffenen als die großen Helden feiert, dann wären wir vielleicht wieder in der Lage andere Themen in den Vordergrund zu bringen.

Bis dahin aber müssen die „Drecksmedien“ dem Volk aufs Maul schauen und wir erkennen „Familiennachzug“ bringt während der Koalitionsverhandlungen mehr Klicks als „8000 Stellen sollen in der Pflege neu geschaffen werden“ – was im übrigen viel zu wenig ist, für die Pflegestellen keine echte Entlastung darstellt, aber als der große Wurf gefeiert wird. Der vielbesungene Tropfen auf den heißen Stein hat da mehr Auswirkung.

Es sind also nicht allein die „Drecksmedien“ schuld, die haben nur die Abfahrt nach Neuland verschlafen, eine Teilschuld liegt auch bei der Politik, die nicht tief genug reagiert.

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