Aber sonst geht es noch gut, ja?

Von | 28. Mai 2019, 9:20

Ich sitzt hier am Kopfende meines Tisches, der schon oft erwähnte Umbau geht so seiner Wege, man mag gar nicht glauben was man alles bei der Befestigung einer Lifterdeckenschiene beachten muss, oder welche Probleme sich bei WLAN Lichtschaltern und -dimmern ergeben können. Alles kleine, teilweise erheiternde Hindernisse und über allem thronte die Europawahl inklusive Vor- und Nachbereitung.

Hauptthema, endlich muss man sagen, der Klimawandel, ein Thema, das uns alle angeht, sofern uns der Fortbestand der Menschheit in irgendeiner Form am Herzen liegt und wir den Wissenschaftlern und ihren Erkenntnissen mehr vertrauen als irgendwelchen kruden Fantasien aus Kneipenhinterzimmern. So kam man nicht umhin, sich vor der Wahl ausgiebig mit den Klimazielen der einzelnen Parteien auseinanderzusetzen, oder auch dem was sie bislang Entsprechendes vertreten oder erreicht hatten. Dabei kamen dann einige ehemals etablierte Parteien nicht sonderlich gut weg.

Kurz vor der Wahl wurde dann auf Youtube ein Video veröffentlicht, das den Umgang mit dem Klima durch die in Deutschland führenden Parteien darlegte, teilweise etwas unsauber recherchiert, aber im Grundtenor wiederum von Wissenschaftlern bestätigt, also eigentlich Kritik, die man sich als Partei zu Herzen nehmen, oder wo man zumindest einen offenen Umgang damit versuchen sollte.

Das gelang nicht allen Parteien, die SPD hat recht souverän reagiert, die CDU, nun ja, die nicht so wirklich, zum einen ergingen sich Teile ihrer Mitglieder in trumpesken Aussagen á la „Fake News“ zum anderen bewies sie wieder einmal wie sehr sie den Anschluss verpasst hat. Man muss ihr allerdings zu Gute halten, dass sie die Welt vor einem Antwortvideo mit ihrem Jüngsten verschont hat, das wäre über den peinlichen Status eines billigen Abklatsches nicht hinaus gekommen, stattdessen baldowerte sie eine geniale Idee aus, sie verfasste ein 11 seitiges Pamphlet und stellte es auf ihrer Seite als pdf online. ELF SEITEN – in Worten ELF, in Zahlen 11, aber immerhin online. Sie haben einen Teil der Technik verstanden, vor ein paar Jahren hätte es uns alle als Infobrief in der Woche nach der Europawahl mit der Hauspost erreicht.

Aber ernsthaft, welcher Meter Feldweg ist denn auf die glorreiche Idee verfallen? Eben noch wird erkannt, man erreicht die Jugend, den Nachwuchs, die jungen Leute nicht mehr und dann greift man auf das möglichst konservativste Mittel zurück um sich zu verteidigen und auf die bisher „erzielten“ Erfolge hinzuweisen, na ja wie gesagt, immerhin ein PDF und online. Glückwunsch dazu, allerdings liebe CDU nützt es herzlich wenig auf alte Erfolge hinzuweisen, wenn man die eigenen Ziele nicht erreicht, die sogar im Koalitionsvertrag und im Pariser Abkommen festgeschrieben wurden, die Kritik müsst Ihr Euch gefallen lassen und lernt verdammt noch mal damit souveräner umzugehen.

Wenn dann nach der Wahl von einer Spitzenfunktionärin einer Partei laut darüber nachgedacht wird, die Meinungsäußerungen im Internet vor Wahlen zu regulieren, so denkt man gemeinhin erst einmal spontan an die Führungsspitzen einer Partei die viel blau im Wappen und viel braun im Herzen trägt, die hält es ja im Allgemeinen nicht so mit der Meinungs- und Pressefreiheit, aber weit gefehlt, das war dann auch wieder die Öberschte der CDU, Annegret Kramp-Karrenbauer, also neben Uploadfiltern jetzt vor den Wahlen auch gleich noch Zensur? Ich glaube es hackt, mein Hamster bohnert und was nicht alles. Statt sich mal zu überlegen, was man selber, respektive die eigene Partei, falsch angegangen haben könnte, ob die eigene Position eventuell überdacht werden müsste, wird einfach mal die Zensur in den Raum gestellt, könnte ja klappen.

Was ist dann eigentlich mit den Wahlwerbespots der Parteien, werden die dann auch als Meinungsmache vor den Wahlen aus dem digitalen Bereich verbannt?

Liebe AKK, nur weil IHR damit immer noch nicht so recht umgehen könnt, ist die digitale Welt kein Hexenwerk.

Da fragt man sich ernsthaft was da gerade schief gelaufen ist und freut sich insgeheim auf die Ausreden, die da kommen werden. Klar ist allerdings Eines, mit dem elfseitigen PDF hat die MS CDU Schiffbruch erlitten und AKK hat dann gleich noch gezeigt, dass die Kapitänin nicht ganz unschuldig am Untergang des Beibootes sein wird.

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