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Neue Kommunikationsregeln „ab morgen“? – Bauernfängerei!

Ralf Nowotny, 2. November 2020
Neue Kommunikationsregeln "ab morgen"? - Bauernfängerei!
Neue Kommunikationsregeln "ab morgen"? - Bauernfängerei!

Achtung, alles wird „ab morgen“ überwacht! Behauptet zumindest eine mehr als zweifelhafte Quelle.

Es ist nichts Neues, dass Chats auf diversen Plattformen von den Betreibern überwacht werden. Neu ist allerdings scheinbar, dass es „ab morgen“ neue Kommunikationsregeln geben soll, da angeblich nun alles, Software und Hardware, von der Regierung überwacht wird.

Diese Behauptung wird in den letzten Tagen vielfach als Text oder Sharepic in sozialen Medien geteilt:

Neue Kommunikationsregeln?
Neue Kommunikationsregeln?

Der Text auszugsweise im Wortlaut:

Ab morgen gibt es neue Kommunikationsregeln.
———————
a) Alle Anrufe werden aufgezeichnet
b) Alle Anrufprotokolle werden protokolliert
c) Alle WhatsApp-Anrufe und -Nachrichten werden aufgezeichnet
d) Twitter wird überwacht
e) Facebook wird überwacht
f) Alle sozialen Netzwerke und Foren werden überwacht
[…]
n) „Alles, was Sie schreiben oder sagen, kann gegen Sie verwendet werden und es ist kein Witz, es ist eine Realität !!!“
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Der Ursprung des Textes

Der Text verbreitete sich bereits im November 2019 in Indien. Dort war der Text in manchen Punkten spezifischer, so war in Punkt 8 zu lesen, dass man keine anstössigen Posts und Videos posten solle, die sich gegen die Regierung oder den Premierminister richten.

In einigen der Postings wurde auch behauptet, die Informationen kämen vom „Ministry of Internal Regulation“, einem Ministerium, welches in Indien nicht einmal gibt. Mehrere indische Seiten klärten im November 2019 und im März/April 2020 über den Hoax auf.

Seit März 2020 auf Deutsch

Im März 2020 erschien der Text dann erstmals auf Deutsch auf der Seite von „Dr. Coldwell“, bevor er im Oktober per Text und Sharepic sich wieder verbreitete.

Ein Unterschied gibt es allerdings zu der verbreiteten Behauptung auf jener Seite: Der genannte „Dr. Coldwell“ möchte Kasse mit der Behauptung machen!

„Die Wahrheit“ ist nicht billig!

Unter dem Text findet sich auf der Seite ein Link, unter dem man angeblich als Mitglied alle wichtigen Informationen zu den Behauptungen enthält.

Ein teurer Link unter den Behauptungen
Ein teurer Link unter den Behauptungen

Folgt man den Link, kommt man erst einmal auf eine Seite, die nicht mehr existiert. Das Stört aber nicht weiter, denn den Antrag auf Mitgliedschaft in diesem elitären Clubs der Wissenden kann man nun direkt auf der Startseite stellen.

Gepfefferte Preise
Gepfefferte Preise

Inbegriffen sind in den Kosten alle Seminare jenes Dr. Coldwell, Mitgliedertreffen, Zugang zu Büchern und Filmen etc.

Wer ist Dr. Coldwell?

Jener „Doktor“, welcher auf seiner eigenen Homepage „Krebspatientenadvokat“ in der dritten Person schreibt, heißt eigentlich mit bürgerlichem Namen Bernd Witchner und wurde 1958 als Bernd Klein in Deutschland geboren. Er ließ sich nach eigenen Angaben 1998 in den USA zu „Leonard Coldwell“ umbenennen, in Deutschland wird dieser Name nur als Künstlername anerkannt. Der Erwerb des Doktortitels konnte nirgends nachgewiesen werden.

Bekannt ist er unter anderem für seine Verbreitung reichsbürgerlicher Ansichten auf Facebook, aber auch als „Wunderheiler“ und Gründer einer Heilerkirche in den USA (Stichwort: Steuerfreiheit), welche aber mittlerweile wieder aufgelöst wurde. Sein medizinisches Können beschränkt sich darauf, dass er behauptet, in jungen Jahren seine Mutter mittels seiner Wunderheilkräfte vom Krebs geheilt zu haben.

In der Vergangenheit berichteten wir bereits über seine Behauptungen, dass B17 ein verbotenes Vitamin sei, welches Krebs heile und Multiple Sklerose ein anerkannter Impfschaden sei.

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Fazit

Bereits seit einem Jahr verbreitet sich jener Text, in dem immer behauptet wird, dass „ab morgen“ jene Relegungen gelten sollen.

Seit März wird der Text auch von einem eher zweifelhaften Doktor verbreitet, verbunden mit der Aufforderung, für nähere Infos einem ziemlich kostspieligen Club beizutreten.

Ohne Zweifel werden Chats und Beiträge von Betreibern der diversen Plattformen überwacht, auch strafrechtlich relevante Inhalte können von Betreibern und anderen Nutzern an die Behörden gemeldet werden.

Dass jedoch sämtliche Beiträge und Chats nun direkt von den jeweiligen Regierungen überwacht werden, ist eine Behauptung ohne jegliche Grundlage oder Beweis.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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