Kirche zur Moschee: Der Faktencheck

Andre Wolf, 27. Dezember 2019
Kirche zur Moschee
Kirche zur Moschee

Auf einem kleinen Zettel wird geschrieben, dass „im nächsten Jahr alle Orte in Deutschland“ von Muslimen übernommen werden und nächstes Jahr diese Kirche zur Moschee werde.

Dieser Zettel wurde über einer Art Schaukasten einer Kirche geklebt. Auf dem Zettel liest man:

An alle Allah-Verleugner (auch Christen genannt)

Im Laufe des nächsten Jahres werden wir alle Orte in Deutschland übernehmen! Diese Kirche wird zur Moschee!!! Überlegt Euch gut, ob ihr weiterhin Ungläubige sein wollt oder zum Islam konvertiert. Es leben schon Millionen von Moslems in Deutschland. Nächstes Jahr werden wir Deutschland übernehmen! Der Koran fordert zur Tötung aller Ungläubigen auf. Das werden wir umsetzen!!!!!!!!!!!

Wenn man genau hinschaut, dann erkennt man, dass es sich um den Schaukasten einer Kirche handeln dürfte, da verschiedene Angaben für eine Kirchengemeinde im Hintergrund zu lesen sind. Der Zettel selbst hängt nicht im, sondern auf dem Schaukasten.

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Und das ist auch schon der Schlüssel des Ganzen: Die Angabe im Hintergrund beantworten, wo dieser Zettel aufgehängt wurde. Es handelt sich um Schaukasten der St. Peter und Paul Kirche Schwarzhausen (Thüringen).

Kirche zur Moschee
Kirche zur Moschee

Wird diese Kirche zur Moschee?

Diese Kirche wird nicht zur Moschee. Der Zettel ist ein Fake, das kann man mit aller Deutlichkeit sagen. Der Grund: Dieses Foto würde bereits vor über 3 Jahren aufgenommen.

Wir haben bereits am 23.12.2016 über diesen Zettel berichtet (vergleiche). Spannend daran: Recht zeitgleich haben bereits im Dezember 2016 Unbekannte inhaltlich recht ähnliche Zettel in Gütersloh (NRW) aufgehängt.

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Diese Zettel in Gütersloh stufte die Polizei als volksverhetzendes Material ein. Hierzu schrieb die Polizei Bielefeld:

Staatsschutz Bielefeld sucht Täter nach Volksverhetzung
In der Zeit von Dienstag, den 20.12.2016, 18:00 Uhr, auf Mittwoch, den 21.12.2016, 05:20 Uhr, beklebten unbekannte Täter im Innenstadtgebiet von Gütersloh an diverse Örtlichkeiten Din A4 Zetteln mit volksverhetzendem Inhalt.

Nach derzeitigem Ermittlungsstand des Staatsschutzes Bielefeld brachten ein oder mehrere Täter an verschiedenen Örtlichkeiten im Gütersloher Stadtgebiet Zettel mit verschiedenen Parolen, wie z.B.

„Tötet die Heiden, wo ihr sie findet“ und „Nehmt den Islam an oder sterbt. Es gibt keinen Gott außer Allah“ und „Berlin war erst der Anfang“ an.

Die Täter flüchteten anschließend unerkannt.

Die Streifenbeamten der Polizei Gütersloh stellten die Plakatierungen an dem Fahrradständer am Amtsgericht Gütersloh, an mehreren Stellen in der Moltkestraße, in der Schulstraße, an zwei Örtlichkeiten in der Strengerstraße, in der Berliner Straße und an der Bushaltestelle am Rathaus fest.

False Flag?

Die Idee liegt hier recht nahe, dass der Zettel am Schaukasten der St. Peter und Paul Kirche eine False Flag Aktion war, um Irritationen zu erschaffen. Die legt besonders der Begriff „Moslems“ in dem Text nahe. Die Glaubensanhänger nennen sich selbst nicht Moslems, sondern Muslime (siehe hier). Insofern liegt es nahe, dass dieser Zettel mit der Botschaft „Kirche zur Moschee“ nicht von Muslimen verfasst wurde.


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