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Streamen? Achtung, Abofalle! Kinofilme können teuer werden.

Andre Wolf, 29. Mai 2020
Artikelbild: Shutterstock / Von Michael Zech Fotografie
Artikelbild: Shutterstock / Von Michael Zech Fotografie

Wenn „Fünf Tage Testphase“ zur Falle werden: Fünf Tage gratis streamen, dann soll’s teuer werden. Hunderte Streaming-Dienste für Kinofilme versenden zweifelhafte Rechnungen.

Wozu etwas für Kinofilme bezahlen, wenn es die im Internet doch für lau gibt?! Wenn ihr euch mit so einem Plan auf die Suche nach entsprechenden Seiten begebt, landet ihr vielleicht auf voxstream.de oder einer der anderen mehr als 200 Seiten, die am Ende des Textes aufgelistet sind. Bis auf das Logo sehen sie alle gleich aus. Sie locken mit zahlreichen Kinofilmen, die ihr euch angeblich legal ansehen könnt. Vorher müsst ich euch dafür aber registrieren.

Dieser Artikel stammt von der Webseite unseres Kooperationspartners Checked4you. Dort finden sich auch Musterbriefe zur Abwehr.

Streamen: Die Abofalle

Zum Registrieren sollt ihr euren Namen, eine E-Mail-Adresse und ein Passwort angeben und danach direkt Filme sehen können. Nach Ansicht der Seitenbetreiber geht ihr durch den Klick auf „Registrieren“ bereits eine Mitgliedschaft ein. Die ersten fünf Tage kosten nichts, danach sollt ihr bezahlen – wenn ihr euer Konto nicht rechtzeitig wieder löscht.

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Oft ist es so, dass die Infos zur Kostenpflicht nur in den Nutzungsbedingungen auf Englisch zu finden sind. Dann ist der Fall klar: Ihr müsst nicht zahlen! Die Gründe lest ihr im Kasten weiter unten.

Der „Kaufen“-Button

Bei den Verbraucherzentralen erhalten wir laufend Beschwerden über diese angeblichen Streaming-Portale. Einige Verbraucher berichten davon, dass es keinen Button gab, der eindeutig auf Kosten hinweist. Sehen wir uns die Seite dann an, sind sowohl so ein Button als auch der Hinweis auf die konkreten Kosten vorhanden. So kommt der Verdacht auf, dass die Betreiber die Button-Lösung eventuell nachträglich einbauen oder die Seiten je nach Zugang anders aussehen lassen – also je nachdem, ob man sie direkt aufgerufen hat oder etwa über eine Suchmaschine dorthin kam. Ob das so ist, lässt sich aber nur mit Screenshots belegen, die ihr beim Registrieren gemacht habt. Aber auch wenn es den Button gab, können wir sagen: Ihr müsst nicht unbedingt zahlen (s. Kasten unten)!

Registrierung wird nicht bestätigt

Seriöse Seitenbetreiber senden euch nach dem Abschluss eines Vertrags eine Bestätigung per E-Mail, in der sie die Bedingungen des Vertrags aufführen. Spätestens hierüber müsstet ihr erfahren, dass ihr fünf Tage nach eurer Registrierung Geld bezahlen sollt. Doch so eine E-Mail kommt nicht.

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Technische Probleme

Wer nach dem Registrieren direkt losstreamen will, guckt oft in die Röhre. Denn statt der eingangs angepriesenen Filme und Serien gibt es häufig Fehlermeldungen.

Streamen: Muss ich zahlen?

Ganz klares Nein! Ein Vertrag kommt nur dann wirksam zustande, wenn es einen eindeutig beschrifteten Button gibt. Auf dem darf also nicht einfach „Registrieren“ stehen, sondern es muss zum Beispiel „zahlungspflichtig bestellen“ oder „kaufen“ zu lesen sein. Das ist die so genannte Button-Lösung, wie sie das Bürgerliche Gesetzbuch (BGB) in § 312j für Verträge im Internet vorschreibt. WICHTIG: Fehlt so ein Button, macht Screenshots von jedem Schritt eurer Bestellung. Im Streitfall habt ihr damit bessere Karten.

Nach einem Vertragsabschluss solltet ihr in einer E-Mail über die Konditionen noch einmal informiert werden. Bei fast jedem Vertrag aus dem Internet habt ihr außerdem 14 Tage Widerrufsrecht. Das wird in unserem Text über Abzocke im Internet näher erklärt. Über euer Widerrufsrecht muss euch der Anbieter auch informieren. Macht er das nicht oder nicht richtig, habt ihr ein Jahr und 14 Tage Zeit für einen Widerruf. Beim Streaming müsst ihr aber beachten, dass das Widerrufsrecht erlöschen kann, sobald ihr mit dem ersten Streaming beginnt. Dazu müsst ihr aber ausdrücklich zustimmen, also zum Beispiel durch Anklicken eines Hakens bestätigen, dass ihr auf euer Widerrufsrecht verzichtet.

Wie soll ich auf so eine Zahlungsaufforderung reagieren?

Ihr solltet den Vertrag (jetzt wird’s juristisch) „hilfsweise widerrufen“ und „wegen arglistiger Täuschung“ anfechten. Das geht auch per E-Mail. Die richtigen Worte müsst ihr aber nicht allein verfassen. Hier findet ihr einen Musterbrief zum Herunterladen. Den gibt es in zwei Varianten: eine, wenn ihr Minderjährig (also unter 18) seit und eine, falls ihr Volljährig seid. Gebt aber auf keinen Fall mehr Daten von euch an als eure E-Mail-Adresse und euren Namen, mit dem ihr euch auf der Internetseite angemeldet habt!

Habt ihr den Text verschickt, könnt ihr alle weiteren Forderungen erst mal ignorieren, auch wenn sie von einem angeblichen Inkassounternehmen kommen (siehe weiter unten). Aktiv werden müsstet ihr erst wieder bei einem Mahnbescheid von einem Gericht. Doch so weit ist es bislang – soweit wir wissen – bei dieser Masche noch nicht gekommen.

„Anwälte“ bei YouTube

Die Betreiber der angeblichen Streaming-Seiten belassen es aber nicht nur bei E-Mails mit Zahlungsaufforderungen oder Inkasso-Drohungen. Es gibt sogar Videos bei YouTube, in denen angebliche Anwälte erklären, dass ihr zweifelsfrei zahlen müsst. Auch bei diesen Videos können wir nur die Nase rümpfen.

Da ist zum Beispiel ein gewisser Michael Plember von einer Berliner Medienkanzlei, der behauptet, dass sich ein Mandant mit einer Rechnung von felixkino.com an ihn gewandt habe und er nach Prüfung der Internetseite festgestellt haben will, dass diese Rechnung bezahlt werden müsse. Der gleiche Mann nennt sich in einem anderen Video übrigens Thomas Fischer. Sein Thema ist das gleiche: Rechnungen von MeinKinoWelt.com müssen angeblich bezahlt werden. Ein anderer Mann nennt seinen Namen gar nicht, erzählt aber auch das gleiche – jeweils auf die entsprechende Internetseite zugeschnitten. Auffällig ist bei den Clips, dass die Kommentarfunktion in der Regel deaktiviert wurde, die genutzten YouTube-Kanäle noch nicht lange bestehen und meist keine anderen Videos haben.

Falsche Inkassounternehmen

Wer nicht für das Streamen zahlt, wird noch mehr unter Druck gesetzt – mit Forderungen von falschen Inkassounternehmen. Vorweg: Ignoriert sie! Genauso wie die angeblichen Streaming-Dienste viele unterschiedliche Namen haben, nutzen die Betrüger auch verschiedene Namen für die angeblichen Inkassofirmen. Eine davon ist zum Beispiel Leo Inkasso bzw. Leo Limited. Die Internetseite ist eine Kopie der Seite eines echten Inkassounternehmens in Schleswig-Holstein. Im Impressum der Fake-Firma ist ein Aktenzeichen angegeben, das der echten Inkassofirma in Schleswig-Holstein gehört. Denn Inkassounternehmen, die in Deutschland Forderungen eintreiben wollen, müssen registriert sein.

Wenn ihr also eine angebliche Inkasso-E-Mail erhaltet, sucht auf der Internetseite des Unternehmens nach einem Impressum. Gibt es eins, sucht dort nach dem Aktenzeichen der Registrierungsbehörde. Findet ihr keins, ist etwas faul. Findet ihr eins, prüft auf www.rechtsdienstleistungsregister.de, ob das Aktenzeichen wirklich der Firma gehört.

Eine Liste der gefährlichen Domains zu den Abofallen findet sich ebenfalls bei Checked4you

Artikelbild „streamen“: Shutterstock / Von Michael Zech Fotografie


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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