Faktencheck

Flüchtende in Kiew: Nein, ein italienischer Sender zeigte keine Szene aus „Deep Impact“

Auf einem Sharepic wird behauptet, dass ein italienischer TV-Sender über Flüchtende in Kiew berichtete, dabei aber Bilder aus dem Film „Deep Impact“ zeigte.

Ralf Nowotny, 21. März 2022
Auf einem Sharepic wird behauptet, dass ein italienischer TV-Sender über Flüchtende in Kiew berichtete, dabei aber Bilder aus dem Film „Deep Impact“ zeigte.
Auf einem Sharepic wird behauptet, dass ein italienischer TV-Sender über Flüchtende in Kiew berichtete, dabei aber Bilder aus dem Film „Deep Impact“ zeigte.

„Diese Szene lief auf einem italienischen TV-Sender!“ – „Aha. Schönes Bild, aber kannst du auch beweisen, dass es da lief?“ – „Das muss ich nicht, beweise mir doch, dass es NICHT gesendet wurde“. Ein typischer Dialog, der immer wieder stattfindet: Verbreiter von Fakes fordern gerne, dass ihre Behauptung widerlegt werden soll, ohne ihre eigenen Behauptungen beweisen zu wollen.
In diesem Fall ist der Gegenbeweis sogar relativ einfach: Ein italienischer Sender strahlte keine Szene aus „Deep Impact“ aus, um eine Flucht von Menschen in Kiew zu zeigen. Der Ersteller des Fakes machte einen groben Fehler!

Die Behauptung

Dieses Sharepic wird in sozialen Medien geteilt:

Das Sharepic mit der Szene aus „Deep Impact“

Es ist zweimal dasselbe Bild zu sehen. Das obere Bild enthält den Schriftzug „Fuga da Kiev“ (auf Deutsch „Flucht aus Kiew“) und rechts oben das Logo des italienischen TV-Senders TGCOM24. Das untere Bild trägt den Schriftzug „Scena del film Deep Impact“ (auf Deutsch „Szene aus dem Film Deep Impact“).

Der Faktencheck

Tatsächlich stammt die Szene auf den Fotos aus dem Film „Deep Impact“, einige Frames der Szene aus anderen Perspektiven sind auch im Trailer des Films zu sehen.

Auffällig: Die beiden Bilder auf dem Sharepic zeigen absolut denselben Frame aus „Deep Impact“, was zweierlei bedeuten kann: Entweder machte sich der Ersteller des Sharepics die Mühe, den absolut gleichen Frame in der TV-Sendung und im Film zu suchen (was bei 24 Frames pro Sekunde eine echte Herausforderung ist) oder er kopierte das Bild einfach, machte es ein wenig blasser und verschob den Ausschnitt ein wenig.

Beides möglich, doch die „gemütliche“ Methode ist nicht nur wahrscheinlicher, sondern auch beweisbar, denn das Sharepic enthält einen groben Fehler: Das Senderlogo!

Schauen wir mal, wie das Senderlogo auf dem Sharepic aussieht:

Das Senderlogo auf dem Sharepic

Auf dem Sharepic befindet sich das Senderlogo rechts oben, in weiß auf blauem Hintergrund steht „TG“, daneben in weiß auf rotem Hintergrund „COM24“.

Und nun schauen wir, wie das Senderlogo auf der Homepage aussieht:

Das Senderlogo auf der HP, Quelle: TGCOM24

Soweit, so gut. Die Logos gleichen sich, doch ist damit der Beweis erbracht, dass es wirklich auf dem italienischen Sender lief?

Falsch, denn nun schauen wir mal, wie das Logo dargestellt wird, wenn Beiträge ausgestrahlt werden. Auf TGCOM24 ist das Logo auf zwei Arten zu sehen.
Einmal rechts unten:

Das Senderlogo rechts unten, Quelle: TGCOM24

Und einmal rechts oben:

Das Senderlogo rechts oben, Quelle: TGCOM24

Wie gut erkennbar ist:

  • Ist das Senderlogo rechts unten, steht darüber „Mediaset“
  • Ist das Senderlogo rechts oben, steht TGCOM oben und 24 darunter

Daraus kann gefolgert werden, dass der Ersteller des Sharepics einfach nur das Logo des Senders von der Homepage nahm und auf ein Bild aus dem Film „Deep Impact“ klatschte, um dann zu behaupten, dass der Sender dies so ausgestrahlt habe.

Fazit

Mehrere andere Faktenchecker wie Butac und AFP fragten zusätzlich beim TV-Sender nach, ob diese Szene im Zusammenhang mit flüchtenden Menschen aus Kiew ausgestrahlt wurde, was jedoch verneint wurde. Dies wäre dann auch sicherlich sehr viel mehr Italienern aufgefallen.

Doch bereits anhand des Senderlogos auf dem Sharepic ist beweisbar, dass es sich um einen lupenreinen Fake handelt und der Ersteller sich nicht einmal sonderlich viel Mühe gegeben hat: Es wurde der absolut selbe Frame aus dem Film verwendet, das Senderlogo ist zudem nicht das gleiche wie jene, die bei TV-Ausstrahlungen zu sehen sind.

Bei dem Sharepic handelt es sich somit um einen eindeutigen Fake.

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