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Clickbait – kein Respekt vor der wahren Geschichte

Kathrin Helmreich, 16. April 2018

Ungefähr 19.500 Reaktionen, fast 9.500 Kommentare, ca. 2.000 mal geteilt – und dies für eine Lüge zu einem gestohlenen Foto.

Ein Bild mit der folgenden Aussage geht viral:

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Screenshot: Facebook

Bild im Klartext:

Wir sind 20 Jahre verheiratet, und wir sind sehr glücklich.
Ich weiß, dass uns niemand die Glückwünsche geben wird.
Nur weil wir ein Down-Syndrom haben.
Werde ein Teil von Engel <3

Wen sehen wir hier?

Das sind Maryanne und Tommy Pilling, die seit 1995 verheiratet sind. Sie sind das erste Paar mit Down Syndrom, das geheiratet hat. Das Foto wurde an ihrem 20. Hochzeitstag gemacht, an dem Tag haben sie ihr Eheversprechen in St. Mary’s Church in Shoebury erneuert. Sie feierten nach dem Gottesdienst im Freight House in Rochford mit 130 Gästen aus Familie und Freunden. Sie hatten Gäste aus Amerika, Enfield, Kettering und Staffordshire.

Niemand gratuliert ihnen? Wenn 130 Gäste niemand sind. Ansonsten stimmt diese Aussage nicht.

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Oben kann man ihren Tanz aus der Kirche sehen, den sie auch vor 20 Jahren [1995-2015] getanzt haben.

Dieses Jahr werden sie schon den 23. Hochzeitstag feiern. Das Foto ist also schon bald drei Jahre alt.

Warum postet man einen solchen Statusbeitrag?

Warum postet eine Seite, die sonst nur Sinnbildchen und seelenvolle Memes teilt, ab und zu solche scheinbar „mitleiderregenden Geschichten“? Wenn man genau hinsieht, kann man es erahnen: Die Spruchbildchen werden sehr viel seltener geteilt und kommentiert. Die Mitleidstour bringt Klicks. Clickbaiting nennt man so etwas. Mit Likes und Teilungen die Seite pushen, um die eigene Reichweite zu erhöhen. So werden herzensgute Menschen mit gefälschten Geschichten dazu gebracht, auf die Seite zu reagieren und ihr Mitleid so ausgenutzt.

Es gibt so viele wirklich traurige Geschichten, die durchaus ein wenig Aufmerksamkeit nötig hätten.

Und auch Maryanne und Tommy freuen sich sicher über ein „Gefällt mir“ auf ihrer Seite. Ohne Umwege über erfundene Clickbaitingposts.

Autor: Beate L. – mimikama.at


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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