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Kein Fake: In zwei Kita hören Kinder dieses Jahr auch arabische Lieder

Ralf Nowotny, 12. März 2020
Kein Fake: In zwei Kita hören Kinder dieses Jahr auch arabische Lieder
Kein Fake: In zwei Kita hören Kinder dieses Jahr auch arabische Lieder

Eine Überschrift alleine kann schon einen großen Unterschied machen!

So haben wir in der obigen Überschrift mal die wichtigsten Punkte reingebracht: Es geht um zwei Kita, also Kindertagesstätten, in denen dieses Jahr die Kinder arabische Lieder hören werden.
Soweit, so unaufgeregt. Man kann diese Informationen aber natürlich auch noch ganz anders verpacken:

Quelle: Bild.de
Quelle: Bild.de

„Kita-Kinder sollen arabische Lieder hören“

Das ist nun ein wenig verkürzt, macht aber weiter nichts, denn der Artikel selbst ist korrekt. Dummerweise sind die Leser dieser Zeitung dafür bekannt, oftmals nur die Überschriften zu lesen und sich dann erst einmal lautstark zu empören.

Die AfD ist dafür ein sehr gutes Beispiel: Da muss doch gleich mal ein Sharepic gebastelt werden, um die Wähler zu mobilisieren!

Bildquelle: AfD Sachsen
Bildquelle: AfD Sachsen

„Die Teilnahme für die Kinder ist nicht freiwillig. – CDU-Minister Gemkow muss Arabisch-Unterricht an Kitas sofort stoppen!“

In dem Artikel der AfD wird sich direkt auf den oben abgebildeten und verlinkten Artikel der „Bild“ bezogen, allerdings wichtige Aspekte aus dem Artikel der „Bild“ ausgelassen, stattdessen von Zwang und „Islamisierung der abendländischen Kultur“ geschrieben. So entstehen Falschnachrichten!

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Worum es in Wirklichkeit geht

Die Partei vermittelt den Eindruck, als ob es nun Arabisch-Unterricht an Kindertagesstätten allgemein gäbe, wozu die Kinder auch noch gezwungen werden.
Einzig richtig ist daran eigentlich nur, dass die Teilnahme nicht freiwillig ist, also genauso ein „Zwang“ wie die Spielplatzstunde und die Schlafstunde ist.

Grundlage der Aufregung ist nämlich ein Projekt des Vereins ERZÄHLRAUM e.V., der bereits seit 2016 in Ostsachsen aktiv ist.

Siebenmal im Jahr besucht der Verein für je eine Stunde zwei Kindertagesstätten in den Kreisen Görlitz und Bautzen. Dort werden Märchen und Lieder in verschiedenen Sprachen erzählt und gesungen, bisher u.a. in Tschechisch, Polnisch und Sorbisch. Dieses Jahr ist Arabisch dran.

Die Kinder sollen dadurch andere Sprachen nicht als „fremd“ wahrnehmen, was eher unsicher macht, sondern einfach als das, was es ist: eine andere Sprache. Auch Kinder mit Migrationshintergrund sollen sich dadurch integrierter und sicherer fühlen, wenn sie vertraute Laute hören.

Der Verein selbst ist auch entsetzt über die tendenziöse Berichterstattung und erklärt dies auf der Vereinsseite genauer:

„Unser Projekt „ERZÄHLEN – Ein Schatz für die Zukunft“ verfolgt das Ziel, Geschichten, Märchen und Mythen bereits im frühen Kindesalter zu vermitteln. Wir lesen nicht vor, wir erzählen mit eigenen Worten und die Kinder dürfen miterzählen.

Kein Kind muss es, aber jedes Kind darf es. Deshalb erzählen wir in mehrsprachigen Gruppen mehrsprachig, so können sich alle Kinder beteiligen und die Sprache ihrer Freunde kennenlernen. Wir geben keinen Sprachunterricht, wollen aber die Mehrsprachigkeit des Kulturraums Oberlausitz-Niederschlesien fördern.

Dazu gehören unter anderem die deutsche, sorbische, polnische, tschechische, russische, englische, syrisch-arabische und viele andere Sprachen. In einer Zeit, in der sich die Zusammensetzung von Schulklassen und Wohngebieten zunehmend internationalisiert, können Märchen aus aller Welt Brücken zwischen den Kulturen schlagen.

Gemeinsames Erzählen fördert das Verständnis für einander. Scheinbar Fremdes wird besser verstanden, Ängste werden abgebaut. Solche Brücken wollen wir bauen, über die unsere Kinder in eine friedlichere und weltoffene Zukunft gehen können.“

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Fazit

Kein Kind wird nun gezwungen, Arabisch zu lernen!
Es handelt sich einfach nur um ein mehrsprachiges Projekt eines engagierten Vereins mit Geschichten, Märchen, Mythen und Liedern in zwei Kindertagesstätten.

Doch alleine, dass dieses Jahr nun auch Arabisch in das Programm mit aufgenommen wurde, scheint für manche Leute bereits ein rotes Tuch zu sein.

Artikelbild: Shutterstock / Von Oksana Kuzmina

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