Kanzler Kurz ohne Schatten? Spekulationen über Bergtour

Andre Wolf, 11. September 2020
Kanzler Kurz (Foto BKA/Dragan Tatic), Hinweis: Die Wiedergabe des Bildes dient zur Auseinandersetzung mit dem Thema.
Kanzler Kurz (Foto BKA/Dragan Tatic), Hinweis: Die Wiedergabe des Bildes dient zur Auseinandersetzung mit dem Thema.

Der österreichische Kanzler Sebastian Kurz ist unter anderem auch bekannt für seine Darstellungen in den Medien.

Da bleibt meist nichts dem Zufall überlassen: Wenn ein Bild mit Kanzler Kurz veröffentlicht wird, ist dieses zumeist wohlbedacht und gut kontrolliert. Da sitzt quasi jedes Haar perfekt, alles wird genau vor der Veröffentlichung kontrolliert.

Das kann dann schon mal zu skurrilen Bildern kommen, in denen einzelne Elemente nachträglich ein wenig …. sagen wir mal verändert werden. So wie beispielsweise seinerzeit in Vorarlberg, als auf einem Kanzlerfoto ein Wandbild mit einer rauchenden Frau zu sehen war, die dann anschließend einer Bergidylle in der Bearbeitung weichen musste (vergleiche).

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Und nun haben wir es erneut mit einer Bergidylle zu tun. Kanzler Kurz auf einer Bergtour, strahlend blauer Himmel und die Berggipfel im Hintergrund. Doch halt, man könnte meinen, da fehlt doch was!

Findige Köpfe haben hier eine Unregelmäßigkeit verortet. Ist der Kanzler eine Art Vampir, der keinen eigenen Schatten hat? Schaut man nämlich das Bild an, so sieht man tatsächlich keinen Schatten von ihm:

Kanzler Kurz (Foto BKA/Dragan Tatic), Hinweis: Die Wiedergabe des Bildes dient zur Auseinandersetzung mit dem Thema.
Kanzler Kurz (Foto BKA/Dragan Tatic), Hinweis: Die Wiedergabe des Bildes dient zur Auseinandersetzung mit dem Thema.

Faktencheck Kanzler Kurz

Hat auch hier die Photoshop-Schere zugeschlagen? War Kanzler Kurz gar nicht am Berg, sondern in einem unterirdischen Studio im Kanzleramt? Nein. Dieses Foto ist echt und der vermeintlich ausbleibende Schatten lässt sich plausibel erklären. Der Physiker, Autor und Wissenschaftspublizist Florian Aigner liefert auf Twitter die Auflösung:

Unser Blick wird von unseren Überzeugungen beeinflusst. Ein schönes Beispiel dafür: Heute kursieren Fotos von Kanzler Kurz am Berg und werden von verschiedenen Leuten als „Fälschung“ oder „Photoshop-Arbeit“ bezeichnet. Das Argument: Die Schatten der beiden Personen reißen plötzlich ab, die Wand dahinter ist schattenlos. Außerdem sind die beiden Schatten nicht parallel – es muss also eine Fälschung sein. Ach. Wirklich?

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Bei näherer Betrachtung erkennt man: Die beiden stehen am Gipfel, die Wand „dahinter“ ist eine weit entfernte Felswand. Natürlich reißt der Schatten ab, wenn dazwischen ein Abgrund ist. Und Schatten auf unebenem Untergrund sind logischerweise nicht parallel. Für mich faszinierend: Diese Argumente kommen mir sehr bekannt vor – und zwar von den Mondlandungs-Leugnern. Da werden auch mit Hingabe Schatten analysiert und als unglaubwürdig verworfen. Und das ist dann angeblich der Beweis: Die NASA war nie am Mond!

Wir lernen daraus: Nur weil wir irgendwo etwas Seltsames bemerken, haben wir noch lange keine Verschwörung aufgedeckt. Alles ist irgendwie seltsam, bei näherer Betrachtung. Irgendetwas Überraschendes findet man immer. Meist kann man es aber erklären.

Ich glaube, dass viele der Leute, die dieses Bild (oder ähnliche) heute als „Fälschung“ gepostet haben, sehr davon überzeugt sind, für Verschwörungstheorien und Fake News absolut nicht anfällig zu sein. Diese Sache beweist das Gegenteil. Wir alle können in diese Falle tappen. Also: Wachsam bleiben, die eigenen Fehler eingestehen und ein bisschen Verständnis zeigen, wenn andere solche Fehler machen. Man soll nie etwas glauben, nur weil man sich wünscht, es sei wahr. Zum Glück können wir alle mit rationalem Verstand solche Irrtümer aufklären.

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