Jugend-Internet-Monitor zeigt fatalen Denkfehler!

Andre Wolf, 11. Februar 2021
Jugend-Internet-Monitor zeigt fatalen Denkfehler!
Jugend-Internet-Monitor zeigt fatalen Denkfehler!

Der Jugend-Internet-Monitor von Saferinternet zeigt, welche Social Media Plattformen bei Jugendlichen beliebt sind und welche eben nicht. Und am Ende zeigt er auch, dass Probleme falsch angegangen werden.

Ich freue mich jedes Jahr auf das Erscheinen des Jugend-Internet-Monitors von Saferinternet. Kurz zur Erklärung: Es handelt sich dabei um eine Auswertung der Social Media Portale, welche bei Jugendlichen hoch im Kurs stehen.

Die Daten, die dazu erhoben wurden, stammen von 400 Jugendlichen im Alter von 11 bis 17 Jahre. Diese wurden vom des Instituts für Jugendkulturforschung im November & Dezember 2020 zu ihrer Nutzung von Social Media befragt.

Und diese Ergebnisse daraus sind für meine Arbeit immer sehr wichtig. Denn die Ergebnisse aus dem Jugend-Internet-Monitor zeigen mir, wo und bei WEM die Probleme im Umgang mit Falschmeldungen liegen. Du kennst bestimmt den folgenden Satz in irgendeiner Form:

Wir Jugendlichen beibringen, wie man Falschmeldungen erkennt. Gerade junge Menschen sind auf Social Media gefährdet, da sie sich dort ständig aufhalten.

So oder so ähnlich wird dieser Satz seit Jahren in der Politik gepredigt und überall nachgeplappert. Ja, nachgeplappert. Denn es ist in weiten Teilen Plapperei und auch Unverständnis gegenüber Social Media und dem Nutzungsverhalten der einzelnen Altersgruppen auf Social Media. Und dabei hilft der Jugend-Internet-Monitor ungemein!

Mit seiner Hilfe können wir einen Blick auf das Nutzerverhalten werfen, um uns einen Überblick zu schaffen, wer sich auf welchen Social Media Plattformen tummelt und wer am Ende die Altersgruppe ist, die das größte Problem mit Falschmeldungen hat, denn es sind gewiss nicht junge Menschen!

Jugendliche und junge Erwachsene nutzen eher visuelle Plattformen wie YouTube, Instagram oder TikTok aber auch besonders den Messenger WhatsApp. Besonders Instagram ist der große Gewinner unter den Social Media Plattformen bei Jugendlichen.

Nicht Leon, Luca oder Alina, sondern Dietmar, Hartmut oder Klaus

Das zeigt auch der aktuelle Jugend-Internet-Monitor wieder. Die jährlich stattfindende Auswertung zeigte bisher, dass im Jahr 2016 noch 55 % aller Jugendlichen Instagram genutzt haben, im Jahr 2021 sind es dann bereits 84 %. Sicher, die führenden YouTube und WhatsApp werden aktuell von über 90 % der jungen Menschen genutzt, jedoch stagniert diese Zahl. TikTok, um es anzumerken, ist der zweite Gewinner. Bei TikTok handelt es sich um eine Social Media Plattform, auf der Menschen vorzugsweise Playback Lieder singen, sich selbst dabei filmen und am Ende mit Effekten die Videos aufhübschen können.

Facebook hingegen ist seit Jahren gerade mal bei einem Drittel aller Jugendlichen von Interesse, die Meisten nutzen die Plattform eher passiv. Twitter hingegen ist so gut wie gar kein Thema unter Jugendlichen.

Und jetzt kommt der Knackpunkt: Auf welchen Plattformen zeigen sich seit Jahren primär Falschmeldungen, Verschwörungsmythen, Social Bots und Fakeprofile? Wir reden hierbei immer von Facebook oder Twitter. Sicher, es gibt auch eine Menge gefährliche Inhalte auf YouTube, seltener ist jedoch Instagram betroffen. TikTok ist noch rigoroser, denn der Betreiber fackelt nicht lange und löscht schlichtweg alle Inhalte, die in nach eigenem Maßstab unangebracht für die Plattform erscheinen.

Genau dieses Vorgehen hat sich deutlich gezeigt, als auf TikTok die sogenannte Scullbreaker-Challenge auftauchte. Kurz erklärt: Bei Videos zu diesem Thema wurde eine springende Person durch zwei andere Personen während des Sprungs so gedreht und anschließend zu Fall gebracht, dass die Person mit dem Hinterkopf aufschlägt.

TikTok reagierte schnell und ohne Rücksicht auf Vorwürfe der Zensur oder Vertuschung. Man kann nun mutmaßen, dass es sich bei TikTok um eine Plattform mit einem chinesischen Betreiber handelt und dieser entsprechend anders durchgreift als eine Plattform mit einem US-amerikanischen Betreiber, der davon ausgeht, dass sich das Verhalten unter den Usern von selbst regelt.

Werfen wir also einen Blick auf Facebook, auf die Plattform, wo hunderttausende Menschen der Ansicht sind, das Elektromarkt-Ketten falsch verpackte Smartphones in Mengen verschenken, wo User davon ausgehen, sie wären gehackt worden, nachdem sie selbst auf eine einfache Phishingfalle hereingefallen sind, ja genau die Plattform, wo erwachsene Menschen mit einem Bild und einem unsinnigen Text (den ja angeblich ein Anwalt empfohlen hat, ho ho ho!) den Facebook AGB widersprechen.

Hier stellt sich jetzt ganz bewusst die Frage: Wer fällt denn nun tatsächlich auf Falschmeldungen und Mythen herein? Bringen wir es auf den Punkt: Es ist speziell die Altersgruppe ab 45 Jahre, da ganz besonders die Herren der Schöpfung.

Und da offenbart uns der Jugend-Internet-Monitor einen langjährigen Denkfehler.

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Rechteck = Kreis. Wie Denkfehler verlaufen. Eine Erklärung anhand der Behauptung Auf Social Media findest du in den Diskussionen immer wieder allerlei Scheinbeweise. Weiterlesen…


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