Joschka Fischer erneut falsch zitiert (Faktencheck)

Auf Facebook kursieren erneut angebliche Zitate von Joschka Fischer. Zumeist sind sie aus dem Kontext gerissen oder werden falsch zitiert.

Kathrin Helmreich, 6. Juli 2020
Joschka Fischer
Joschka Fischer

Seit einiger Zeit tauchen immer wieder Sharepics zu Joschka Fischer mit angeblichen Zitaten des deutschen Politikers auf. Es handelt sich dabei um folgende Versionen, die vor allem auf Facebook geteilt werden:

Der Faktencheck

Es ist nicht das erste Mal, dass angebliche Zitate Joschka Fischers auf Facebook kursieren. (wir berichteten) Zwei der oben genannten Aussagen haben wir zudem bereits in einem Faktencheck im Jahre 2019 behandelt. Du findest diesen hier.

Sehen wir uns aber die Aussagen nochmals genauer an:

Wie die Kollegen von Correctiv schreiben, sind die Zitate größtenteils falsch. So stammt nur eines tatsächlich vom ehemaligen Außenminister Deutschlands, eines ist nicht richtig und eines davon ist unbelegt.

„Deutsche Helden müsste die Welt, tollwütigen Hunden gleich, einfach totschlagen.

Das Zitat ist korrekt. Laut Correctiv stammt dieses Zitat aus einer Ausgabe der Frankfurter Zeitschrift Pflasterstrand von 1982. Die Aussage kann im Duisburger Archiv für alternatives Schrifttum in der 133. Pflasterstrand-Ausgabe gefunden werden.

Der Titel des Beitrags lautet „Ein Deutscher auf großer Feindfahrt – Eine Antipolemik zu Karl Heinz Borher“. Fischer schrieb im Kontext seiner Feststellung, kein anderes Volk Europas habe auf „diesem Kontinent in der Moderne einen rassistischen Vernichtungskrieg geführt […], keines solche Verbrechen begangen, wie das deutsche in den Jahren zwischen 1933 und 1945.“

„Deutschland muss von außen eingehegt, und von innen durch Zustrom heterogenisiert, quasi verdünnt werden.“ 

Das Zitat stammt nicht von Joschka Fischer. Die Aussage stammt von Autorin Mariam Lau und gehört zu einer Rezension zu Fischers Buch „Risiko Deutschland“, die in der Welt vom 07. Februar 2005 erschienen war.

Es stellt ihre eigene Interpretation dessen dar, was Fischer in seinem Buch geschrieben hat.

„Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind […]“

Das Zitat ist unbelegt. Die komplette Passage lautet wie folgt: „Deutschland ist ein Problem, weil die Deutschen fleißiger, disziplinierter und begabter als der Rest Europas (und der Welt) sind. Das wird immer zu ‘Ungleichgewichten’ führen. Dem kann aber gegengesteuert werden, indem so viel Geld wie nur möglich aus Deutschland herausgeleitet wird. Es ist vollkommen egal wofür, es kann auch radikal verschwendet werden – Hauptsache, die Deutschen haben es nicht. Schon ist die Welt gerettet.“

Es gibt keinen eindeutigen Beweis, woher die Aussage tatsächlich stammt. So lassen sich ausschließlich Beiträge von Internetnutzern finden, die sie zitieren. Die Quellen unterscheiden sich dabei voneinander.

Die Spuren der Recherche führen zu Hinweisen, das Zitat könne aus den USA stammen und zwar habe Fischer den Satz 2008 in den USA gesagt. Auch hier existieren lediglich Beiträge von Nutzern. (siehe hier und hier)

Artikelbild: Shutterstock / Von Davide Calabresi


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