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Montag, 20 September 2021
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Jahresrückblick 2020: Der Fall George Stinney Jr.

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Der Fall George Stinney Jr. bewegte auch im Jahr 2020 eine Vielzahl an Nutzer. So wurde der 14-Jährige 1944 zum Tode verurteilt.

Das Besondere an dem Fall – das Urteil wurde im Jahr 2014 coram nobis aufgehoben. George Stinney Jr. war zu seiner Zeit die jüngste Person, die in den Vereinigten Staaten zum Tode verurteilt wurde. Er starb mit nur 14 Jahren durch den elektrischen Stuhl.

Im Großen und Ganzen stimmt die Geschichte, sie enthält allerdings auch einige Fehler und Unklarheiten, auf die wir in diesem Artikel eingehen möchten. Es geht dabei um folgenden Statusbeitrag:

Screenshot des angefragten Facebook-Beitrags
Screenshot des angefragten Facebook-Beitrags

George Stinney jr. afrikanischer Abstammung war der jüngste Mensch, der im 20. Jahrhundert in den Vereinigten Staaten zum Tode verurteilt wurde.

Er war erst 14 Jahre alt, als er auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet wurde.

Während seines Prozesses, selbst am Tag seiner Hinrichtung, trug er immer eine Bibel in der Hand und behauptete, er sei unschuldig.

Er wurde angeklagt, zwei weiße Mädchen, die 11-jährige Betty und die 7-jährige Mary, getötet zu haben. Die Leichen wurden in der Nähe des Hauses gefunden, in dem der Teenager mit seinen Eltern wohnte.

Zu diesem Zeitpunkt waren alle Mitglieder der Jury weiß. Der Prozess dauerte nur 2 Stunden, und das Urteil wurde 10 Minuten später diktiert.

Die Eltern des Jungen wurden bedroht und daran gehindert, im Gerichtssaal anwesend zu sein, und anschließend aus der Stadt verwiesen.

Vor der Hinrichtung verbrachte George 81 Tage im Gefängnis, ohne seine Eltern sehen zu können.

Er wurde in Einzelhaft gehalten, 80 Meilen von seiner Stadt entfernt. Er wurde allein ohne die Anwesenheit seiner Eltern oder eines Anwalts angehört.

Er wurde mit 5.380 Volt im Kopf hingerichtet, stellen Sie sich all diese Spannung im Kopf eines Teenagers vor.

70 Jahre später wurde seine Unschuld schließlich von einem Richter in South Carolina bewiesen. Der Junge war unschuldig, jemand hatte es inszeniert, um ihm die Schuld dafür zu geben, dass er schwarz war.

Der Faktencheck

Über den Fall George Stinney Jr. haben wir bereits im August 2019 berichtet. Der 14-Jährige wurde am 16. Juni 1944 in South Carolina, USA, auf dem elektrischen Stuhl hingerichtet, nachdem er angeblich zwei Mädchen getötet haben soll.

Bei den gezeigten Bildern, handelt es sich um Aufnahmen aus dem Film „Carolina Skeletons“ (deutscher Titel: „Das Ende des Schweigens“) von 1991, dem der Fall als Grundlage dient. Dieser basiert wiederum auf der Novelle „Carolina Skeletons“ von 1988.

Die Hinrichtungsszene des Jungen, der im Roman und im Film „Linus Bragg“ heißt, kann auf YouTube eingesehen werden. Es zeigt also einen Schauspieler und nicht George Stinney Jr. selbst.

Es ist unklar, ob der Junge immer eine Bibel in der Hand hatte

Die Kollegen von „Snopesfanden verschiedene Zeitungsartikel, die belegen, dass George während seiner Hinrichtung eine Bibel unter dem Arm hatte. Es ist unklar, ob der Junge das Buch tatsächlich ständig bei sich trug.

Die Mädchen wurden nicht in der Nähe seines Hauses gefunden

Die Anwälte der Familie Stinney vermuten, dass es sich bei dem Tatwerkzeug um ein 30 Zentimeter langes und breites Stück Metall oder Eisen handelte, welches beim Schienenbau, aber auch auf Holzverarbeitungsplätzen Verwendung fand.

So wird vermutet, dass der wahre Täter der mittlerweile verstorbene Sohn eines Sägewerkbesitzers war, auf dessen Grundstück die Leichen der Mädchen gefunden wurden.

Die Spannungsstärke betrug 2.400 Volt

Zugegeben, dies ist jetzt nicht unbedingt ausschlaggebend, da sowohl 2.400 Volt, wie Charles Kelly in seinem Buch „Next Stop, Eternity“ beschreibt, als auch die im Posting geschriebenen 5.380 Volt tödlich sind.

Nach dem ersten Stromstoß von 2.400 Volt rutschte George die Maske vom Gesicht, seine Augen waren offen. Danach bekam er noch zwei weitere Stromstöße von 1.400 Volt und 500 Volt, bis er für tot erklärt wurde.

George hatte einen Anwalt

Dies macht den Fall eigentlich noch erschreckender, denn mit Charles H. Plowden hatte George zwar einen Anwalt, der jedoch eher gegen den Jungen arbeitete: er erhob keinen Einspruch gegen die rein weiße Jury, er rief keine Zeugen auf (Geschwister hatten ein Alibi für George), er verlangte keine Beweisstücke während des sehr kurzen Prozesses und legte auch keine Berufung gegen das Todesurteil ein.

Urteil nach 70 Jahren aufgehoben

Im Dezember 2014 wurde der Fall „Coram nobis“ (lateinisch für „in unserer Gegenwart“) wiederaufgenommen. Bei dieser Art von Anträgen geht es darum, dass ein Gericht einen vorher getätigten Irrtum zugibt und möglichst korrigiert.

Richterin Carmen Tevis Mullen stimmte dem Antrag am 17. Dezember 2014 zu. Sie hat George Stinney Jr. allerdings nicht freigesprochen, sondern streng genommen nur die Verurteilung aufgehoben. Ein Freispruch kann nur in einem neuen Prozess erfolgen, der jedoch nicht stattfinden kann, da sowohl der Junge als auch potentielle Zeugen tot sind. Es gibt kaum noch Dokumente über den Fall, physische Beweismittel existieren nicht mehr.

Zu einer Aufhebung des Urteils konnte es aber kommen, da das Gericht damals, wie Richterin Mullen feststellte, nicht ordnungsgemäß arbeitete. Beispielsweise wurden keine Zeugen gehört (seine Geschwister beteuern, dass der Junge zum Tatzeitpunkt zu Hause war), die verfassungsmäßigen Rechte des Jungen wurden nicht beachtet, das Tatwerkzeug war unklar, der Pflichtanwalt des Jungen legte keine Berufung gegen das Urteil ein, obwohl dies möglich gewesen wäre.

Fazit

Der Fall George Stinney Jr. ist wahr. Auch wenn einige Details der Geschichte bei dem Statusbeitrag etwas durcheinander geworfen werden, macht es den Fall nicht weniger erschreckend.

George war tatsächlich der jüngste zum Tode verurteilte Mensch seiner Zeit.

Passend zum Thema: Die krasse Dr. Sommer Antwort: Kein Fake!


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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