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Irreführende Werbung mit Klimaneutralität

Annika Hommer, 8. August 2021
Artikelbild: Von Francesco Scatena / Shutterstock.com
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Immer mehr Finanzunternehmen richten sich mit ihrer Werbung an die Verbraucher:innen, die mit ihrer Geldanlage eine positive Wirkung für das Klima erzielen wollen.

So auch die Tomorrow GmbH, die die Kompensation des individuellen CO2-Fußabdrucks mittels Premiumkonto versprach. Diese irreführende Werbung hat die Verbraucherzentrale nun abgemahnt.

Die Tomorrow GmbH warb mit der Aussage „Als Premiumkonto ist Tomorrow Zero gemacht für Menschen mit besonders hohen Ansprüchen – im Klimaschutz wie im Banking.“ Darunter tauchte die von der Verbraucherzentrale abgemahnte Werbeaussage auf: „Dein Co2-Fußabdruck kompensiert“.

„Für interessierte Verbraucher:innen wäre es natürlich ein Gewinn, wenn sie „ihren CO2-Fußabdruck“ reduzieren könnten. Aber woher soll ein Unternehmen diesen kennen und dann exakt kompensieren können? Jeder Mensch hat einen individuellen CO2-Fußabdruck, weil die Produktauswahl nie deckungsgleich ist“, sagt Niels Nauhauser von der Verbraucherzentrale Baden-Württemberg, „solche Werbeaussagen sind schlichtweg irreführend.“

Dies musste auch die Tomorrow GmbH nach Abmahnung der Verbraucherzentrale eingestehen. Anstelle des individuellen Fußabdrucks wird nun auf den jährlichen deutschen Durchschnitt verwiesen, indem dort nun steht: „Über die Kontogebühr finanzieren wir CO₂-Zertifikate, die den CO₂ -Fußabdruck des jährlichen deutschen Durchschnitts von 11,17 t Pro-Kopf-CO₂-Emissionen kompensieren.“

Doch Verbraucher:innen, die es genauer wissen wollen, lässt das Unternehmen weiterhin im Dunkeln tappen. Durchschnittswerte sind für eine informierte und selbstbestimmte Entscheidung schlicht substanzlos. Hinzukommt: Bei der Tomorrow GmbH handelt es sich nicht um eine Bank. Eigenen Angaben zufolge arbeitet der Anbieter mit der Solarisbank zusammen. Diese betreibe das Bankgeschäft, während Tomorrrow als Technologie-Plattform fungiere, mit einer Erlaubnis als Finanzanlagenvermittler.

„Das Geld der Kontoinhaber liegt bei der Solarisbank. Diese veröffentlicht jedoch auf ihrer Internetseite weder einen Geschäftsbericht noch aussagekräftige Informationen zur Nachhaltigkeit der Mittelverwendung“, kritisiert Nauhauser die fehlende Transparenz für Verbraucher:innen.

Welche Projekte nachhaltig genug sind, legt Tomorrow selbst anhand eigener Kriterien fest. Dabei steht die Tommorrow GmbH wie auch alle anderen Anbieter nachhaltiger Geldanlagen vor dem Problem, dass die ESG Daten von Projekten oder Unternehmen vor allem auf nicht überprüfbaren Selbstauskünften beruhen. „Solange es keine klare gesetzliche Regelung für Aussagen zur Klimaschutzwirkung von Produkten und Dienstleitungen gibt, ist solche Werbung nichts anderes als eine Marketingmasche,“ so Nauhauser weiter.

Informationen über Klimawirkung müssen verlässlich sein

„Bei der Frage, wie verlässlich Informationen sind, zeigt sich das grundsätzliche Problem von Werbung mit Nachhaltigkeit“, sagt Nauhauser. Denn: Verlässlich sind Informationen nur dann, wenn sie von einer dritten Instanz zur Verfügung gestellt werden, die einen Einblick in die „Produktion“ der Dienstleistung besitzt und diesen Einblick jederzeit auch gegen den Willen des Anbieters durchsetzen kann. Den Einblick in den Produktionsprozess kann diese Instanz nur dann durchsetzen, wenn sie gesetzlich dazu befugt ist. Weder Ratingagenturen noch Träger von Gütezeichen besitzen diese Befugnis. „Damit stehen Verbraucher:innen derzeit keine verlässlichen Informationen zur Klimawirkung einer Geldanlage bzw. eines Zahlungsdienstes zur Verfügung“, so Nauhauser weiter.

Bitte beachten Sie, dass die Meldung den Stand der Dinge zum Zeitpunkt ihrer Veröffentlichung wiedergibt.

Quelle: Werbung mit Klimaneutralität | Verbraucherzentrale Baden-Württemberg (verbraucherzentrale-bawue.de)
Artikelbild: Von Francesco Scatena / Shutterstock.com

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