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Faktencheck: Die iranische Frau mit Glatze

Ralf Nowotny, 31. August 2019

Mehrere Anfragen bekamen wir zu einem Tweet, der eine iranische Frau mit geschorenem Kopf zeigt.

So soll sich die Frau den Kopf rasiert haben, damit sie kein Kopftuch mehr tragen müsse:

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Diese iranische Frau hat sich eine Glatze rasieren lassen, damit sie kein verpflichtendes Kopftuch anziehen muss, weil es keine Haare zum verdecken gibt. Das wurde ihr offiziell bestätigt. Gratulation für diese Stärke.

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Echtes Bild, doch erst ein anderer Grund

Tatsächlich rasierte sich eine junge Frau Mitte Mai 2016 ihre Haare und veröffentlichte das obige Foto auf der Facebook-Seite „My Stealthy Freedom„:

https://www.facebook.com/StealthyFreedom/posts/1398614793485944:0?hc_location=ufi

Wie aus dem Beitrag hervorgeht, jedoch zuerst aus einem anderen Grund:
Sie spendete ihre Haare für krebskranke Kinder. Doch erst, als sie mit dem kahlen Kopf auf die Straße ging, dachte sie sich:

„Keine Haare, keine Moralpolizei! Es gibt keinen Grund für diejenigen, die mir immer sagen, ich solle meine Haare bedecken, mich jetzt zu verhaften.“

Einige Frauen folgten ihrem Beispiel und berichteten darüber auf „My Stealthy Freedom“:

Screenshots: mimikama.at

Ein Schlupfloch?

Nicht in den Augen der iranischen Sicherheitskräfte, wie der Blog „Clarion Project“ berichtet:
Bereits einen Tag nach Veröffentlichung des Fotos, am 16. Mai 2016, wurde die junge Frau unter dem Vorwurf der Verletzung der Scharia und der öffentlichen Moral, zusammen mit elf weiteren Frauen, festgenommen. Die iranische Polizei akzeptierte ihre Erklärung nicht, dass das Fehlen von Haaren sie von der gesetzlichen Verpflichtung befreie, Hijab zu tragen.

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Fazit

Das Foto ist echt, allerdings nicht aktuell, sondern aus dem Jahr 2016. Die Beschreibung des Fotos beschönigt leider die Situation muslimischer Frauen, denn zumindest für iranische Sicherheitskräfte ist eine Glatze anscheinend kein Schlupfloch, um keinen Hijab tragen zu müssen.

Auch hält sie nicht etwa eine offizielle Bestätigung, dass sie das dürfe, in der Hand, wie der Tweet suggeriert, sondern die Bestätigung, dass sie ihre Haare für krebskranke Kinder spendete, erkennbar an dem Logo der Organisation „Mahak Charity„.


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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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