Aktuelles

Inzidenzwert steigt NICHT durch mehr Tests

Claudia Spiess, 10. Mai 2021
Inzidenzwert steigt NICHT durch mehr Tests
Artikelbild: Shutterstock / Von Drazen Zigic

Die Aussage „Je mehr getestet wird, umso höher ist die Inzidenz“ wird derzeit mit einer Rechnung in sozialen Medien untermauert. Diese ist jedoch irreführend.

Wie wir alle mittlerweile gelernt haben, gibt der Inzidenzwert die Zahl der Corona-Fälle pro 100.000 Einwohner der letzten sieben Tage an. Nun wird kritisiert, dass vermehrte Tests Einfluss auf diesen Wert haben.

Untermauert wird diese Annahme mit einer einfachen Rechnung, wie man sie beispielsweise in einem Facebook-Beitrag findet:

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Ja, die Rechnung stimmt soweit. Doch damit macht man es sich ein klein wenig einfach. Denn sollte diese Rechnung die Realität widerspiegeln, müsste man annehmen, dass Corona-Infektionen gleichmäßig in der Bevölkerung auftauchen. Das tun sie jedoch nicht!

Die Berechnung des Inzidenzwerts

Zur Wiederholung hier die Vorgehensweise zur Berechnung des aktuellen Inzidenzwerts:

  • Alle gemeldeten Neuinfektionen der letzten sieben Tage werden addiert.
  • Das Ergebnis – die Summe daraus – wird durch die Einwohnerzahl der entsprechenden Stadt geteilt.
  • Anschließend folgt noch eine Multiplikation mit 100.000.

Et voilà: Schon hat man den aktuellen Inzidenzwert, anhand dessen sich auch Maßnahmen treffen lassen.

Was man an dieser Berechnung auch sieht: Die Anzahl der Tests wird hier nicht berücksichtigt, da sie schlicht keinen Einfluss auf das Ergebnis hat. Auch mit 1.000 Tests könnte man 50 Positive „erwischen“ oder aber mit 100.000 Tests vielleicht nur 100.

Keine gleichmäßige Verteilung

Eine gleichmäßige Verteilung von Corona-Infektionen innerhalb der Bevölkerung existiert in der Realität einfach nicht.

Die Zahlen in Deutschland bestätigen auch, dass man keine gleichmäßigen Ergebnisse wie in der oben angeführten Rechnung bei Corona-Tests erwarten kann. Nachlesen kann man diese im Lagebericht des Robert Koch Instituts (RKI).

Ende Februar wurden in Deutschland 1,17 Millionen Tests durchgeführt, wovon rund 72.000 positiv waren. Dies ergibt eine Positivrate von rund sechs Prozent.
Ende April wurden 1,34 Millionen Tests durchgeführt, also rund 166.000 Tests mehr. Dabei ergaben 150.000 ein positives Ergebnis. Der Positivenanteil entspricht hier rund elf Prozent.
Kurz: Bei knapp 15 Prozent mehr Tests verdoppelte sich der Anteil positiv getesteter Personen.

Viele Tests führen nicht automatisch zu höheren Zahlen

Wie auch die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) schreibt, sind die Corona-Fallzahlen nicht deshalb so hoch, weil viel getestet wird:

„Viele Tests decken nur die Realität (Dunkelziffer) auf. Das hilft zu verhindern, dass sich das Virus unerkannt verbreitet. Des Weiteren führen viele Tests nicht automatisch zu höheren Fallzahlen. Das zeigt die Positivrate: Werden viele Menschen getestet, die keine Infektion mit dem Coronavirus haben, ist die Positivrate niedrig.

In den letzten Wochen stiegen die Fallzahlen wieder, gleichzeitig stieg auch die Positivrate. Es werden demnach viele Corona-Fälle entdeckt und Infektionsketten können so noch besser unterbrochen werden.“

[mk_ad]

Das könnte dich auch interessieren: „Spanische Grippe überlebten nur die Ungeimpften“ (Faktencheck)

Quelle: dpa, Robert Koch Institut, Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung

Unabhängige Faktenchecks und Recherchen sind wichtig und richtig. Sie fördern Medienkompetenz und Bildung. 

Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fakenews, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt Deine Unterstützung!

Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

weitere mimikama-Artikel