Internet allein macht noch keine Polit-Trolle

Janine Moorees, 30. August 2021
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Im Internet glauben viele, sie könnten sagen, was sie wollen, vor allem, wenn es um Politik geht. Diese Leute nennt man Internet-Trolle.

Das schiebt auch die Forschung oft auf die (scheinbare) Anonymität des Internets und dadurch fehlende Empathie. Doch diese Erklärung stimmt gar nicht, so eine Studie der Universität Aarhus. Die gefühlt große Feindseligkeit in Online-Diskussionen rührt demnach eher daher, dass das Internet ohnehin zu aggressiven Worten neigende Menschen für andere einfach sichtbarer macht.

Gefühlt mehr Aggro

„Es gibt viele psychologische Faktoren, warum wir unser Temperament online nicht so leicht zügeln können“, meint Erstautor Alexander Bor, Politwissenschaftler in Aaarhus. Doch sei ebenso aus der psychologischen Forschung bekannt, dass unterschiedliche Persönlichkeiten nicht gleich stark zu Aggression tendieren. „Letztlich zeigt sich, dass diese Persönlichkeitsunterschiede viel stärker für Online-Feinseligkeit verantwortlich sind“, sagt er. Das zeige die Studie, für die über 8.000 Amerikaner und Dänen Auskunft über ihre Erfahrungen mit und ihr Verhalten bei politischen Diskussionen online und offline gaben.

Das Ergebnis: Jene, die sich online eher feindselig verhalten, machen das in der realen Welt auch. Diese Menschen wollen Anerkennung und Status, weshalb sie sich dominant und aggressiv geben, um keine Diskussion zu verlieren. Das gilt in den stark polarisierten USA ebenso wie in Dänemark, wo die politische Diskussion insgesamt vergleichsweise gesittet bleibt. Dennoch haben die Probanden aus beiden Ländern angegeben, dass Online-Diskussionen zur Politik schlimmer seien als jene von Angesicht zu Angesicht – und das, obwohl sie sich online nicht öfter persönlich angegriffen fühlen als offline.

Sichtbarere Rüpel

„Unsere Forschung zeigt, dass der Grund, warum Menschen politische Online-Diskussionen so feindselig finden, hat etwas mit der Sichtbarkeit von aggressivem Verhalten online zu tun“, erklärt Studien-Mitautor Michael Bang Petersen, ebenfalls Professor für Politikwissenschaft. Rüdes Diskussionsverhalten in der realen Welt bekommen letztlich wenige, in der Regel eher unmittelbar Betroffene, mit. Online dagegen bekommen oft hunderte, tausende oder noch mehr Dritte mit, wenn ein User einen anderen angreift oder belästigt.

Die Studie legt auch nahe, dass ohnehin aggressive Menschen dabei ganz bewusst die Möglichkeiten des Internets nutzen, ihr Trollen also eine bewusste Strategie ist. „Wir können Online-Hass nicht durch Bildung bekämpfen, weil er nicht aus Ignoranz entsteht“, warnt Bor. Klare Regeln und deren Durchsetzung seien daher unverzichtbar. „Um Online-Hass zu bekämpfen, müssen wir die Sichtbarkeit und Reichweite der Hasserfüllten einschränken.“

Quelle: Pressetext
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