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In einem Chat wurden Nacktfotos von einer 12-Jährigen verlangt!

Tom Wannenmacher, 6. August 2019

Ein 12 Jahre altes Mädchen ist seit Juni 2019 von einem Unbekannten auf einer Internet-Chat-Plattform kontaktiert und zum Versenden von Nacktfotos aufgefordert worden.

Der Unbekannte hatte das Mädchen über einen Chat kontaktiert und vorgegeben, von einer Modellagentur zu sein. Offenbar versandte das Mädchen in den folgenden Wochen auf Aufforderung mehrere Bilder an den Unbekannten. Als die Mutter am Sonntag (05.08.2019) von dem Sachverhalt erfuhr, erstattete sie Anzeige bei der Polizei.

Die Polizei rät:

  • Sprechen Sie mit ihrem Kind offen über Risiken, erklären sie ihm, wie es diese vermeiden oder sich dagegen wehren kann.
  • Vermitteln Sie, dass es sich bei Problemen jederzeit an Sie wenden kann
  • ohne ein Internet-Verbot zu befürchten.
  • Kinder sollten auf umfangreiche Profilangaben verzichten, persönliche Daten wie Name, Adresse oder Mobilfunknummer auch nicht im direkten Kontakt an andere weitergeben und Standortdienste ausschalten.
  • Kinder sollen misstrauisch bleiben: Man kann nie wissen, wer sich auch hinter harmlos wirkenden Profilen oder Nutzernamen verbirgt. Auch bei scheinbar bekannten Chat- und Spielpartnern weiß man nie, ob es sich um diese Person handelt, noch jemand mitliest oder Informationen gespeichert und weitergegeben werden.
  • Kein Treffen mit fremden Personen vereinbaren, zumindest nicht allein.
  • Belästigungen stoppen und melden: Unangenehme Dialoge sofort beenden sowie Störer melden und blockieren. Wenn der Dienst die Möglichkeit bietet, sollten Kontaktversuche von Fremden generell unterbunden werden.
  • Beweise sichern: Belästigungen umgehend per Screenshot dokumentieren und dem Betreiber, Beschwerdestellen wie jugendschutz.net, internet-beschwerdestelle.de oder bei schwereren Fällen auch der Polizei melden.

Mimikama – Hinweis:

„Cyber-Grooming“ nennt sich die Masche, die das gezielte Anbahnen sexueller Kontakte mit Minderjährigen umschreibt. Dabei setzen die Täter auf die Anonymität des Internets und die Leichtgläubigkeit ihrer Opfer.

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Bei „Cyber-Grooming“ erschleichen sich (männliche) Erwachsene im Internet das Vertrauen von Kindern und Jugendlichen, um sie sexuell zu belästigen bzw. zu missbrauchen. Der Kontakt beginnt meist harmlos mit Gesprächen über die Schule, Hobbys oder Computerspiele. Die Täter agieren dabei betont verständnisvoll und geben sich oft als Gleichaltrige aus. Nach einiger Zeit werden Fotos gefordert – anfangs noch harmlose Bilder („Du bist ja so hübsch, hast du noch weitere Bilder?“), später Nacktfotos. Oft verschicken die Groomer auch eigene Nacktaufnahmen an ihre jungen Chatpartner/innen.

Manche „Groomer“ arbeiten mit einer anderen Masche: sie geben sich als Modelagenten oder Talentsucher aus und versprechen den Jugendlichen, sie berühmt zu machen. In Gaming-Portalen oder in Spiele-Chats treten die Täter als professionelle Gamer auf, die den Jugendlichen angeblich zu mehr Erfolg in Computerspielen verhelfen möchten. Eine weitere Grooming-Strategie: Die Täter versprechen den Kindern eine Belohnung, wenn diese ihnen z. B. Nacktbilder schicken – in Form von Geld, Gutscheinen oder dem „Weiterzocken“ in einem Computerspiel.

Was sagt das Gesetz zu Cyber-Grooming?

In Österreich ist Grooming gemäß §208a Anbahnung von Sexualkontakten zu Unmündigen strafbar. Groomern kann demnach eine Freiheitsstrafe von bis zu zwei Jahren drohen.

In Deutschland ist Cyber-Grooming als besondere Begehungsform des sexuellen Missbrauchs von Kindern bei unter 14-jährigen Personen nach § 176 Absatz 4 StGB verboten und wird mit einer Freiheitsstrafe von drei Monaten bis zu fünf Jahren bestraft!

In der Schweiz wurde 2011 der Bundesrat beauftragt, der Bundesversammlung eine Vorlage zu unterbreiten, die Grooming unter Strafe stellt. Diese wurde jedoch am 27.09.2013 abgeschrieben, weil sie seit mehr als zwei Jahren “hängig” war.

Weitere Informationen unter: So schützen Sie Ihr Kind vor sexueller Belästigung im Internet!

Artikelbild: Shutterstock / Von New Africa
Quelle: Polizeipräsidium Stuttgart

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