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Nein, Erich Honecker plante nicht den Mauerfall!

Ralf Nowotny, 24. Juli 2020
Nein, Erich Honecker plante nicht den Mauerfall!
Nein, Erich Honecker plante nicht den Mauerfall!

Ein rund vier Minuten langes Video soll beweisen, dass Erich Honecker den Mauerfall 1989 und die Kanzlerschaft Angela Merkels von langer Hand geplant habe.

Das Besondere an jenem Video über Erich Honecker: Der Ausschnitt stammt aus einer scheinbar professionellen Dokumentation inklusive Zeitzeugen, die die Aussagen bestätigen. Es kommt noch besser: Diese Dokumentation lief sogar im TV!

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„Wir machen die Mauer wieder auf!“

In dem Video berichtet Honeckers Sekretär Friedhelm Nuschke, dass Honecker 1983 nach einem Staatsbesuch von F.J. Strauß zu ihm sagte. „Nuschke, wir machen die Mauer wieder auf“. Honeckers Idee soll gewesen sein, dass die Öffnung der Mauer den Westen Milliarden und Abermilliarden kosten würde. Den Ruin der Bundesrepublik wolle er so um Jahre beschleunigen.

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„In diesem Garten wird heute Geschichte geschrieben!“

Jahre später, nachdem Honecker nach Chile geflohen war, soll eine junge Frau ihn besucht haben, die von ihm präzise Instruktionen bekommen habe: Eine Mappe mit einem 20-Jahre-Plan, um in Deutschland sämtliche wichtigen Positionen mit Ostdeutschen zu besetzen, um den Sozialismus wieder aufleben zu lassen. Der Name der jungen Frau: Angela Merkel!

Keine geheime Dokumentation

Tatsächlich lief diese Dokumentation mehrmals im Deutschen Fernsehen. In der oberen linken Ecke des Videos sieht man noch ein abgeschnittes Logo: das des Senders „zdf info“.

Quelle: Wikimedia
Quelle: Wikimedia

Ist das also alles wahr?

Die Dokumentation lief im Jahr 2009 im deutschen Fernsehen, pünktlich zum 20. Jahrestag des Mauerfalls. Allerdings handelt es sich nur um einen kleinen Teil der Dokumentation, denn es wird da noch viel mehr behauptet, unter anderem etwas, was viele Verschwörungstheoretiker bejubeln werden: Die Mondlandung fand nie statt, es waren alles nur Kulissen!

Der Titel der Dokumentation lautete: „Der schwarze Kanal kehrt zurück“.
Kurze geschichtliche Erinnerung: „Der schwarze Kanal“ war eine politische Sendung, die von 1960 bis 1989 im DDR-Fernsehen lief. Es wurden kurze Ausschnitte aus dem „Westfernsehen“ gezeigt, oftmals sinnentstellt und umgeschnitten, kommentiert mit politischen Ideologien, um den Westen Deutschlands zu diskriminieren.

Überraschung: Nein!

Bei wem es jetzt noch nicht klingelt, dem helfen wir:
„Der schwarze Kanal kehrt zurück“ ist eine Satire-Dokumentation, eine sogenannte „Mockumentary“ (vom englischen to mock = verspotten). Es handelt sich also nicht um echte Zeitzeugen und Aussagen!

Wer mag, kann sich die komplette Satire-Doku hier anschauen. Der Ausschnitt, welcher auf Facebook gepostet wurde, beginnt bei 22:20.

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Fazit

Keine echten Aussagen, keine echte Geschichte, keine Skandal-Enthüllung, weswegen Facebook einen sperren sollte. Es handelt sich um einen Ausschnitt einer Satire-Dokumentation aus dem Jahr 2009 zum 20. Jahrestag des Mauerfalls.

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Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
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