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Hohe Intelligenz schützt nicht vor Stereotypen

Kathrin Helmreich, 27. Juli 2017

Erkennen von Mustern ist Forschern zufolge Fluch und Segen zugleich

Menschen mit höheren kognitiven Fähigkeiten lernen und wenden Stereotype schneller an als andere. Das zeigt eine neue Studie der New York University.

Durch eine Reihe von Experimenten haben die Wissenschaftler erkannt, dass Personen mit höherer Intelligenz Stereotype auch schneller wieder ablegen, sobald sie neue, gegenteilige Informationen erhalten.

„In der Praxis ist mir diese Tatsache noch nicht merkbar aufgefallen. Außerdem würde ich einer Verallgemeinerung in diesem Zusammenhang mit Skepsis begegnen“,

erklärt Psychologe Dominik Rosenauer im Gespräch mit pressetext.

„Überlegene kognitive Fähigkeiten werden oft mit positiven Ergebnissen verbunden, wie zum Beispiel akademischen Leistungen und sozialer Mobilität“,

so Studienleiter David Lick.

„Unsere Arbeit zeigt aber, dass einige kognitive Fähigkeiten negative Konsequenzen nach sich ziehen. Vor allem Personen, die sehr versiert im Erkennen von Mustern sind, lernen soziale Stereotype äußerst schnell“,

weiß Lick.

Generalisierungen schwierig

Die Fähigkeit, Muster zu erkennen, befähigt Menschen beispielsweise, Sprachen zu erlernen, Gesichter wiederzuerkennen und die Emotionen anderer zu erahnen. Die Studie zeigt die Nachteile dieser Fähigkeit, vor allem in Bezug auf soziale Vorurteile.

„Stereotype sind Generalisierungen von Merkmalen sozialer Gruppen, welche auf jedes individuelle Mitglied dieser Gruppen umgemünzt werden“,

heißt es in der Studie. Damit Stereotype entstehen und angewandt werden können, muss zuerst ein Muster erkannt werden.

Um diese Hypothese zu bestätigen, haben die Experten mithilfe von Amazons „Mechanical Turk“ eine sechsteilige Forschungsreihe im Social Web mit 1.257 Teilnehmern durchgeführt.

Eines der Experimente zeigte eine Bilderserie von männlichen Gesichtern. Manche hatten breitere Nasen, andere schmalere. Jedes Gesicht wurde mit einer Beschreibung über vergangenes Verhalten erweitert.

Zum Beispiel: „Hat einem Kranken Blumen geschickt“ oder „Hat einen Obdachlosen ausgelacht und sich über ihn lustig gemacht“. Die meisten Gesichter mit einem bestimmten Merkmal, wie zum Beispiel einer breite Nase, wurden mit negativen Stereotypen in Verbindung gebracht.

Schnell gelernt und verlernt

Nach dem Begutachten der Gesichter spielten die Testpersonen ein Online-Vertrauensspiel mit einem Avatar-Partner. Darin mussten sie entscheiden, wie viel Geld sie ihrem Partner zuteilen.

Die Nasen der Avatare wurden manipuliert, sodass manche breiter und manche schmaler sind.

Dass Individuen mit guter Fähigkeit, Muster zu erkennen, zur Anwendung von Stereotypen neigen, wurde klar, als diese ihren Partnern weniger Geld zuteilten, wenn sie breitere oder schmälere Nasen hatten. Abhängig von ihren eingelernten Vorurteilen.

Jedoch haben die Probanden bewiesen, dass die vorhandenen Vorurteile durch neu Erlerntes und Informationen gegen diese Stereotype schnell über Bord geworfen werden.

„Grundsätzlich beugen Bildung, Wissen und Information negativen Stereotypen vor. Allerdings wäre ohne Stereotype jede Situation neu für uns. wir wüssten nicht, wie man etwas macht. Aus dieser Sicht ist niemand völlig frei von Stereotypen“,

erklärt Rosenauer gegenüber pressetext.


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