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Grippeimpfung löst keine zweite Corona-Welle aus

Claudia Spiess, 8. September 2020
Grippeimpfung löst keine zweite Corona-Welle aus
Grippeimpfung löst keine zweite Corona-Welle aus

Facebook-Postings über den Einfluss von Grippeimpfungen auf das Coronavirus sorgen für Verunsicherung.

Aktuell kursieren Warnungen dazu, dass durch die Grippeimpfung bei Kindern eine zweite Corona-Welle ausgelöst werden soll.

Es handelt sich hierbei um dieses Sharepic bzw. folgenden Text:

Screenshots Facebook "2. Corona-Welle durch Grippeimpfung"
Screenshots Facebook „2. Corona-Welle durch Grippeimpfung“

„WICHTIGE MITTEILUNG: Wie jetzt über unsere Kinder eine 2. Welle herbeigeführt werden soll!
Es läuft gerade eine große Kindergrippe-Impfkampagne in den Staatsmedien, durch die Zwangsempfehlung der Ärztekammer werden die Ärzte darüber hinaus entsprechend instruiert.
Bei Kindern werden die Impfungen als Nasensprays verabreicht. Der gegenwärtige Impfstoff soll laut RKI u.a. vor den H1N1 und H3N2 Virus schützen.
Die Nebenwirkungen können Fieber, Kopf- und Gliederschmerzen sein.
Sobald sich bei Euren Kindern dann diese Nebenwirungen anzeigen wird ein Corona-PCR-Test zwingend angeordnet!
Da der PCR-Test nicht validiert ist sind Kreuzreaktionen mit dem Impfstoff vorprogrammiert! Unzählige falsch positive Ergebnisse mit harten Maßnahmen, durch Kontakten mit anderen Kindern entsteht ein Dominoeffekt!“

„Kinder sollen gegen Grippe geimpft werden. Geht man auf die Seite des RKI´s findet man die Zusammensetzung der jetzigen Impfung. In dieser ist u.a. H1N1 vorhanden. H1N1 ist ein Coronavirus. Diese Impfung soll via Spray in die Nase gegeben werden. Zeitgleich werden Nasenabstriche mit PCR-Tests vollzogen. VORGESCHRIEBEN, WIE WIR WISSEN – WAS WERDEN SIE DORT FINDEN!!!!! Nun können wir eins und eins zusammenrechnen, wie sie ihre zweite Welle rechtfertigen werden… Über unsere Kinder…
Wenn Ihr Möglichkeiten habt, dies an Redaktionen, Vereine, Menschen mit Einfluss weiterleiten zu könenn – MACHT DIES!!!!! DRINGEND!!!!“

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Grippeimpfung zur Vorbeugung

Kinderärzte haben aufgerufen, auch Kinder gegen Grippe zu impfen. Dabei handelt es sich um Vorbeugungsmaßnahmen.

Arne Simon, Kinderarzt am Uni-Klinikum des Saarlandes sowie zweiter Vorsitzender der Deutschen Gesellschaft für Pädiatrische Infektiologie, erklärt: „Wir wissen seit längerem, dass Kinder maßgeblich daran beteiligt sind, das Grippevirus zu übertragen. Eine größere Grippewelle und die Pandemie kann das Gesundheitssystem nur schwer verkraften.“

Die WHO empfiehlt die Grippeimpfung für Kinder ab sechs Monaten – USA und auch Skandinavien handeln bereits nach dieser Empfehlung. Hingegen rät die deutsche Ständige Impfkommission (StiKo), nur Kinder mit Grund- oder Vorerkrankungen regelmäßig gegen die Grippe zu impfen.

Die Grippeimpfung bei Kindern erfolgt entweder durch das Spritzen der halben Erwachsenendosis eines Totimpfstoffs oder per Nasenspray.

Laut Arne Simon ist die Grippeimpfung sehr gut verträglich. Nur wenige Geimpfte weisen leichte Erkältungssymptome auf. Er erklärt weiters, dass auch kein Mediziner deshalb einen Corona-Test durchführen würde. Vor allem, wenn dieser über die vorhergehende Impfung Bescheid weiß.
Die Testkriterien des Robert Koch-Instituts sieht ebenfalls keinen Corona-Test nach einer Grippeimpfung vor.

Corona-Test reagiert nicht auf Grippeerreger H1N1

H1N1 ist übrigens kein Corona-, sondern ein Influenzavirus. Wird ein Corona-Test durchgeführt, reagiert dieser nicht auf Grippeerreger wie H1N1, erklärt Matthias Stoll, Immunologe an der Medizinischen Hochschule Hannover.

Diese beiden Erregergruppen sind unterschiedlich aufgebaut und besitzen ein spezifisches Genom. Bei einem Corona-Test (PCR) werden mittels „Primer“ nach Gensequenzen gesucht, die sich ausschließlich in SARS-CoV-2-Viren finden, aber eben nicht in Influenzaviren. Durch die Primer werden diese angezeigt.

Fazit

Die Grippeimpfung bei Kindern nimmt keinen Einfluss auf eine „2. Corona-Welle“. Sie gilt lediglich als Vorsichtsmaßnahme, um das Gesundheitssystem vor einer starken Grippewelle neben der Corona-Pandemie zu bewahren und somit nicht zu überlasten.

Corona-Tests reagieren außerdem nicht auf Grippeerreger wie H1N1, das ein Influenzavirus ist und sich deutlich von SARS-CoV-2-Viren unterscheidet.

Quelle: dpa
Artikelbild: Screenshot Facebook

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