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Kunstschnee – Frau Holle wird zum Terminator

Von | 24. Oktober 2019, 12:06

Mit großen Schritten nähern sich der Winter und die Skisaison mitsamt Hüttengaudi, Kunstschnee und tollem Panoramaausblick.

Der fade Beigeschmack: Die Kälte und der Schnee wollen die letzten Jahre nicht recht dem Ruf der Wirte der Wintersportorte folgen und es kommt nicht selten vor, dass die Eröffnung der Saison bei saftigen Plusgraden stattfindet und die Hänge in sattem Grün erstrahlen. Und eben Kunstschnee.

Die verzweifelten Pistenbetreiber greifen deshalb in den letzten Jahren vermehrt zu Kunstschnee um der bestehenden dünnen Schneedecke unter die Arme zu greifen bzw. um grüne Landstriche in eine Winterlandschaft zu verwandeln.

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Im beliebten Wintersportort Schladming in Österreich werden jedes Jahr rund 2,5 Millionen Kubikmeter Kunstschnee aus Hunderten Schneelanzen und Schneekanonen rund um die Pisten verteilt. Neben dem enormen Wasserverbrauch liegen die dafür aufgewandten Kosten bei zwei bis drei Euro pro Kubikmeter, was Gesamtkosten in Höhe von 5 bis 7,5 Millionen Euro ausmacht, je nachdem wie stark die Temperaturen ansteigen oder fallen.

Die künstliche Beschneiung folgt einem strikten Ablauf, vor allem zu den Weihnachtsferien muss bis zu 90% der Pisten voll beschneit werden. Da sich die Kälteperioden immer stärker auf die Zeit nach Weihnachten verschieben, sind die Kosten für die Betreiber enorm.

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Dies erklärt auch die kontinuierliche Preiserhöhung der Liftkarten jedes Jahr. Wer sich über das immer teuer werdende Maß am Oktoberfest ärgert, muss für Liftkarten eine dicke Haut und ein gutes Finanzpolster mitbringen.

Dem Lauf der Natur wird auf diese Weise mit Kunstschnee verstärkt nachgeholfen. Allerdings birgt der enorme Kostenfaktor auch Risiken. Viele Wintergebiete sind darauf ausgelegt, das Maximum an Belegung aus den Wintergebieten herauszupressen, um lukrativ zu arbeiten. Dabei wird verstärkt auf ausländische Touristen gesetzt, während viele Einheimische unter der Touristenlast stöhnen.

Auch die Umwelt ist durch den Skisport massiv belastet.

Ein richtungsweisendes Urteil des Landesverwaltungsgerichts Tirol hat ergeben, dass es durchaus zulässig ist, Kunstschnee mit Zusatzstoffen zu versehen, um den Schnee haltbarer zu machen.

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Die dafür verwendeten Bakterienzusätze verhindern das schnelle Abtauen des Schnees und vereinfachen so das künstliche Beschneien der Pisten.
Obwohl das Urteil von diversen Seiten; Tourismusverband, örtliche Skiliftbetreiber und Touristen kritisch gesehen wurde, ergibt sich daraus die Notwendigkeit und Verantwortung des einzelnen Skitouristen, in Zukunft genau hinzusehen, ob ein Gebiet mittels „natürlichem“ Kunstschnee, also aus Luft und Wasser oder aus „chemischen“ Kunstschnee beschneit wurde.

Neben der Kunstschnee-Problematik ist die massive Auslastung der Skigebiete auch eine Gefahr für die in den Schneegebieten befindliche Natur.
Wird auf einem Berghang eine Piste errichtet, bedeutet dies Rodungen des darauf befindlichen Waldes, Entfernung aller Wurzeln, um eine gerade Strecke zu errichten, Sprengung und Entfernung aller Felsen und Vertreibung aller dort lebenden Tiere.

Neben den Pisten selbst muss auch der Platz für Parkplätze, Hotels und Liftanlagen geschaffen werden, die außerhalb der Skisaison keine Verwendung finden.

Problematisch ist, dass die auf Berghängen befindlichen Bäume als Lawinenfang fungieren und auch als natürliche Ableitung für Tauwasser dienen, welches sich bei der Schneeschmelze bildet.

Problematisch ist auch die massive Verwendung der oben erwähnten Schneekanonen, da diese ihr Wasser aus den umliegenden Süßwasserquellen, wie Flüssen und Seen beziehen, die sie bis zu 70% austrocknen und die Artenvielfalt gefährden.

Neben der direkten Auswirkung auf die Natur vor Ort ist auch der ökologische Fußabdruck der Wintertouristen enorm. Die Schneekanonen und Beleuchtungen verbrauchen eine riesige Menge Energie, die Anfahrt der Touristen oft nur für wenige Tage ist ebenfalls ein Klimakiller.

Fest steht, dass Skifahren für die betroffenen Gebiete ein heiß umkämpftes Wirtschaftsfeld ist, für das jedes Jahr höhere Gewinnaussichten gestellt werden.

Ob die Natur auf die Dauer die Belastung durch die Wintertouristen und die damit einhergehenden künstlichen Veränderungen der Umwelt mitmachen wird, kann nur die Zukunft beantworten.

Kritisch zu hinterfragen, ist in jedem Falle der Trend, dass die Wintersportorte jedes Jahr versuchen früher zu öffnen, das Maximum an Gewinn aus den betroffenen Gebieten zu pressen und ob das erwähnte Urteil des Landesverwaltungsgerichtes Tirol Tür und Tore für umwelttechnisch fragliche Methoden der Winterverlängerung geöffnet hat.

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Verweise:

Autor: Alexander Herberstein, Artikelbild von al7 / Shutterstock.com
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