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Faktencheck: Darf Glyphosat legal in deutsches Bier?

Kathrin Helmreich, 22. Oktober 2018
Darf Glyphosat legal in deutsches Bier?
Darf Glyphosat legal in deutsches Bier?

Nanu – da ist er wieder, der Berliner Express und Nutzer fragen uns, ob man wirklich Glyphosat ins Bier mischt.

Mit dem Titel „Reinheitsgebot geändert: Glyphosat darf legal ins deutsche Bier“ erhalten wir erneut Anfragen zu einem der Artikel des Berliner Express.

Denn bislang durfte man Bier nur aus Hopfen, Malz, Hefe und Wasser herstellen – doch nun wurde auch Glyphosat in die Liste aufgenommen. Mit Interview und allem drum und dran, macht der Artikel doch einen recht glaubwürdigen Eindruck.

Wäre die Tatsache nicht, dass es sich um den Berliner Express handelt. Wie, ihr kennt den Berliner Express noch nicht?

Dann gut zuhören: Es handelt sich um ein Satire-Blatt!
*Siehe unter „Über uns

Wie Kollege Ralf vor kurzem bereits sagte, muss man einfach mal genauer hinschauen.

Schon des Öfteren berichteten wir über die Inhalte des Berliner Express. Zum Beispiel über die Zwangssterilisation von RechtsextremenVerkaufsverbot für Alkohol im Ramadan, einen Erstschlag gegen Russland und der Kapitulation des Papstes vor dem Islam.

Faktencheck bei unbekannten Inhalten

Was man bei unbekannten Inhalten, bzw. Webseiten immer machen sollte: Schaue dir an, wer dort schreibt, warum dort ein Inhalt steht und warum dort wie geschrieben wurde. Im Falle vom „Berliner-Express” ist das recht einfach. Das wichtigste ist lediglich, dass man überhaupt auf die Idee kommt, einen Faktencheck durchzuführen.

Die überspitzte Darstellung eines Inhaltes unter Auslassung von weiterführenden Erklärungen sollte ein erstes Alarmsignal sein. Viel Meinung, wenig Inhalt, eine kaum belastbare Quelle, wenn überhaupt vorhanden, sowie stark verkürzte und nahezu auf Schlagzeilen komprimierte Darstellungen sollten dazu führen, dass man zumindest mal schaut, was es mit einem Text auf sich hat.

Hier ist Satire Programm!

Schaue in das Impressum einer Webseite oder eines Blogs. Hast Du es mit transparenten und seriösen Angaben zu tun oder eher einer wahllosen und nicht nachvollziehbaren Adressangabe eines Postfaches in Mittelamerika? Oder ist vielleicht sogar gar kein Impressum vorhanden? Nicht vorhandene Ansprechpartner sind eher kritisch einzuordnen. Ist ein „About me / Über uns” vorhanden? Diese Angaben sind oftmals sehr hilfreich. Und das ist bei dem Angebot der Webseite „Berliner-Express” der Fall, es gibt einen Teil, der sie selbst beschreibt.

Hier erfährt man, dass es sich bei der Webseite um ein Satireangebot handelt, welches sich nach eigenen Angaben neben dem Postillon und der Tagespresse etablieren will. Ferner haben die Betreiber, analog der Kürzel von presseagenturen wie (dpa), ihr eigenes Kürzel geschaffen, mit dem die Artikel eingeleitet werden. Es handelt sich in diesem Falle um das Kürzel (fna), welches für „Fake News Agency“ steht.

Lediglich das Impressum der Webseite gestaltet sich ein wenig intransparent, hier dürfte ein wenig Nachbesserung notwendig sein, denn die Portale, mit denen der Vergleich gezogen wird (also Postillon und Tagespresse), habe ein durchweg transparentes Impressum.

Problemfall Satire bei Mimikama

Prinzipiell greift Mimikama keine Satire auf, um auf Satire hinzuweisen. Bei Satire handelt es sich übrigens auch nicht um eine Form der Fake-News, sondern Satire ist eben eine Satire und auch als solche zu konsumieren. Wir behandeln Satireseiten zumeist dann, wenn die Quelle nicht deutlich als Satire erkennbar ist, sie eine Scheinsatire betreibt oder es sich, so wie hier, um eine junge und noch kaum bekannte Webseite handelt.

MERKE: Berliner Express = Satire

Oft passiert es, dass Leser/innen nur beim so genannten “Teaser” (Facebookvorschau) hängenbleiben und den Inhalt oft gar nicht selbst auf seinen Charakter prüfen.

Dabei kann es sehr einfach sein, einer Satire nicht auf den Leim zu gehen.

Welche Fragen sollte man sich als Leser/in stellen?

  • Wer schreibt? (Impressum)
  • Welchen Charakter hat die Webseite?
  • Welcher Gattung gehört der vorliegende Text an? (entsprechende Anmerkung über dem Inhalt oder unter dem Inhalt vorhanden?)

Darauf basierend knüpfen dann die klassischen Prüfpunkte an (falls überhaupt noch notwendig):

  • Inhaltlicher Gegencheck –> Suchmaschinen nutzen
  • Bildercheck –> Rückwärtssuche

Auch wenn es ein bisschen mehr Arbeit bedeutet, als schier eine Überschrift zu lesen, lohnt es sich am Ende! Allein schon, weil man seine Nerven schonen kann, die eine Empörung in Wallung bringt. Im Notfall Ruhe bewahren! Wer hinter die Kulissen blickt, entdeckt, dass man sich oft gar nicht so sehr in etwas reinzusteigern braucht.

 


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