Faktencheck zu: „Wusstest du, dass eine Unterschrift in einem geschlossenen Rechteck rechtlich eine Generalvollmacht darstellt, die du erteilst?“

Andre Wolf, 24. Januar 2019
Artikelbild: Shutterstock / Collage Mimikama / Luis Molinero
Artikelbild: Shutterstock / Collage Mimikama / Luis Molinero

Da ist sie wieder, die alte Theorie, dass eine Unterschrift in einem geschlossenen Rechteck rechtlich eine Generalvollmacht darstelle.

Sie sei ohne Bezug auf den sie umgebenen Text wirksam, man könne sie einfach kopieren und auch anderweitig verwenden. Um diesem vermeintlichen Missbrauch entgegen zu wirken, solle man die zwei sich diagonal gegenüber liegenden Ecken mit zwei kleinen Strichen durchkreuzen.

Genauer gesagt geht es um die Theorie, dass ein Vertrag geschachtelt werden könne, wenn man in einen viereckigen Vertrag ein weiteres Viereck einfügt. Also ein unabhängiger Vertrag innerhalb eines Vertrages.

Foto Mimikama.at
Foto Mimikama.at

Das würde dann bedeuten, dass man Unterschriften innerhalb eines Vierecks unterlassen sollte, da diese Unterschrift als Blankovollmacht für alles mögliche genutzt werden kann, sie aber nicht für den übergeordneten Vertrag gilt. Die zugrunde liegende Behauptung im Klartext:

Handelsrecht

1. Jeder Vertrag MUSS 4. Ecken haben
2. Ein Rechteck im 4. Ecken Vertrag gilt als extra Vertrag
3. Leistet man wie im unten stehenden Foto eine Unterschrift in dem
eingekasteten Rechteck gilt das als BLANKOVOLLMACHT welche mit
dem ursprünglichen Vertrag nichts zu tun hat und für jeden anderen
Vertrag im System in eurem Namen geschlossen wird.
Vorsicht!!!
4. Wenn Ihr einen ROTEN EU Reisepass beantragen müsst weil Ihr
beruflich viel verreisen müsst könnt Ihr die Blankovollmacht mit
2. Quer-Strichen siehe Foto ungültig machen.

Frage: Wer kann mir eine Buchempfehlung aussprechen wo ich noch mehr über UCC und Handelsverträge, Positionen der Unterschrift (links, rechts, mitte), etc…. erlernen kann?

Eine Kreditkarte besteht aus 4 Ecken, schneidet man eine Ecke ab wird daraus ein 5-Eck = Verträge werden ungültig.

 

Wir berichten nicht zum ersten Mal über diesen Unsinn, der in Richtung geheime Eliten, ungültige Staaten und Gesetze zielt. Daher hier nochmals:

Nervende und störende Kinkerlitzchen

Es handelt sich hierbei um eine klassische Taktik: die Verwerfung aller geltenden Regeln, da diese keine Legitimation hätten. Es geht erneut darum, pseudojuristische Unruhe zu stiften, sich selbst aus irgendwelchen (legitimen!) Verbindlichkeiten zu ziehen und am Ende mal wieder Staat und Verfassung anzuzweifeln. Es ist schlichtweg die Ablehnung der staatlichen Ordnung.

Die ganze Geschichte erinnert ein wenig an die angebliche Legitimation, Kfz-Kennzeichen auf dem Kopf herum anbringen zu dürfen, weil nicht explizit erwähnt wird, wie herum diese anzubringen seien.

Herkunft der Theorie

Doch wie kommt man nun darauf, die Umrahmung zu streichen oder gar an Kreditkarten herumzuschnippeln? Eine Erklärung dafür lässt sich aus der schwachen Übersetzung und dem schlechten Verständnis von US-Gesetzen mit einer Prise Geschwurbel herleiten.

Aber langsam: Es gibt in den USA ein sogenanntes „Four Courners Law”. Diese Gesetzesregelung besagt einfach nur, dass bei jedwedem Schriftstück, welches einer Unterschrift bedarf, nur das gelten darf, was „innerhalb der vier Ecken des Vertrages“ steht. Also einzig und allein das, was schriftlich festgehalten ist. Es geht darum, dass mündliche Absprachen, die nicht im Vertrag festgehalten sind und somit schwer oder nur durch Zeugen nachvollziehbar sind, nicht rechtlich durchsetzbar sind.

Doch nun kommt der Schwurbelfaktor hinzu und nimmt die vier Ecken (also das Blatt Papier) wörtlich und bastelt eigene Theorien dazu, z.B. jene Unterschrift im Rechteck oder das Abschneiden einer Ecke des Personalausweises, um ihn fünfeckig und somit ungültig zu machen.

Und nun?

Ja nix. Alles bleibt, wie es ist. Unterschriften gelten exakt für die Verträge, unter denen man sie leistet. Diese sind natürlich nicht übertragbar, nur weil sich grafisch ein Rechteck um die Unterschrift befindet. Erst recht dann nicht, wenn dies nicht deutlich erwähnt ist.

Also nicht beunruhigen lassen, es handelt sich hierbei um eine klassische Methode, Unruhe und Chaos zu stiften und Misstrauen gegenüber klassischen Verbindlichkeiten und Ordnungen zu schüren.

Vergleiche hierzu auch:
Unterschrift unter den Vertrag

Artikelbild: Shutterstock / Collage Mimikama / Luis Molinero


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