Bitte überweise mir das Geld an „DeineMudda-Bank”

Andre Wolf, 4. Juni 2018

Wer kennt sie nicht? Kreditangebote auf Facebook! Doch was passiert, wenn man auf diese Angebote eingeht? Eine kleine Geschichte:

Schon vom ersten Moment an war mir klar: mit dem Account „Elisabeth Badinter” gönnst du dir so richtig Spaß. Ja also nicht so einen Spaß, wie man es manch hechelnder Facebooknutzer hofft, wenn irgendeine junge Dame eine Kontaktanfrage stellt, sondern  eher so Spaß, indem ich den Account vorführe und mir selbst dabei genugtue.

Es war ebenso schon im ersten Moment klar, dass Elisabeth Badinter ein Kreditspammer sein muss und daher haben wir im kleinen „Redaktionschat” am letzten Sonntag direkt Frau Badinter (oder wer auch immer hinter diesem Profil steckt) thematisiert und uns einfach mal in Lauerstellung gelegt.

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Es dauerte auch nur wenige Stunden, ja sogar noch am selben Tag stellte sich mit Frau Badinter als Direktor einer Finanzagentur vor und bot mir einen Kredit an. Und damit beginnt eine wunderbare kleine Geschichte über Rückenlehnen, Deine Mudda, einen Teppich, den ich nicht kaufen will und deem Verbot für WhatsApp wegen der DSGVO.

Der Schriftverlauf

Um es nochmals vorweg zu sagen: hinter dem Profil Elisabeth Badinter steckt natürlich ein sogenannter Scammer. Bei einem Scam handelt es sich um einen Vorschussbetrug. Methoden wie diese gibt es nicht erst seit gestern. Die Personen, die einen Vorschussbetrug betreiben, wissen genau, was sie tun! Die Opfer wiederum begehen zudem meist den Fehler, dass sie aus falscher Scham verschweigen, wenn sie abgezockt wurden und das nicht zur Anzeige bringen.

Der Scam, den wir hier genauer vorstellen, nennt sich Kredit-Spam und findet sehr häufig auf Facebook statt.

Hallo, mein Name ist Élisabeth Badinter. Ich bin der Direktor einer Kreditagentur (Vitale Finance) hier in Frankreich und wir bieten kurz- und langfristige Kredite an. Wären Sie an einem Kredit interessiert?

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Tatsächlich, ich habe nicht nur eine, sondern direkt vier E-Mails bekommen. Diese Mails sind inhaltlich identisch und sollen eine Art Kreditangebot darstellen. Ultraseriös …. unsere französische Bankdirektorin schreibt mitten in der Nacht unter dem Namen Michaella Stecy Mails mit Betreffzeilen in verschiedenen Sprachen.

Ich muss zugeben, dass ich an dieser Stelle etwas enttäuscht war, denn diese Scammer geben sich echt wenig Mühe.

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Aber wir wollen ja unsere Kreditscammer nicht enttäuschen und heucheln ein wenig Interesse. Aus der Enttäuschung über die Qualität des Scams habe ich dann einfach eine Tugend gemacht und getestet, wie weit man gehen kann, bis ein Scammer den Schriftverkehr von sich aus beendet.

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Auf die Antwort folgte dann im Chat ein Hinweis, dass eine weitere E-Mail ankommen wird. Diese E-Mail hat mich dann endgültig davon überzeugt, ab jetzt nur noch wirres Zeug zu antworten. Nur mal so: ich habe NICHT damit angefangen!

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Wer sich jetzt fragt, was ich mit einer „Rückenlehne” meine, dem muss ich antworten, dass ich es selbst nicht so genau weiß. Doch es ging auf einmal um irgendeine Rückenlehne, die konstituiert werden sollte:

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Und wenn man schon eine Rückenlehne (für was auch immer) konstituiert, dann sollte man das auch wirklich richtig machen. Unterschrieben von deiner Mudda muss so ein Ausweis ja echt sein!

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Nun gut, es kam, wie es kommen musste: Irgendwann zeigte sich das wahre Gesicht des Chatverlaufes. Irgendwann musste ja endlich die Bitte um den Vorschuss auf den Tisch kommen.

Hier beginnt übrigens das eigentliche Spiel. Der Scammer benötigt einen Vorschuss, damit ich mein Geld bekommen könne. Das haben alle Arten von Scam gleich, dass ab einem bestimmten Moment im Verlaufe der Kommunikation die Bitte um eine Zahlung für eine spätere Leistung gefordert wird.

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Leider habe ich den Vertrag bisher noch nicht erhalten. War der Feiertag und das lannge Wochenende die Ursache? Haben die Scammer mittlerweile genug Geld gemacht und sind in Pension gegangen? Oder sind es gar jene Scammer, die am 27. Mai festgenommen wurden? Man weiß es nicht!

Watchlist Internet sagt: Kein Ende in Sicht!

Wer einmal gezahlt hat, wird weiter bedrängt. Die Kriminellen fordern solange Geldzahlungen, bis ihr Gegenüber erkennt, dass es dafür keine Gegenleistung gibt. Ab diesem Moment tauchen sie unter und sind nicht mehr für ihr Opfer erreichbar. Was bleibt ist verlorenes Geld. Erschwerend kommt hinzu, dass die Täter/innen über persönliche Informationen ihres Opfers verfügen. Sie können diese für Verbrechen unter fremdem Namen nützen.

Scamming grafisch erklärt


Woran Sie Scamming erkennen können.

Was tun Sie im Schadensfall?

Sollten Sie an Scammer/innen geraten sein, brechen Sie umgehend jeden Kontakt mit den Täter/innen ab. Erstatten Sie Strafanzeige bei der Polizei und besprechen mit ihr das Vorgehen, das notwendig ist, damit Sie keinen weiteren Schaden erleiden. Überprüfen Sie in regelmäßigen Abständen – zum Beispiel mithilfe einer Suchmaschine – ob Ihre Daten im Internet veröffentlicht wurden. Ist das der Fall, schreiben Sie die Webseitenbetreiber/innen an und ersuchen um Löschung der Einträge.

Das Scamming oder den Vorschussbetrug erkennen Sie daran, dass sich Unbekannte bei Ihnen melden, von Ihnen die Bekanntgabe persönlicher Daten fordern und unter Vorspiegelung falscher Tatsachen Geldüberweisungen ins Ausland verlangen.

Weiterführende Links:


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