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Nicht belegt: Gefälschte Totenscheine zugunsten COVID-19

Claudia Spiess, 23. Februar 2021
Nicht belegt: Gefälschte Totenscheine zugunsten COVID-19?
Artikelbild: Shutterstock / Von chaiyawat chaidet

Das Gerücht, dass auf Totenscheinen COVID-19 als falsche Todesursache angeführt wird, hält sich seit Monaten hartnäckig und wird immer wieder neu angeheizt.

COVID-19 als Todesursache auf Totenscheinen. – Auch, wenn die Todesursache angeblich eine andere war.

Immer wieder erhalten wir Anfragen zu dieser Thematik. Sei es durch ein Posting auf Facebook oder Inhalte in Blogs, das Thema taucht seit Beginn der Corona-Pandemie immer wieder in unserem Posteingang auf.

Immer wieder ist die Rede von Fällen, in denen Personen mit einem oder mehreren negativen Corona-Tests im Totenschein dann als Corona-Toter geführt werden.

Warum? Was soll das bringen?

Für eine solche Vorgehensweise muss es doch Gründe geben. Die Frage nach dem Warum wird immer wieder auf ähnliche Art und Weise beantwortet.

Einerseits sollen mit einer gewissen Anzahl an COVID-19-Toten die allgemeinen Corona-Zahlen und dadurch resultierenden Maßnahmen begründet. Hier wird also unterstellt, dass Ärzte, welche die Totenscheine manipulieren, die Regierung unterstützt oder sich zumindest bei der Pharmalobby einschmeicheln möchte.

Andererseits wird hier ebenfalls die Behauptung in den Raum gestellt, dass Ärzte, Kliniken und auch Bestatter an Corona-Toten mitverdienen würden. So gäbe es beispielsweise Provisionen. – Klingt nach makaber-schaurigem Wettbewerb!

Keine Provisionen für Ärzte und Kliniken

Ärzte können nicht einfach wahllos irgendwelche Todesursachen in Totenscheine eintragen. Sie müssen sich an die „Regeln zur Durchführung der ärztlichen Leichenschau“ halten.
Auch für die Gebühren gibt es Vorgaben. Diese sind durch die amtliche Gebührenordnung für Ärzte (GOÄ) geregelt. – Wir berichteten.

Ärzte und Kliniken können sich also nicht an COVID-19 Todesfällen bereichern, wie die Deutsche Krankenhausgesellschaft e.V. auch auf Facebook veröffentlichte.

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Fälle, in denen COVID-19 im Totenschein als Todesursache angeführt wird, die Patienten davor jedoch negativ getestet wurden, können durchaus auftreten. Eine Corona-Infektion kann nämlich auch klinisch diagnostiziert werden. Das ist dann der Fall, wenn typische Veränderungen in der Lunge, die durch das Coronavirus hervorgerufen werden, erkannt werden. – Wir berichteten über einen solchen Fall.

Für Bestatter fallen bei Corona-Toten übrigens Mehrkosten an, da hier besondere Infektionsschutzmaßnahmen getroffen werden müssen, wie Stephan Neuser, Generalsekretär des Bundesverbandes Deutscher Bestatter, gegenüber dem BR24 #Faktenfuchs erklärte.

Keine Übersterblichkeit durch Corona?

Mit der Aussage, dass durch Corona keine Übersterblichkeit zu beklagen wäre, sollen derartige Theorien noch untermauert werden. Hier wurde der Statistiker Göran Kauermann von der LMU München zitiert, wie er gegenüber dem „Focus Online“ sagte, „Wir haben bei der Auswertung der Todeszahlen der Vorjahre im Vergleich zum letzten Jahre gesehen, dass es über das ganze Jahr hinweg betrachtet durchschnittlich in ganz Deutschland kaum eine nennenswerte Übersterblichkeit gab.“

Er betonte jedoch auch, dass dies keinesfalls falsch interpretiert oder als „Argument zur Verharmlosung von Corona genutzt werden“ darf. Denn sieht man sich die Zahlen genauer an, unterscheiden sich diese zwischen den unterschiedlichen Bundesländern, der Jahreszeit und auch den Altersklassen. So konnte man beispielsweise in der Altersklasse der über 80-Jährigen „eine deutliche Übersterblichkeit zum Ende des letztes Jahres hin“, wie Kauermann festhält.

Fazit

Keine der Behauptungen, die mit dem angeblichen Fälschen von Totenscheinen einhergehen, ließ sich bisher belegen.

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Quelle: dpa / BR #Faktenfuchs

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