Aktuelles

Gefälschte Produkte und raubkopierte Inhalte

Junge Deutsche kaufen mehr gefälschte Produkte und greifen nach wie vor auf raubkopierte Inhalte zu

Tom Wannenmacher, 8. Juni 2022
  • Mehr als die Hälfte (52 %) der Bürgerinnen und Bürger der EU im Alter zwischen 15 und 24 Jahren gab an, im letzten Jahr mindestens ein gefälschtes Produkt wissentlich oder versehentlich über das Internet gekauft zu haben. Zudem gab ein Drittel (33 %) an, digitale Inhalte aus illegalen Quellen abgerufen zu haben.
  • Von denjenigen, die dies wissentlich taten, kauften 37 % ein gefälschtes Produkt und 21 % griffen auf Inhalte aus illegalen Quellen zu (Nutzen, Spielen, Herunterladen oder Streamen).
  • In Deutschland kauften 39 % der jungen Menschen wissentlich gefälschte Waren und 12 % griffen bewusst auf raubkopierte Inhalte zu. Dies ist der niedrigste Prozentsatz in der EU bei Produktpiraterie.
  • Andererseits erklärten 60 % der jungen Menschen in Europa, lieber auf digitale Inhalte aus legalen Quellen zuzugreifen, gegenüber 50 % im Jahr 2019. In Deutschland ist dieser Anteil höher und macht 69 % der jungen Menschen aus.
  • Der Preis und die Verfügbarkeit sind nach wie vor die wichtigsten Faktoren für den Kauf von Fälschungen und die Nutzung raubkopierter Inhalte, aber auch der Einfluss von Gleichaltrigen und der Gesellschaft gewinnt zunehmend an Bedeutung.
  • Cyberbedrohungen, Cyberbetrug und Umweltauswirkungen gehören zu den wichtigsten Abschreckungsfaktoren.

Die Ausgabe 2022 des Jugendbarometers zum Thema geistiges Eigentum, die heute vom Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum (EUIPO) veröffentlicht wurde, bietet einen aktuellen Überblick über das Verhalten junger Menschen im Hinblick auf Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums nach der Pandemie.

Dabei werden beide Seiten von Verletzungen von Rechten des geistigen Eigentums untersucht: die Trends beim Kauf von gefälschter Waren und der Nutzung raubkopierter Inhalte durch junge Menschen und die Beurteilung dieser Trends seit 2016.

Mehr als die Hälfte (52 %) der befragten jungen Menschen hatte im vergangenen Jahr bewusst oder versehentlich mindestens ein gefälschtes Produkt über das Internet gekauft, und ein Drittel (33 %) hatte auf illegale Online-Inhalte zugegriffen.

Infografiken zur Ausgabe 2022 des Jugendbarometers zum Thema geistiges Eigentum des EUIPO 
Bildrechte: EUIPO - Amt der Europäischen Uni 
Fotograf: EUIPO - Amt der Europäischen Uni
Infografiken zur Ausgabe 2022 des Jugendbarometers zum Thema geistiges Eigentum des EUIPO
Bildrechte: EUIPO – Amt der Europäischen Uni
Fotograf: EUIPO – Amt der Europäischen Uni

Kauf von gefälschter Waren

Mit der neuen Erhebung, die den Kontext nach der Pandemie widerspiegelt, wurde bestätigt, dass 37 % der jungen Menschen bewusst eine oder mehrere nachgeahmte Produkte gekauft hatten. Dies stellt einen deutlichen Anstieg gegenüber den vorherigen Ergebnissen dar (14 % im Jahr 2019). Die Zahlen unterscheiden sich merklich von Land zu Land, wobei der höchste Anteil in Griechenland (62 %) und der niedrigste in Tschechien (24 %) zu verzeichnen ist.

Bei den gefälschten Produkten, die junge Menschen am häufigsten wissentlich kaufen, handelt es sich um Kleidung und Accessoires (17 %), gefolgt von Schuhen (14 %) elektronischen Geräten (13 %) und Hygieneartikeln, Kosmetika, Körperpflegemitteln und Duftstoffen (12 %).

Junge Menschen werden jedoch auch durch Irreführung zum Kauf von nachgeahmte Waren verleitet: Der unbeabsichtigte Kauf von Fälschungen liegt ebenfalls bei 37 % ([1]). In diesem Zusammenhang räumten die Befragten ein, dass es schwierig sei, echte von gefälschten Waren zu unterscheiden. 48 % hatten solche Produkte nicht gekauft, oder sie waren unsicher, ob sie es getan hatten.

Online-Piraterie

Was digitale Inhalte betrifft, so gewinnt der Zugriff auf legale Quellen unter den jüngeren Generationen zunehmend an Bedeutung. 60 % gaben an, im vergangenen Jahr keine Inhalte aus illegalen Quellen genutzt, gespielt, heruntergeladen oder gestreamt zu haben; 2019 waren es 51 % und 2016 40 %, was den Trend bestätigt.

Dennoch bleibt die vorsätzliche Nutzung raubkopierter Inhalte stabil: 21 % der jungen Verbraucher (jeder Fünfte) geben zu, in den letzten 12 Monaten wissentlich auf raubkopierte Inhalte zugegriffen zu haben. Ein erheblicher Teil der jungen Menschen wurde durch Irreführung zum Zugriff auf raubkopierte Inhalte verleitet. 12 % griffen versehentlich auf raubkopierte Inhalte zu, und 7 % wissen nicht, ob sie dies getan haben. Bei den raubkopierten Inhalten handelt es sich hauptsächlich um Filme (61 %) und Serien (52 %), gefolgt von Musik (36 %). Genutzt wurden vor allem spezielle Websites, Apps und soziale Medien.

Christian Archambeau, Exekutivdirektor des EUIPO, kommentierte die neuen Ergebnisse wie folgt:

Diese dritte Ausgabe des Jugendbarometers zum Thema geistiges Eigentum, die während des Europäischen Jahres der Jugend veröffentlicht wurde, bestätigt die in den früheren Ausgaben aufgezeigten Trends und bietet umfassendere Einblicke in die Wahrnehmungen und Einstellungen junger Menschen. In einer Zeit, in der der elektronische Handel und der digitale Konsum erheblich zugenommen haben, ist die Zunahme des vorsätzlichen wie des unbeabsichtigten Kaufs nachgeahmter Waren ein besorgniserregender Trend. Auch die Online-Piraterie geht nicht zurück, selbst wenn junge Verbraucher zunehmend Inhalte aus legalen Quellen bevorzugen. Die vorliegende neue Analyse stellt ein wertvolles Instrument dar, das Interessenträgern, politischen Entscheidungsträgern sowie Pädagogen und Organisationen der Zivilgesellschaft bei der Gestaltung von Sensibilisierungsinitiativen hilft, um informierte Entscheidungen unserer jungen Bürger und Verbraucher zu unterstützen.

Hauptfaktoren für den Kauf von gefälschten Produkten und den Zugriff auf raubkopierte Inhalte

Zwar sind der Preis und die Verfügbarkeit nach wie vor die Hauptgründe für den absichtlichen Kauf nachgeahmter Produkte und den absichtlichen Zugriff auf raubkopierte Inhalte, doch gewinnen soziale Einflüsse wie das Verhalten von Familienangehörigen, Freunden oder Bekannten zunehmend an Bedeutung.

Ein weiterer Faktor ist Gleichgültigkeit in Bezug darauf, ob es sich bei einem Produkt um eine Fälschung (oder bei Inhalten um Material aus illegaler Quelle) handelt, wobei in der Wahrnehmung kein Unterschied zwischen originalen und gefälschten Produkten gemacht wird. Darüber hinaus ist die einfache Auffindbarkeit bzw. Bestellbarkeit von gefälschten Produkten im Internet als Ursache zu nennen. Jeder zehnte Befragte verwies auf Empfehlungen von Influencern oder berühmten Personen.

Was lässt junge Menschen zurückschrecken?

Sowohl im Hinblick auf Produkte als auch auf digitale Inhalte nannten junge Menschen ihr eigenes Cyberbetrugs- und Cyberbedrohungsrisiko als wichtige Faktoren, die sie zur Mäßigung veranlassen. Auch ein besseres Verständnis der negativen Auswirkungen auf die Umwelt oder auf die Gesellschaft wird nun von den befragten jungen Menschen häufiger genannt.

___________________________________________

([1]) Die Zahlen für 2022 ergeben in der Summe nicht 100 %, da die Befragten in jeder Produktkategorie zu irgendeinem Zeitpunkt in den letzten 12 Monaten sowohl absichtlich als auch unabsichtlich eine Nachahmung erworben haben können.

Quelle: EUIPO – Amt der Europäischen Union für geistiges Eigentum

Lesen Sie auch den Faktencheck zu: Nein, Russland nahm nicht US-Admiral Eric Olson in der Ukraine fest!


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama