Woran gefälschte und verfälschte Impfausweise erkennbar sind

Ralf Nowotny, 13. Dezember 2021

Das LKA NRW hat einige Hinweise zum Thema Impfausweise und Fälschungen zusammengestellt.

Mit dem Inkrafttreten der Änderungen des Strafgesetzbuchs und des neuen Infektionsschutzgesetzes stellt die Fälschung eines Impfausweises eine Straftat dar. Das LKA NRW stellte nun für Personen, die mit der Kontrollpflicht betraut sind, sowie für Bürgerinnen und Bürger eine Liste mit Tipps und Verhaltenshinweisen auf.

Allgemeine Hinweise

Durch die Corona-Pandemie wird der Impfpass ein immer wichtigeres Ausweisdokument, da er den Zutritt zu vielen Bereichen des öffentlichen Lebens garantiert. Kriminelle haben dieses Geschäftsmodell schnell erkannt und bieten auf unterschiedlichste Art und Weise ge- oder verfälschte Impfausweise zum Kauf an. Der Gesetzgeber hat mit den Änderungen zu den §§ 275 ff StGB reagiert und die Strafbarkeit klar geregelt. Im Folgenden gibt die Polizei Ihnen Hinweise und Verhaltenstipps, um ge- oder verfälschte Impfausweise besser erkennen zu können.

Kriminelle nutzen Daten von echten Personen Eine Vielzahl der Bürgerinnen und Bürger sind in sozialen Medien registriert und haben dort eigene Profile erstellt. Diese Profile sind oftmals für jeden einsehbar und zudem mit „Echtdaten“ versehen. Genau diese Daten werden durch Kriminelle genutzt, um Fälschungen herzustellen. Auch selbst gepostete Fotos von Impfausweisen, auf denen regelmäßig die tatsächlichen Chargennummern der Impfstoffe zu erkennen sind, werden durch die Kriminellen für deren Handlungen genutzt.

Verhaltenstipps

Veröffentlichen Sie bitte keine Bilder von Ihrem Impfausweis in den sozialen Medien. Seien Sie grundsätzlich sparsam mit der Verbreitung bzw. Veröffentlichung Ihrer privaten Daten.

Überprüfung vorgelegter Impfausweise

Das Infektionsschutzgesetz und die Corona-Schutzverordnung stellen verschiedene Zugangsmöglichkeiten zu Teilbereichen des öffentlichen Lebens unter den Vorbehalt einer Ausweispflicht mit einhergehender Kontrollpflicht (2 G/ 2 G +).

Die nachfolgenden Hinweise sollen Ihnen helfen, Verdachtsmomente zu erkennen und handlungsfähiger zu werden. Wenn einmal ein ge- oder verfälschter Impfausweis in die digitale Form übertragen ist, kann die Fälschung nicht mehr im Rahmen einer Kontrolle erkannt werden. Insbesondere Apothekerinnen und Apotheker müssen vorgelegte Impfdokumente immer genauer kontrollieren.

Impfzertifikat-Fälschungen erkennen

Impfabstände: Normalerweise beträgt der Impfabstand bei den mRNA-Imfpstoffen (z.B. von Moderna und BioNTech Pfizer) drei bis sechs Wochen, bei einem Vektor-Impfstoff (z.B. von AstraZeneca) kann der Impfabstand bis zu 12 Wochen betragen.

Die meisten gefälschten Impfpässe enthalten zwei Impfungen mit Biontech – das liegt auch daran, dass hier zu Beginn die Etiketten selbst gedruckt werden mussten.

Impfdatum: Wann wurde die erste Impfung durch wen datiert? Hausärztinnen und Hausärzte impfen erst seit Anfang April 2021. Auch im Impfzentrum können Ärztinnen und Ärzte mit ihrem Praxisstempel kennzeichnen. Es lohnt die Nachfrage, wo die Kundin oder der Kunde geimpft wurde.

Bei gefälschten Pässen sind nicht selten zwei verschiedene Ärztinnen oder Ärzte eingetragen.

Inhalt Impfpass: Bei einem ansonsten leeren Impfpass lohnt sich die Nachfrage. Handelt es sich um einen neuen Impfpass, weil der alte verloren wurde? Lag zuvor kein WHO-Pass vor (es gibt noch andere, jedoch nicht international gültige, Varianten von Impfdokumenten).

Bei Verdacht auf Fälschung sollte nachgefragt werden, ob andere Impfungen ebenfalls ergänzt werden sollen und welche Impfungen vorliegen.

Etiketten: Die Etiketten tragen mittlerweile ein Wasserzeichen und der Impfstoff von Moderna einen 2D-Code. Zu Beginn mussten die Etiketten von den Impfzentren/ Arztpraxen selbst ausgedruckt werden. Hier fällt die Überprüfung schwerer. Was auffällt: Etiketten, die nicht mittels Biontech-Anleitung ausgedruckt wurden, weisen oben und unten einen größeren Abstand vom Text zum Etikettenrand auf.

In der Apotheke könnte ein Originaletikett (Impfpass eines Mitarbeiters) kopiert werden, sodass ein Vergleichsetikett vorliegt.

Eingelegte Seite: Die Impfpässe sind geheftet („getackert“). Durch Öffnung der Klammern kann eine Originalseite eines anderen Impfpasses eingelegt werden.

Verbogene Heftnadeln oder ausgefranste Löcher können ein Indiz dafür sein, dass der Pass einmal auseinandergebaut wurde.

Entwendete Arztstempel: Zwei verschiedene Ärztinnen oder Ärzte in zwei verschiedenen Stadtteilen? Das kommt bei Fälschungen vor, denn oftmals handelt es sich um entwendete Arztstempel. Nicht selten von Praxen, die gar nicht mehr existieren.

Kann der/die Kund:in nicht plausibel erklären, weshalb zwei Mediziner:innen die Impfung durchgeführt haben, sollte man hellhörig werden. Impfpässe mit falschen Arztstempeln dürfen nicht bedient werden.

Stiftfarbe und -dicke: Ge- oder verfälschte Pässe werden meist mit unzureichenden Inhalten verkauft. Eine Arztunterschrift ist vorhanden, ein Datum nicht. Dieses muss in diesen Fällen vom Käufer nachgetragen werden.

Deshalb überprüfen Sie die Farbe und Dicke des Stiftes. Bei Abweichungen könnte die Möglichkeit der Manipulation bestehen.

Hinweise für den Verdachtsfall im Rahmen einer Kontrolle

Informieren Sie die Polizei und wählen Sie den Notruf 110. Die Strafverfolgungsbehörden werden entsprechenden Hinweisen konsequent nachgehen.

Weiterführende Informationen erhalten Sie unter den folgenden Adressen im Internet: https://lka.polizei.nrw/artikel/gefaelschte-impfpaesse-im-internet

https://www.polizei-beratung.de/startseite-und-aktionen/aktuelles/detailansicht/corona-gefaelschte-impfpaesse/

https://www.mags.nrw/pressemitteilung/faelschung-von-impfnachweisen-minister-reul-und-laumann-warnen-vor-den-konsequenzen

Zum Download die Checkliste zur Erkennung von Fälschungsmerkmalen für Apothekerinnen und Apotheker

https://www.apotheke-adhoc.de/fileadmin/user_upload/redaktion/service-downloads/Corona-Downloads/Download-Update__Impfzertifikat_Faelschung.pdf


Quelle und Text: Landeskriminalamt Nordrhein-Westfalen Völklinger Straße 49 40221 Düsseldorf, apotheke-adhoc.de
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