Faktencheck

Von Fußballfans verwüsteter Zug wird Ukraine-Flüchtlingen zugeschrieben

In einem Video, das in sozialen Medien und via WhatsApp geteilt wird, werden ukrainische Flüchtlinge für Vandalismus in einem Zug verantwortlich gemacht.

Claudia Spiess, 28. März 2022
Video zeigt verwüsteten Zug / Screenshot Facebook
Video zeigt verwüsteten Zug / Screenshot Facebook

Es ist traurigerweise beinahe wie das „Amen im Gebet“ und erinnert uns an die Flüchtlingskrise von 2015/2016. Menschen sind auf der Flucht vor Krieg in ihrer Heimat. Wäre das nicht schlimm genug, ranken sich Gerüchte darum, was sie in anderen Ländern angekommen, denn alles anstellen würden. Aus nicht nachvollziehbaren Gründen wird von einigen Individuen angenommen, dass Menschen aus anderen Ländern keinen Sinn für Benehmen oder gesellschaftsfähiges Handeln hätten. Denn warum auch sonst sollten sie einen Zug verwüsten, sodass dieser aussieht, als hätte darin ein Saufgelage stattgefunden?

Video aus dem verwüsteten Zug

Auf Social Media-Plattformen wie Facebook und Twitter, aber auch über WhatsApp wird derzeit dieses Video verbreitet. Es wurde wohl von einem Bahnangestellten aufgenommen, der bei seinem Weg durch den Zug die Aufnahmen auch kommentiert. Man sieht zahlreiche Bierflaschen, Bierkästen, verdreckte Toiletten und Schmierereien an den Wänden.
Auch tauchen Texte in einer Version des Videos auf oder Überschriften auf, die besagen, dass in diesem Zug Flüchtlinge aus der Ukraine befördert wurden.

Screenshot Facebook Video
Screenshot Facebook Video

Es ist bekannt, dass zu großen Teilen Frauen und Kinder aus der Ukraine flüchten. Dass diese sich auf dem Weg in ihre Sicherheit, oft aber auch in eine ungewisse Zukunft, mit Alkohol betäuben und dann ihren Müll überall liegen- und stehenlassen, hat man so noch nicht gehört. Und das aus einem ganz einfachen Grund: Es ist nicht wahr.

Flüchtende aus der Ukraine? Oder doch Fußballfans?

Einige einfach zu erkennende Hinweise, wer in diesem Zug unterwegs war, sind im Video zu sehen. So sieht man hier beispielsweise die Graffitis „FCA“ oder auch „LA07“. FCA steht hier für den FC Augsburg, LA07 für die Ultra-Fanvereinigung „Legio Augusta“.
Auch zu sehen ist ein Aufkleber, der einen Doppelkopfadler zeigt, der ebenfalls auf die „Legio Augusta“ hinweist. Den Adler sieht man auch auf einem Foto, das auf Instagram vom Spiel FC Augsburg gegen VfL Wolfsburg in der WWK Arena am 25. November 2017 veröffentlicht wurde: Das 10-jährige Jubiläum der Fanvereinigung.

Screenshot Instagram/joni.baier
Screenshot Instagram/joni.baier

Der im Video zu sehende Zug war in Baden-Württemberg unterwegs, er fuhr am 19. März 2022 um 12:17 von Ulm Hauptbahnhof nach Plochingen, teilte die Pressestelle des Verkehrsministeriums in Baden-Württemberg auf Nachfrage von Correctiv mit. Dieser Zug sei allerdings nicht für Flüchtende aus der Ukraine im Einsatz gewesen. Es war eine reguläre Zugverbindung.

An diesem Tag fand das Fußballspiel FC Augsburg gegen den VfB Stuttgart in der Mercedes-Benz Arena Stuttgart statt. Anpfiff war um 15:30 Uhr. Alle Hinweise deuten also auf Fußballfans hin.

Auch der Zugbetreiber Go-Ahead hat eine Richtigstellung auf Instagram zu den Vorwürfen im Video veröffentlicht:

Fazit

Das Video aus dem Zug stammt vom 19. März 2022. An diesem Tag fand ein Fußballspiel zwischen FC Augsburg und VfB Stuttgart statt.

Sämtliche Hinweise im Video wie Graffitis und Aufkleber weisen auf Fußballfans des FC Augsburg hin.

Das Video hat nichts mit Flüchtenden aus der Ukraine zu tun. Laut Zugbetreiber Go-Ahead aus Baden Württemberg wurde „zweifelsfrei dokumentiert“, dass Fußballfans für die Verunreinigung und den Vandalismus im Zug verantwortlich waren.

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Quelle: br.de, Correctiv


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