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Frankreich: Supermärkte müssen Lebensmittel spenden (Faktencheck)

Kathrin Helmreich, 27. Januar 2020
Frankreich: Supermärkte müssen Lebensmittel spenden (Faktencheck)
Frankreich: Supermärkte müssen Lebensmittel spenden (Faktencheck)

Frankreichs Supermärkte müssen nicht verkaufte Lebensmittel spenden? Das behauptet zumindest ein Sharepic und liegt damit fast richtig.

Wir erhielten Anfragen zu einem Sharepic, das behauptet, Frankreich wäre das erste Land, dass alle Supermärkte dazu verpflichtet hätte, ihr nicht verkauftes Essen an Bedürftige zu spenden.

Es sieht wie folgt aus:

Screenshot by mimikama.at
Screenshot by mimikama.at

Frankreich ist das erste Land, dass alle Supermärkte dazu verpflichtet, ihr nicht verkauftes Essen an Bedürftige zu verschenken. Teile das, wenn du denkst, der Rest der Welt sollte es ebenfalls so machen.

Der Faktencheck

Nun ja, das ist (fast) richtig. Zudem hatten wir das Thema schon früher auf dem Tisch. (wir berichteten)

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Man darf uns hierbei ruhig vorwerfen, dass wir kleinlich sind, jedoch stimmt es nicht, dass alle Supermärkte dazu verpflichtet sind. Lediglich Supermärkte mit mindestens 400 Quadratmeter Ladenfläche müssen alle unverkauften, aber noch essbaren Lebensmittel an Hilfsorganisationen verschenken, wie u.a. T-Online berichtet. Kleine Filialen und „Tante Emma-Läden“ sind also von dieser Regelung nicht betroffen.

Ist das neu?

Nein. Bereits 2015 berichteten wir über jenes Gesetz. Zum damaligen Zeitpunkt war es allerdings noch ein Gesetzesentwurf, der wegen eines Verfahrensfehlers scheiterte, erst im Februar 2016 trat das Gesetz in Kraft.

Bringt es denn was?

Die Seite „npr.org“ hat sich die Auswirkungen nach knapp zwei Jahren im Februar 2018 genauer betrachtet. So wird beschrieben, dass in ganz Frankreich etwa 5.000 Tafeln und Hilfsorganisationen auf Essenspenden angewiesen sind, etwa die Hälfte davon kommen mittlerweile von Supermärkten.

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Das neue Gesetz habe sowohl die Quantität als auch die Qualität der gespendeten Lebensmittel erhöht, sehr viel mehr Nahrung ist noch weit vom Ablaufdatum entfernt.

„Teile das, wenn…“

Es wäre alles so schön und gut gewesen, wenn die obige Aussage einfach so auf dem Bild stehen würde. Leider aber haben wir hier auch wieder einen typischen Fall von emotionaler Erpressung. Wem die Tatsache der Lebensmittelspenden gefällt, wird es ohnehin liken und eventuell teilen. Warum nur muss immer auf Bildern dazu aufgefordert werden? Würde es denn an den Praktiken hierzulande irgendwas ändern, wenn man das Bild oft genug teilt?

Nein, eben nicht. Keine Regierung denkt sich „Oh… das Bild ist aber oft geteilt worden! Da müssen wir mal was tun!“. Da helfen Petitionen oder direkte Schreiben an Landtags- und Bundestags-Abgeordnete, aber kein Bild auf Facebook.

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Insofern halten wir diese sich ständig wiederholende Teilen-Aufforderung für kontraproduktiv. Alleine schon, weil es sehr viele Fake-Bilder oder echte Bilder mit falschen Texten gibt, die da mit „Teile das, wenn…“ ankommen und einem damit unterschwellig sagen: „Teilst du das nicht, dann bist du herzlos!“. Kein Wunder also, dass wir Anfragen zu dem Bild bekamen, da Nutzer fast automatisch einem Bild mißtrauen, welches unbedingt geteilt werden soll.

Fazit

Die Aussage ist größtenteils richtig. Größere Supermärkte in Frankreich sind seit 2016 dazu verpflichtet, unverkaufte Lebensmittel an Hilfsorganisationen zu spenden, anstatt sie wegzuwerfen.

Artikelbild: Shutterstock / Von Sorbis


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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