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„Zwei Flugzeuge kollidierten über Berlin“ – Vorsicht, Falle!

Claudia Spiess, 27. November 2020
"Zwei Flugzeuge kollidierten über Berlin" - Vorsicht, Falle!
"Zwei Flugzeuge kollidierten über Berlin" - Vorsicht, Falle!

Zwei Flugzeuge sollen über Berlin zusammen gekracht sein, und niemand hat etwas mitbekommen?

Auf Facebook wird die Schlagzeile, dass zwei Flugzeuge kollidiert sind, geteilt. Das Ganze soll direkt über Berlin passiert sein, die Flieger wären dann in die Innenstadt abgestürzt, und es gäbe über 200 Tote! – Und das hat niemand bemerkt?!

Natürlich hätte das nicht stillheimlich passieren können. Die Nachrichten wären voll von diesem Thema. Vorausgesetzt, es wäre wahr. Also, atmen wir mal durch. Dieser Zusammenstoß hat nicht stattgefunden. Auch der Absturz in Berlins Innenstadt nicht. Niemand musste hier sterben.

Doch was soll diese Schlagzeile dann? Ist es ein makabrer Scherz? Über so etwas scherzt man doch nicht! Was steckt da dahinter?

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Betrug durch dramatische Schlagzeile

Der Beitrag wird aktuell auf Facebook geteilt. – Auffallend hier, dass dieser in den meisten Fällen in Facebook-Gruppen verbreitet wird. Das Foto und die Schlagzeile verleiten dazu, zu klicken und den Link aufzurufen: „Zwei Flugzeuge kollidierten über Berlin und stürzten in die Innenstadt. 216 Menschen sind tot!“

Screenshot Facebook
Screenshot Facebook

Klickt man auf diese Vorschau, gelangt man auf eine Webseite. Man erwartet einen Bericht, einen Artikel über die Vorfälle, doch hier wird nur ein kurzer Text angezeigt, der nicht mehr aussagt als die Überschrift selbst. Allerdings kann man ein Video zu dem dramatischen Vorfall ansehen, wenn man einem Link folgt.

Screenshot teletype.in
Screenshot teletype.in

Die Links lassen vermuten, dass die Veröffentlichung von n-tv stammt. Klickt man darauf, gelangt man allerdings zu einer Login-Seite von Facebook.

Achtung! Genau hier befindet sich die Falle. Diese Seite stammt nicht von Facebook. Das Design und die Eingabefelder sind Facebook nachempfunden und sollen somit dem Nutzer vermitteln, man befände sich zum Login von Facebook.
Man soll also annehmen, dass man nur noch zwei schnelle Eingaben vom dramatischen Video entfernt ist. Gibt man hier seine Daten ein, gelangt man in diesem Fall zur Startseite der Bild-Zeitung und sucht wohl vergeblich nach dem Video.

Wo findet man nun das Video des Flugzeug-Crashs?

Nirgends, dieses Video gibt es genauso wenig, wie es den Vorfall selbst gibt. Doch mit der Eingabe seiner Facebook-Anmeldedaten hat man den Betrügern hinter dieser Geschichte ein schönes Geschenk gemacht – nämlich in Form von Übermittlung seiner Facebook-Login-Daten.

Diese Geschichte ist also von A bis Z erfunden und gelogen, um Anmelde-Daten von Facebook-Nutzern abzugreifen.

Die Seite teletype.in kann von jedem benutzt werden, um Artikel, Berichte und Geschichten im Internet zu veröffentlichen. Und diese Möglichkeit wurde hier also für Phishing verwendet.
Ob mit den abgegriffenen Facebook-Login-Daten der Beitrag selbst weiter im Namen dieser Nutzer verbreitet wird, ist durchaus eine mögliche Option. Sollte man dies mitbekommen oder von Freunden darauf aufmerksam gemacht werden, wäre das der richtige Zeitpunkt, dringend sein Facebook-Passwort zu ändern.

Achja, Zusatz-Fakt am Rande: Das Foto für diesen gefälschten Beitrag stammt übrigens von der Stockphoto-Plattform iStock by Getty Images.

Einen vergleichbaren Fall gab es mit der Schlagzeile „Tragödie im Heidepark: 9 Menschen fielen von der Schaukel“. Dazu haben wir hier einen Artikel veröffentlicht.

Wie kann man sich schützen?

Bei einer solch dramatischen Meldung sollte von Anfang an klar sein, dass hier etwas faul ist. Ein Flugzeug-Zusammenstoß über Berlin mit Absturz in die Berliner Innenstadt hätte weltweite Schlagzeilen verursacht. Abgesehen also von ein wenig Hausverstand und gesunder Skepsis kann man spätestens bei den Links, die zu dem angeblichen Video führen, misstrauisch werden. Diese führen zu einer anderen URL, als im Text dazu angeführt ist.

Klickt man doch darauf, sieht das vermeintliche Login zu Facebook und ist sich nicht ganz sicher, ob dies alles seriös ist, haben wir einen Tipp parat:

Bei Zweifel einfach mit Fantasiedaten einloggen, z.B. [email protected], Passwort: serrtgdrttrdzh
Wenn das klappt, weiß man mit Sicherheit, dass es eine Fake-Seite ist, und die Betrüger haben Fantasie-Logindaten, mit denen sie nichts anfangen können.
Manche Seiten verlangen auch zweimal hintereinander einen Login. – Davon nicht irritieren lassen!

Artikelbild: Facebook Screenshot


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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