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Zahlungsaufforderungen von „Finflix“ – Nicht zahlen!

Ralf Nowotny, 21. März 2019
Es kommt kein gültiger Vertrag zustande!
Es kommt kein gültiger Vertrag zustande!

Schnell ist es passiert, dass man sich bei Streamingseiten registriert, auf denen man Top-Filme vermeintlich kostenlos schauen kann.

Jedoch bitten diese Seiten einen nach wenigen Tagen kräftig zur Kasse, über 300 Euro seien sofort fällig, um Anwalts-, Inkasso- bzw. Gerichtskosten zu vermeiden. Für eine erste Rechnung ist das schon mal eine etwas heftige Androhung, jedoch gibt es auch gute Nachrichten: Man muss diese Rechnung nicht bezahlen!

Wie gelangt man in diese Kostenfalle?

Optisch übersichtlich und aufgeräumt sehen Seiten wie „Finflix“ aus, und das Angebot verleitet einen dazu, sich den einen oder anderen Film gleich anzusehen.

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Allerdings gibt es einen Haken: Man muss sich erst registrieren, wenn man sich die Filme auch anschauen mag.
Beim Registrierungsvorgang bekommt man übrigens einen leichten Hinweis, dass dort im großen Stil abgezockt wird: „Watchlist Internet“ hat eine ganze Liste mit unseriösen Streaming-Plattformen, die exakt gleich aussehen, aber verschiedene Namen haben. Die Regstrierung läuft aber immer über die gleiche Seite ab.
Optisch sieht man das sehr schön hier, da der Programmierer die Anzeige des Logos der jeweiligen Seite, von der aus man sich registriert, nicht sauber eingerichtet hat:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Testphase abgelaufen

Nach der Registrierung mit den persönlichen Daten muss man die Eingaben noch mit einem SMS-Code bestätigen. Die unangenehme Überraschung bekommt man dann nach wenigen Tagen per Mail:

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Sehr geehrte(r) Herr/Frau XYZ, Sie haben sich auf unserer Webseite am 28.02.2019 für eine 5-Tage-Testphase registriert.

Laut unseren Nutzungsbedingungen hatten Sie die Möglichkeit, Ihren Account während der gesamten Testphase aus Ihren Einstellungen zu löschen. Da Sie es nicht getan haben, wurde Ihr Account automatisch mit dem Premium-Status um 1 Jahr verlängert.

Diesbezüglich möchten wir Sie über eine offene Rechnung in Höhe von 359,88€ zzgl. MwSt pro Jahr (12 Monate zu je 29,99€) bei einer Vertragslaufzeit von 1 Jahr benachrichtigen.

Wir fordern Sie deshalb auf, die Ihnen ausgestellte Rechnung innerhalb von den nächsten 3 Arbeitstagen zu begleichen.

Bei Nichtbezahlung innerhalb der Ihnen gewährten Zahlungsfrist sind wir gezwungen, die Informationen über die nicht bezahlte Rechnung an unseren Anwalt bzw. an das Inkassobüro weiterzugeben. Danach erhalten Sie von uns ein offizielles Schreiben an Ihre Adresse.

Diese Rechnung muss nicht bezahlt werden!

Man muss nicht zahlen, denn zwischen dem Websitenbetreiber, der ALIA FILMS LTD, und dem Nutzer kommt kein gültiger Vertrag zustande. Das hängt damit zusammen, dass im Rahmen der Registrierung auf „Finflix“ kein transparenter und offensichtlicher Kostenhinweis zu finden ist. Er ist jedoch Voraussetzung dafür, dass eine entgeltliche Vereinbarung vorliegt, die zu einer Zahlung verpflichtet. Das ist aber nicht der Fall!

Kuriosum: Eine Rechnung zum Abbestellen

Leider muss man nun damit rechnen, sowohl per Mail als auch telefonisch zur Zahlung aufgefordert zu werden. Dass der Ton in solchen Forderungen entsprechend rauh ist, kann man ja schon an der obigen Mail erahnen.

Dem kann man allerdings vorbeugen: Nummern kann man am Smartphone blockieren, bei der Mail geht es aber noch einfacher: Man kann die Rechnung sogar abbestellen!

Screenshot: mimikama.at
Screenshot: mimikama.at

Fazit

So verführerisch es auch sein mag, sich kostenlos Top-Filme im Internet anschauen zu können: Man sollte die Finger davon lassen!
Der gesunde Menschenverstand alleine sollte einem schon sagen, dass man aktuelle Filme nicht einfach so sehen kann, ohne dass jemand daran verdienen möchte. Es hat schon seinen Grund, warum Plattformen wie Netflix und Amazon Prime kostenpflichtig sind:
Die Rechteinhaber der Filme möchten schließlich etwas verdienen, wenn ihre Filme geschaut werden.

So ist es vielleicht sogar möglich, dass diese Plattformen das Geld dann an die Rechteinhaber weitergeben, jedoch ist die Art und Weise, wie es zu solchen Forderungen kommt, nicht legitim, da kein gültiger Vertrag zustande kommt.

An dieser Stelle sei auch noch einmal auf die Liste von „Watchlist Internet“ hingewiesen, die viele dieser unseriösen Plattformen benennt, zudem bietet der „Internet Ombudsmann“ eine kostenlose Beratung an, wenn man in eine solche Kostenfalle geraten sollte.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
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