Twitter: Fehlerkorrektur verstärkt Fake News

Janine Moorees, 26. Mai 2021
Twitter: Fehlerkorrektur verstärkt Fake News
Artikelbild: Shutterstock / Von Michele Ursi

Wir kämpfen jeden Tag gegen Fake News. Doch eine Studie des Massachusetts Institute of Technology zeigt nun, dass sich Fake News schneller verbreiten als echte Nachrichten.

Wer in den sozialen Netzen eine Fehlinformation korrigiert, macht es nur noch schlimmer. Denn so wird noch schlimmerer Unsinn verbreitet, wie Forscher des Massachusetts Institute of Technology (MIT) sagen. Sie haben sich mit dem Mikroblogging-Dienst Twitter befasst und dabei festgestellt, dass die Urheber von Fake News noch giftigere Tweets absonderten, nachdem sie auf höfliche Art korrigiert wurden.

Signifikant geringere Qualität

Das MIT hat sich für die Studie auf ein Feldexperiment konzentriert, bei dem ein Team höfliche Korrekturen mit Links zu soliden Beweisen als Antwort auf offensichtlich falsche Tweets über Politik anbot. „Es war nicht ermutigend. Nachdem ein Nutzer korrigiert worden war, hat er Nachrichten retweetet, deren Qualität signifikant geringer und voreingenommener war“, Mohsen Mosleh, Mitautor und Dozent an der Business School der University of Exeter. Außerdem seien die Retweets in einer giftigeren Sprache verfasst worden.

Um das Experiment durchzuführen, haben die Forscher zunächst 2.000 Twitter-Nutzer mit offensichtlich unterschiedlichen politischen Überzeugungen identifiziert, die eine von elf häufig wiederholten Fake News weiterverbreitet hatten. Alle diese Artikel wurden von Snopes entlarvt, einem Online-Portal, dass Fake News erkennt.

Beispiele sind die falschen Behauptungen, dass die Ukraine mehr Geld als jede andere Nation an die Clinton Foundation gespendet hat und dass Donald Trump einen behinderten Kampfveteranen wegen des Besitzes eines Therapiehundes aus seiner Mietwohnung vertrieben hat. Auf diese Behauptungen antworteten Twitter-Bot-Konten, die die Forscher zuvor angelegt hatten. Sie existierten zur Zeit des Experiments bereits drei Monate und hatten mindestens 1.000 Follower, sahen also aus wie echte Konten.

Teufelskreislauf wird ausgelöst

Wenn die Bots eine der elf falschen Behauptungen entdeckten, sandten sie als Antwort, sie seien sich nicht sicher, ob die Behauptung richtig sei. Auf Snopes sei jedenfalls zu sehen, dass sie Fake seien. Die entsprechenden Links schickten sie gleich mit. Die Antwort-Tweets innerhalb von 24 Stunden enthielten neue Fehler und zeugten von festgefahrenen einseitigen Meinungen. „Wir hätten erwarten können, dass eine Korrektur dazu führt, die Information zu überdenken“, sagt MIT-Professor David G. Rand, ebenfalls Mitautor der Studie. Stattdessen scheine die öffentliche Korrektur durch einen anderen Benutzer die Aufmerksamkeit der Menschen von der Genauigkeit abzulenken.

[mk_ad]

Quelle: Pressetext
Auch interessant:
Aktuell macht ein angebliches Schreiben des Bundesministeriums für Gesundheit die Runde, das mit „Nur zur internen Verwendung“ gekennzeichnet ist. Dieses soll angeblich vom Bundesministerium für Gesundheit in Deutschland stammen.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama