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Fauci E-Mail: Wurde das Coronavirus künstlich erzeugt?

Claudia Spiess, 15. Juni 2021
Fauci E-Mail: Wurde das Coronavirus künstlich erzeugt?
Artikelbild: Screenshot E-Mail Auszug / Facebook Beitrag

Ein Ausschnitt aus einer E-Mail an Dr. Fauci soll beweisen, dass das Coronavirus als Biowaffe hergestellt wurde.

In amerikanischen Medien wurden E-Mails des Immunologen Anthony Fauci veröffentlicht. Einige dieser Mails oder Ausschnitte davon kursieren nun in sozialen Medien. Daraus  wiederum werden unterschiedliche Schlüsse rund um das Coronavirus gezogen.

Eines der E-Mails soll sogar beweisen, dass das Virus künstlich erzeugt wurde. Dieses wird als Screenshot in Facebook-Beiträgen geteilt. Eingefügt wurde der Zusatz „So wurde der Virus hergestellt. Boom“:

Screenshot Facebook Ausschnitt E-Mail
Screenshot Facebook Ausschnitt E-Mail

Inhalt des Mails

Das Mail wurde am 11. März 2020 an Anthony Fauci gesendet. Der Absender ist ein gewisser Adam Gaertner.
Der Betreff: „Coronavirus bioweapon production method“ / „Coronavirus Biowaffe Produktions-Methode“
Die einleitenden Worte: „This is how the virus was created.“ / „So wurde das Virus hergestellt.“

Dieses Mail ist jedenfalls echt, es ist auf Seite 2286 der veröffentlichten Dokumente zu finden. Daraus schließen nun einige, dass Fauci bereits im März 2020 wusste, dass es sich um eine konstruierte „Biowaffe“ handle.
Eine Antwort von Fauci an Gaertner ist allerdings in den veröffentlichten Mails nicht zu finden.

Die Inhalte selbst stammen aus einer Studie der Universität von Pennsylvania, die bereits 2005 veröffentlicht wurde. Der Abschnitt unter „Intervirion Fusion“ wurde von hier 1:1 übernommen. In dieser Studie beschäftigten sich die Forscher allerdings mit einem anderen Coronavirus, das bereits länger bekannt war. Sie versuchten, eine Möglichkeit zu finden, durch die eine Aktivierung eines SARS-CoV-Spike-Proteins blockiert werden soll.
Die Forscher stellten auch gegenüber USA Today klar, dass es sich um keine Anleitung zur Herstellung einer „Coronavirus-Biowaffe“ handle, diese Missinterpretation halten sie gar für „abstoßend“.

Auch, wenn uns Begriffe wie „Spike-Protein“ während der Corona-Pandemie geläufig wurden, haben diese Inhalte nichts mit dem aktuellen SARS-CoV2 oder der Krankheit COVID-19 zu tun.

Faucis Stellungnahme

Während eines CNN-Interviews im Juni ging Anthony Fauci auf die veröffentlichten E-Mails ein und thematisierte ebenfalls den Ursprung des Virus:

„Ich habe immer gesagt, und werde es auch heute zu Ihnen sagen, dass ich noch immer glaube, dass der wahrscheinlichste Ursprung von einer Tierart zu einem Menschen ist.“

Fauci steht allerdings anderen Möglichkeiten oder anderen Ursachen wie auch der These eines Labor-Lecks offen gegenüber. Darum hätte er auch öffentlich gesagt, „dass wir weiterhin den Ursprung suchen sollen.“

Auch in einem Interview mit MSNBC äußert er sich dazu.

 „Die Situation war, dass wir nicht wussten – und wir wissen immer noch nicht – wo der Ursprung liegt. Wenn man es historisch betrachtet und die Art und Weise, wie sich die Dinge entwickelten, dann fühlten wir alle und tun es noch immer, dass es wahrscheinlicher ist, dass es sich eher um einen natürlichen Sprung von einem tierischen Überträger zu einem Menschen handelt. Da wir das aber nicht sicher wissen, müssen wir einen offenen Geist behalten.“

Fazit

Die E-Mail, die Adam Gaertner im März 2020 an Fauci gesendet hatte, beweist keinesfalls, dass es sich um eine künstliche Herstellung des Coronavirus handelt.

Der Inhalt ist ein Auszug aus einer Studie aus dem Jahr 2005, die mit dem neuartigen Coronavirus nichts zu tun hat.

Fauci betont in aktuellen Interviews immer wieder, dass man nicht mit absoluter Sicherheit sagen kann, was der Ursprung des neuen Coronavirus sei. Allerdings hält er einen natürlichen Ursprung – eine Übertragung von Tieren auf Menschen – für wahrscheinlicher.

Die Schlussfolgerungen, die nun anhand des Auszugs aus dem E-Mail gezogen werden, sind daher als Missinterpretationen einzustufen.

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Quellen: PolitiFact, AFP, USA Today


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
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