Und es geht weiter: falsche Zitate

Andre Wolf, 9. Dezember 2016

Das falsche Künast Zitat ist nur ein Beispiel gewesen für das, was im Grunde da so rumpelt und täglich passiert: Aussagen werden verdreht, verändert und verfälscht. So weit verfälscht, dass sie einfach nicht mehr passen.

Für alles gibt es Regeln, auch für das Zitieren. Für die Zitierweisen, wie sie in den sozialen Netzwerken vorkommen, kann man ein wenig vereinfacht sagen: wörtliche Zitate werden durch (doppelte) Anführungszeichen sichtbar gemacht, wörtliche Rede durch einfache Anführungszeichen. Hierbei darf der Inhalt nicht verändert werden, eine Auslassung unwichtiger Passagen jedoch sichtbar sein. Das auslassen wichtiger Inhalte, um einen Satz zu konstruieren, ist eher unseriös. Längere Passagen kann man als Zitat verdeutlichen, indem man sie einschiebt und/oder grafisch absetzt.

Inhaltliche Zitate hingegen, also die sinngemäße Wiedergabe einer Aussage, werden nicht unter Anführungszeichen gesetzt. Ferner gibt man an, woher dieser Inhalt stammt. Das ist die Verfahrensweise, wie sie angewendet wird, um Sachverhalte nicht zu verfälschen und Leser nachvollziehen können, woher die inhaltliche Aussage stammt.

Doch neben den wörtlichen Zitaten und den Inhaltlichen Zitaten hat sich in den sozialen Netzwerken eine Zitiersubkultur entwickelt:

Die böswillige Zitierweise

Ein Beispiel? So wurde Angela Merkel zu gewissen Themen in der WELT wiedergegeben [1]. Unter anderem auch zu dem Thema Diskussionskultur, hierbei vorrangig die Diskussionskultur im Internet. Es geht um Hassbotschaften und Verhaltensweisen im Netz. In Bezug auf eben jene Debattenkultur sagte Merkel gegenüber der WELT [1] am 06. Dezember 2016:

„Zur Wahrheit gehört auch: Manchmal hat man den Eindruck, dass auch einige, die schon immer hier in Deutschland leben, dringend einen Integrationskurs nötig haben“, sagte Merkel. Jeder sei aufgefordert, seinen Beitrag zur Debattenkultur zu leisten, ergänzte sie. Die Grenzen seien da, wo der Rechtsstaat eingreifen müsste. Im Internet „fallen manchmal alle Hemmungen, wie ich es mir in diesem Ausmaß niemals hätte vorstellen können“, beklagte sie und ergänzte: „Da sage ich, da sagen wir: So nicht.“

Sie spricht sich gegen Hatespeech aus. Sie moniert, dass Menschen die Grenzen des Legalen überschreiten und dass hier angesetzte werden muss. Alles so weit deutlich und klar.

Wie funktioniert nun die “böswillige Zitierweise”? Ganz einfach: man entfernt die Information, dass es um Hatespeech geht. Man entfernt im Grunde jeglichen Hinweis auf eine Quelle und den Kontext, um einen Vorwurf schwer prüfbar zu machen. Ebenso greift man einfach mal einen einzelnen Satz heraus, entfernt die Vorbehalte des Satzes (“Manchmal”, “Eindruck”, “einige”) und macht daraus eine Generalisierung. Und schwupps, kommt dabei folgender Inhalt heraus:

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(Quelle: Facebook Ignaz Bearth)

Ein Satz, der von Angela Merkel nie gesagt wurde, jedoch in der Technik der wörtlichen Zitierweise ohne Quellenangabe angezeigt wird. Hinweis: das Datum und die Nennung des Namens sind keine Quellenangabe! Ihr wird also ein kontextbefreiter Satz in den Mund gelegt, der eine Pauschalisierung vermuten lässt, die so nicht haltbar ist.

Um es auf den Punkt zu bringen: das hat sie nicht gesagt.

Wahre Meister im Verdrehen

Es gibt einen Grund, warum es Zitierregeln gibt. Diese Regeln sorgen dafür, dass die Inhalte anderer nicht durch missbräuchliches Zitieren falsch verwendet werden. Ebenso stellen diese Regeln sicher, dass man einheitliche Standards verwendet und keine Irritationen entstehen. Irritationen entstehen jedoch, wenn sich einzelne eben nicht an diese Regeln halten, sondern die Regeln beugen und brechen.

Und Facebook? Facebook stellt dabei abermals die Bühne für derlei Zitate dar. Unfreiwillig, aber auch nicht besonders willig, die Diffamierenden Inhalte zu entfernen. In Form von Bullshitbildern, Artikelvorschaubildern oder Screenshots wandern Fehlzitate immer öfter durch den Newsstream. Teilweise kann man diese gar nicht korrekt melden, wenn sie in Form von gesponserten Beitragen auftauchen sogar gar nicht.


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