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Falsche Antivirensoftware und Virenschutz

Hat ihr Smartphone oder ihr Tablet ein Virenschutzprogramm? Weit verbreitet ist der Irrglaube, dass nur auf Laptops oder PCs eine Antivirensoftware installiert sein sollte. All Ihre Geräte sollten einen Virenschutz haben. (Eine Information des BSI)

Tom Wannenmacher, 12. September 2022

Warum sollte man ein Virenschutzprogramm installieren?

Windows und MAC OS X Rechner werden aufgrund ihrer weiten Verbreitung am häufigsten angegriffen. Für Linux sind bislang kaum Schadprogramme bekannt, die „kommerziell“ genutzt werden. Ein Programm zum Schutz des eigenen Rechners ist daher bei privater Nutzung des Rechners nicht zwingend notwendig, aber dennoch empfehlenswert, um nicht versehentlich gefährliche Dateien an andere weiterzugeben.

Antivirensoftware überprüft neue Dateien (zum Beispiel Anhänge von E-Mails) und den gesamten Computer auf Anzeichen einer Infektion. Dazu vergleicht sie in erster Linie die Daten auf Ihrem Rechner mit den „Fingerabdrücken“ bekannter Schadprogramme. Diese „Signaturen“ müssen aber immer auf dem aktuellen Stand sein, weil täglich neue Varianten von Schädlingen auftreten. Deshalb müssen Sie die Software regelmäßig aktualisieren (updaten).

Das geht entweder über die automatische Update-Funktion Ihres Programms. Oder Sie laden die Updates direkt von der Herstellerseite herunter. Hinzu kommen Verfahren, die auch bislang noch unbekannte Schadprogramme finden sollen. Um nicht zu viele Fehlalarme zu produzieren, ist die Erkennungsleistung dieser „heuristischen“ Verfahren jedoch nicht sehr gut.

Früher mussten die Benutzer das Virenschutzprogramm in regelmäßigen Zeitabständen starten und dann wurde die ganze Festplatte, einzelne Laufwerke, Disketten oder CD-ROMs überprüft. Heute ist es viel einfacher. Wenn die Auto-Protect-Funktion eingeschalten ist, überprüft das Programm Ihren Rechner nach jedem Systemstart automatisch im Hintergrund. Sie erkennen das am Icon in der Task-Leiste. Wird ein Virus gefunden oder hat der Scanner etwas Verdächtiges bemerkt, erhalten Sie eine Nachricht in einem Mitteilungsfenster.

Virenschutz: Kostenpflichtig oder gratis?

Neben den kostenpflichtigen Versionen bieten manche Hersteller von Schutzsoftware sowie Microsoft auch Gratis-Varianten an. Diese bieten häufig weniger Funktionen als die kommerzielle Version. Ein genauer Vergleich der Funktionen lohnt daher immer. Viele Computerzeitschriften führen regelmäßig Tests der gängigen Schutzprogramme durch und stellen verständlich Leistungen, Bedienungskomfort und Funktionen dar.

Online-Virenscanner

Manche Privatanwender sehen Online-Virenscanner als Alternative zu herkömmlichen Antiviren-Programmen an. Auf den ersten Blick ist das auch logisch: Weil der Virenscanner direkt über das Internet ausgeführt wird, erspart man sich die Installation eines vollständigen Antiviren-Programms. Und zusätzlich muss man sich auch nicht ständig um die Aktualisierung der Virensignatur kümmern, da online immer die neuesten Updates zur Verfügung gestellt werden. Doch weil Bequemlichkeit eben nicht alles ist, reicht das allein nicht aus, um ein vollständiges Antiviren-Paket ersetzen zu können.

Denn setzen Sie auf Ihrem PC allein einen Online-Scanner als Schutz ein, fehlt Ihnen der Hintergrund-Wächter. Das ist eine Funktion, die bei den herkömmlichen Antiviren-Programmen jede auf dem Rechner angefasste Datei prüft. Um einen ähnlichen Effekt bei einem Online-Virenscanner zu erzielen, müsste man ständig seinen Rechner bzw. die neu hinzukommenden Dateien durch den Online-Scanner überprüfen lassen. Und deshalb ist der Vorteil, dass man sich nicht mehr um die neuesten Virensignaturen kümmern muss, auch nichts mehr wert.

Doch damit nicht genug. Online-Virenscanner haben noch zwei weitere Nachteile:

  • Sie setzen voraus, dass man ActiveX aktiviert hat. Generell sollte man ActiveX im Browser soweit es möglich ist vermeiden, denn es enthält keinerlei Schutzmechanismen. (siehe Aktive Inhalte)
  • Wenn Sie den konkreten Verdacht haben, dass Ihr PC bereits infiziert ist, sollten Sie die Internetnutzung weitestgehend vermeiden. Denn über jede Online-Verbindung verbreitet sich der Schädling noch weiter. Und falls Sie sich einen Dialer eingefangen haben, wählen Sie sich im schlimmsten Fall auch noch über eine teure Nummer ins Internet ein.

Könnte Ihnen einen Online-Virenscanner trotz aller Nachteile dennoch nützlich sein? Ja, wenn Ihr Rechner bislang ungeschützt ist und Sie den Verdacht haben, dass sich ein Virus auf Ihrem Rechner befindet. Beim Aufspüren des Schädlings kann Ihnen der Online-Scanner behilflich sein. Zu diesem Zeitpunkt kann der Virus allerdings schon einen irreparablen Schaden angerichtet haben. Deshalb sollten Sie nach der Beseitigung des Schädlings zukünftig auf ein herkömmliches Antiviren-Programm zurückgreifen. Oberstes Gebot dafür ist, die Virensignaturen immer auf dem neuesten Stand zu halten.

Beliebte Betrugsmasche: Verbreitung falscher Antivirensoftware

Immer wieder versuchen Internetkriminelle Nutzern falsche Antivirensoftware unterzujubeln. Dazu erhalten diese beim Surfen im Netz die angebliche Warnung, ihr Rechner sei mit Malware infiziert. Diese Warnungen erscheinen in einem separaten Browserfenster und sehen denen seriöser Antivirenprogramme täuschend ähnlich. Um die vermeintlich dramatische Infektion des PCs mit einem Schädling zu beseitigen, wird der Anwender aufgefordert, ein angegebenes Virenschutzprogramm herunterzuladen.

Nach der Installation der vermeintlichen Antivirenlösung erscheint eine Aufforderung zum Erwerb des Programms oder auch zum Erwerb einer Lizenz. Verweigert der Nutzer dies, öffnen sich in gewissen Zeitabständen immer wieder falsche Virenwarnungen, verbunden mit der Aufforderung zur Bezahlung.

Die angebotenen Programme haben jedoch häufig überhaupt keine Funktion. Sie dienen lediglich dazu, den Nutzer zum Kauf zu bewegen und an die Kreditkartendaten zu gelangen. Zum Teil werden PCs beim Download des „Schutzprogramms“ mit Schädlingen infiziert, um sie beispielsweise an ein Bot-Netz anzuschließen.

Wie solche gefälschten Virenwarnungen und Antivirenprogramme aussehen, können Sie sich auf der Webseite von heise.de anschauen.

Welches Virenschutzprogramm ist empfehlenswert?

Seien Sie misstrauisch gegenüber unaufgeforderten Softwareangeboten und beziehen Sie Antivirensoftware grundsätzlich nur über seriöse Anbieter. Die Wahl eines geeigneten Virenschutzprogramms ist bei Windows-basierten Systemen besonders wichtig.

Für einen hinreichenden Schutz des Systems gegen Computer-Viren und andere Schadprogramme kommen für Privatanwender sowohl kostenlose als auch kostenpflichtige Varianten von Virenschutz-Software infrage. Letztere verfügen unter Umständen über mehr Funktionen. Sofern die sinnvollen, zusätzlichen Funktionen der kostenpflichtigen Lösungen, wie beispielsweise

  • Kinderschutzfilter
  • Überwachung von Browser- und E-Mail-Aktivitäten auf Schadprogramme
  • erweiterte, verhaltensbasierte Erkennung von Schadsoftware

dennoch nicht benötigt werden, sind kostenlose Virenschutzprogramme seriöser Hersteller ausreichend. Auch die Hersteller der Betriebssysteme selbst bieten ein kostenloses Virenschutzprogramm an.

Quelle: BSI

Lesen Sie auch: Malware, Viren, Trojaner und Würmer! Was ist das eigentlich alles?


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