Faktencheck: Ist dieser Vogel eine Harpyie?

Kathrin Helmreich, 28. Februar 2019
Die Harpyie kann ihren Federschopf aufstellen / Artikelbild: worldswildlifewonders
Die Harpyie kann ihren Federschopf aufstellen / Artikelbild: worldswildlifewonders

Immer wieder werden Fotos ohne Quellenverweis auf sozialen Netzwerken geteilt.

Das macht eine Verifizierung für Nutzer äußerst schwer. Vor allem auf Facebook sind Seiten beliebt, die Außergewöhnliches, Erschreckendes und eben nicht Alltägliches vorführen – woher die Bilder und Videos dann stammen ist sekundär.

Der so genannte Click Bait (zu Deutsch: „Klick-Köder“) soll Nutzer anlocken und sie im besten Fall zu einer Interaktion motivieren – an sich also noch nichts Verwerfliches, doch unfertige Berichterstattung hinterlässt Nutzer in Wut, Zorn, Unverständnis und vor allem mit einem Haufen Fragen.

Und diese gibt es auch zu folgenden Bildern, die unlängst auf Facebook geteilt wurden:

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Ein Faktencheck

Es handelt sich um einen echten Vogel. Die Bilder sind nicht manipuliert, jedoch konnten wir die meisten der Fotos nicht zur tatsächlichen Ursprungsquelle zurückverfolgen.

Lediglich das Wasserzeichen („© Leon Moore – journeyguyana.com“) eines Mannes namens Leon Moore brachte uns auf eine Spur – leider gibt es das Foto sowohl auf der Webseite, als auch auf dem Facebook-Profil nicht mehr.

Recherchiert man die anderen Bilder, findet man immer wieder Beschreibungen zu einer Vogelart, die tatsächlich Harpyie heißt – und auch so aussieht.

Geo.de beschreibt die Harpyie als bis zu zehn Kilogramm schweren Greifvogel, der in Amazonien beheimatet ist. Sie tragen einen kronenähnlichen Federschopf am Hinterkopf und ihre Flügel können eine Spannweite von bis zu 2,3 Metern erreichen.

Der Begriff „Amazonien“ ist nicht eindeutig. Laut Planet Wissen wird unter anderem Amazonien als der tropische Regenwald, das ganze Amazonasbecken, aber auch das Einzugsgebiet bezeichnet. Zu diesem gehört unter anderem Guyana, ein Staat im Norden Südamerikas, der auch im Namen der Webseite von Leon Moore steckt.

Eine genauere Beschreibung des WWF der Harpyie (Harpia harpyia) trifft auf die gezeigten Vögel sehr gut zu:

Federschopf am Hinterkopf

Die Harpyie ist einer der größten Greifvögel weltweit. Sie wird bis zu 115 Zentimetern groß, erreicht eine Flügelspanne von ungefähr 250 Zentimetern und bringt fünf bis zehn Kilogramm auf die Waage. Das herausragendste Merkmal der Harpyie ist ihr schwarzer, zweizipfliger, kronenähnlicher Federschopf am Hinterkopf, den sie bei Erregung aufstellt. Ansonsten ist das Gefieder der Harpyien am Rücken, im Brustbereich und auf den Flügeldecken grau bis schwarz gefärbt. Die Bauchseite ist überwiegend weiß befiedert. Die Schwanzunterseite, die befiederten Beine und die Flügelunterseiten weisen eine dunkelgraue Querbänderung auf.

Laut Geo.de hat die International Union for Conservation of Nature (IUCN) die Art 2012 als „potenziell gefährdet“ auf ihrer Roten Liste eingestuft.

Und was ist mit der monstermäßig großen Harpyie auf dem Baumstamm?

Harpyien gehören zu den größten Greifvögelarten der Welt. Warum sie aber auf dem einen gezeigten Bild derart monströs wirkt, kann an der Perspektive des Fotos liegen.

Durch die Erzwungene Perspektive kann man bei einem Foto so einiges größer erscheinen lassen, als es tatsächlich ist. Ob etwas größer oder kleiner wirkt, hängt von der Stellung zwischen Kamera und Objekt ab.

Auf dieser Webseite ist ebenfalls ein Mann mit einer Harpyie zu sehen. Diese sitzt direkt neben ihm – sie wirkt zwar kleiner, jedoch noch immer beeindruckend.

Ergebnis:

Bei den Vögeln auf den Bildern handelt es sich um Harpyien (Harpia harpyia).

Leider sind die Ursprungsquellen zu den Fotos im World Wide Web untergegangen. Lediglich die Webseite, die als Wasserzeichen auf einen der Fotos zu finden ist, weist darauf hin, dass die Originalquelle eines der Fotos bei Leon Moore oder einem der Tourteilnehmer in Guyana liegt.


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

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