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Faktencheck: Echter Honig hat ein „genetisches Gedächtnis“

Claudia Spiess, 27. Dezember 2019
Faktencheck: Echter Honig hat ein "genetisches Gedächtnis"
Faktencheck: Echter Honig hat ein "genetisches Gedächtnis"

Das Vertrauen in die Lebensmittelindustrie ist nicht gerade groß. Doch sind die Erkenntnisse in diesem Video wirklich so „schockierend“?

Faktencheck: Echter Honig hat ein „genetisches Gedächtnis“. Dass Verbraucher vielen Lebensmitteln nicht trauen, ist verständlich. So manche Seite berichtet oft alarmistisch über Gifte in der Nahrung. Ein Video soll nun demonstrieren, wie mit einfachen Methoden festgestellt werden kann, dass Lebensmittel manipuliert wurden.

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Zeigen diese einfachen Methoden wirklich das, was behauptet wird?

In dem Video werden zwei Sorten in je eine Schüssel gegeben. Dann wird Wasser hinzugeschüttet, und die Schüsseln werden geschwenkt. Der „falsche“ Honig zeigt Wellenmuster, während der „echte“ Honig ein Muster zeigt, das entfernt an Bienenwaben erinnert. Angeblich liegt das am „genetischen Gedächtnis“ des Honigs, der sich mal in Bienenwaben befand.

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Das Konzept eines „genetischen Gedächtnisses“ findet sich in vielen wissenschaftlichen Gebieten. Allen gemein jedoch ist, dass ein Stoff genetisches Material beinhalten muss. Ebenso muss ein bestimmter Prozess stattfinden, der diese genetischen Informationen dann überträgt.
Bei Honig handelt es sich allerdings um durch Enzyme modifizierten Pflanzennektar, der von Bienen zur Energiespeicherung genutzt wird. Er enthält keinerlei Gene, weswegen man auch nicht von einem genetischen Gedächtnis sprechen kann.

Was zeigt dieser Wasserschütteltest denn dann?

Im Prinzip nichts. Honig ist ein reines Naturprodukt und kann (bisher) nicht im Labor hergestellt werden. Jedoch finden sich in verschiedenen Honigsorten im Handel verschiedene Zusatzstoffe wie Fremdzucker und Stärke, die das Aussehen und die Konsistenz des Honigs beeinflussen.
Dadurch bildet der Honig beim Schütteltest mal die eine, mal die andere Form. Das hat aber nichts mit einem genetischen Gedächtnis zu tun.

Ein echter Nachweis, inwieweit ein Honig Zusatzstoffe enthält, bedarf spektographischer Laboranalysen auf verschiedene Polysaccharidchemikalien (Stärke). Mit diesem Schütteltest lässt sich das nicht herausfinden.

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Die Behauptung „Echter Honig hat ein „genetisches Gedächtnis“ ist falsch.

Ein einfacher Schütteltest ist kein Indikator für die Qualität. Auch hat Honig kein „genetisches Gedächtnis“, da er gar kein genetisches Material enthält.

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Artikelbild: Shutterstock / Von Billion Photos


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