Ukraine Krise

Fake-Video: Werbefilm mit homosexuellem Soldaten stammt nicht aus der Ukraine

Auf Facebook behauptet ein User, dass die ukrainische Armee speziell homosexuelle Männer rekrutieren möchte. Das Video ist ein Fake.

Nicole Mühl, 6. Juli 2022

Die Behauptung

Mit einem Video sollen Homosexuelle durch das Verteidigungsministerium der Ukraine für die Armee mobilisiert werden. Das Video stamme angeblich von einem Informanten aus dem Ministerium.

Unser Fazit

Es handelt sich um eine Falschbehauptung. Das Video stammt aus Großbritannien aus dem Jahr 2012. Damit soll der Diskriminierung der Ehe homosexueller Paare entgegengewirkt werden. Für den Fake wurde es manipuliert.

Es handle sich um ein offizielles Rekrutierungsvideo, heißt es in dem Facebook-Post. Es gehe um die Mobilisierung von Homosexuellen in der ukrainischen Armee durch das Verteidigungsministerium der Ukraine. Das Video stamme direkt von einem Informanten aus dem Ministerium – schreibt der Verfasser in den Kommentaren.  „… diese Gruppe soll an die Waffen ……. Dann kamen die Teenager“, heißt es weiter.

Screenshot Facebook Beitrag
Screenshot Facebook Beitrag

Im Video auf Facebook ist bereits eingeblendet, dass es sich um eine Fehlinformation handelt und dass das Video von unabhängigen Faktenprüfern gecheckt wurde. Auch im Anhang des Postings ist der Verweis zur Faktenprüfung durch den „dpa-Faktencheck“ zu finden.

Das Video stammt aus Großbritannien und wurde nachträglich verändert

Im Video ist zu sehen, wie ein männlicher Soldat nach einem Einsatz von seinem männlichen Partner in Empfang genommen wird. Sie umarmen sich innig – am Ende macht er seinem Partner einen Heiratsantrag und sie küssen sich. Im Fake-Video werden bei Minute 00:24 Kriegsszenerien und Männer in ukrainischen Uniformen gezeigt, im Abspann wird das Emblem der ukrainischen Truppen und eine Telefonnummer eingeblendet.

Tatsächlich stammt das Video laut dpa-Faktencheck aus dem Jahr 2012 und kommt ursprünglich gar nicht aus der Ukraine, sondern aus Großbritannien. Der Clip der Organisation „Coalition for Equal Marriage“ war dazu gedacht, der Diskriminierung der Ehe homosexueller Paare entgegenzuwirken. Über das Video wurde am 25. April 2012 in der Huffington Post unter dem Titel „Homecoming“ berichtet. Das Video wurde in dem Artikel beschrieben als „ein kurzer Film über die Ehe von Homosexuellen“, der darauf abziele, „Unterstützung für Gleichberechtigung durch soziale Medien zu sammeln.“

„Ich habe den Film gemacht, um Veränderungen zu fördern und auch andere zu inspirieren, ihre Kreativität einzusetzen, um die Gleichberechtigung zu unterstützen und Geschichte zu schreiben, anstatt sich zurückzulehnen und passiv zuzusehen.“

Regisseur Mike Buonaiuto über den Film

Der dpa-Faktencheck hat außerdem ergeben:

Das aktuell kursierende Video wurde an mehreren Stellen verändert:

  • Szenen aus dem Original, in denen die britische Flagge zu sehen ist, fehlen in der Fälschung.
  • Links unten wurde nachträgliche das Emblem der ukrainischen Bodentruppen ergänzt.
  • Es läuft Musik, die im Original nicht zu hören ist.
  • Die Macher der Fälschung haben Szenen der ukrainischen Armee ergänzt, bei denen kurz eine Uniform mit ukrainischen Emblem zu sehen ist.
  • Im Original werden gegen Ende mehrere Sätze eingeblendet und der Clip endet mit der Forderung „Schluss mit der Diskriminierung der Ehe“. In der Fälschung sind ukrainische Sätze und eine Telefonnummer ergänzt.

Der Video-Vergleich

Das Original-Video:

In diesem Video ist am Ende ein Hinweis mit dem Hashtag #equalmarriage sowie die URL c4em.org.uk eingeblendet.

Im veränderten Video wird am Ende fälschlicherweise eine Verbindung zu den ukrainischen Truppen hergestellt:

Quellen: Facebook, Huffpost, Military-History-Fandom, dpa

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