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Fake: Der angebliche Vermerk auf dem Dokument von Angela Merkel

Ralf Nowotny, 19. Februar 2020
Fake: Der angebliche Vermerk auf dem Dokument von Angela Merkel
Fake: Der angebliche Vermerk auf dem Dokument von Angela Merkel

Ein Foto eines Dokuments von Kanzlerin Merkel von 1980 soll Sensationelles beweisen: Merkel war „Untergrundskämpferin“.

Ein altes Dokument von 1980 soll Angela Merkel als „Untergrundskämpferin“ ausweisen.

Angeblich handele es sich um keinen Fake und sei der schlagende Beweis, dass Deutschland „eine Kolonie der USA“ sei.
Bei genauerem Blick wird jedoch klar, dass es sich um eine am Computer entstandene, plumpe Fälschung handelt.

Um jenes Bild handelt es sich:

Untergrund Kämpferin oder Untergrundskämpferin?
Untergrund Kämpferin oder Untergrundskämpferin?

„Ihr STASI NAZIS könnt es so offt löschen wie Ihr wollt. Die Wahrheit ist schon auf tausenden rechnern.

Untergrund Kämpferin für den US Imperialismuss. Das Foto ist kein Fake. Die BRD ist eine Kolonie der USA. Das wußte schon die Stasi.“

Und auf dem Bild des Dokuments ist augenscheinlich vermerkt:

„Vermerk: Untergrundskämpferin für US-Imperialismus“

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Was war sie denn nun?

Anscheinend sind sich die Leute nicht wirklich einig: Einerseits war sie „IM Erika“, ein Spitzel der Stasi unter russischer Fuchtel, nun aber war sie für den „US-Imperialismus“ tätig. Da soll mal jemand durchblicken!

Der Ausweis wirkt aber sehr glaubwürdig. Wir sind uns sicher, dass sämtliche Geheimagenten einen solchen Vermerk im Ausweis haben. Kennen wir ja auch aus Hollywood. „Mein Name ist Bond. James Bond. Hier ist mein Ausweis. Ich habe die Lizenz zum Töten, Sie dürfen mich also nicht festnehmen!

Ein genauerer Blick

Ein Bild des Dokuments kursiert schon seit Jahren, dort sieht er allerdings so aus:

Das echte Merkel-Dokument, Bildquelle: Wikimedia
Das echte Merkel-Dokument, Bildquelle: Wikimedia

Laut Wikimedia handelt es sich dabei um den damaligen Personalausweis Merkels (wie wir 2018 auch fälschlicherweise schrieben), doch Leser machten uns darauf aufmerksam, dass es sich dabei wohl um den Führerschein handelt. Wie dpa recherchierte,  sahen die DDR-Führerscheine vom 01.01.1968 bis zum 31.05.1982 tatsächlich so aus.

„Vielleicht wurde ja auf dem Bild der Vermerk entfernt?“

Auf diese Frage haben wir gewartet! Also werfen wir mal einen Detailblick auf den Vermerk.

Ein direkter Buchstabenvergleich
Ein direkter Buchstabenvergleich

Beim direkten Vergleich der Buchstaben auf dem Dokument und dem Vermerk fällt auf, dass der Zeichensatz des Vermerks eine größere Auflösung als der Rest des Dokumentes hat, zudem wird ein anderer Zeichensatz verwendet.

Die Überschneidungen machen es deutlich
Die Überschneidungen machen es deutlich

In der Vergrößerung erkennt man, dass die Buchstaben kräftiger sind, wenn sie die Unterschrift berühren, was bedeutet, dass die Unterschrift schon vorher da war, die Buchstaben dann darübergelegt wurden, jener Vermerk also erst nach Erstellung der Unterschrift auf dem Dokument bzw. dem Bild des Dokuments hinzugefügt wurde.

Der Abstand der Buchstaben – Proportional und nichtproportional

Zudem ist der Abstand der Buchstaben zueinander ein gutes Erkennungsmerkmal. Es gibt drei Möglichkeiten, wie so ein Hinweis damals auf das Dokument gekommen sein könnte: Indem er direkt darauf gedruckt wird, indem er nachträglich darauf gedruckt wird, indem er draufgestempelt wird.

Oben konnten wir bereits feststellen, dass der Vermerk höchstwahrscheinlich nachträglich entstand. In den 1980er-Jahren war es nun aber so, dass die Buchstaben alle nichtproportional zueinander standen. Dies bedeutet, dass alle Buchstaben denselben Platz einnehmen, dadurch sind manche Buchstaben weiter voneinander entfernt als andere, wenn auch nur minimal.

Man kennt dies heute noch von Stempeln, die man sich selbst machen kann, indem man die einzelnen Buchstaben in den Stempel einfügt. Auch gab es nur Typenraddrucker (die wie eine Schreibmaschine arbeiteten) oder Nadeldrucker (bei denen die Buchstaben aus einem Punktraster bestehen).

Jener zusätzliche Hinweis aber hat eine Besonderheit: Die Buchstaben stehen alle proportional zueinander. Sprich: jeder Buchstabe nimmt nur den Platz ein, den er braucht, der Abstand zwischen den Buchstaben ist genau gleich. Somit entstand jener Vermerk auf dem Ausweis eher am Computer als in den 1980er-Jahren.

Proportionale Abstände: Gab es damals nicht
Proportionale Abstände: Gab es damals nicht

Und zuletzt haben wir da natürlich noch den peinlichen Schreibfehler: In keinem Duden zu irgendeiner Zeit hieß es jemals „Untergrundskämpferin“.

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Fazit

Auch wenn der Ersteller des Bildes darauf beharrt, dass es kein Fake ist: Es ist eindeutig einer. Das Schriftbild passt in seiner Gesamtheit nicht zum Rest des Ausweises, der Vermerk wurde nachträglich hinzugefügt, am Computer verfasst und enthält einen peinlichen Rechtschreibfehler.


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