Ich hab‘ einen Schatten – zweifelhafte „Freundschaftsdienste“ spielen Facebook sensibelste Userdaten zu.

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Jeder Facebook-User hat es, aber wohl kaum jemand hat es je zu Gesicht bekommen:  Sein Schattenprofil.

  • Was ist das überhaupt?
  • Welche Informationen birgt es?
  • Welche Daten sind enthalten, wo kommen sie her und wofür verwendet Facebook sie? – und habe ich ein Recht, mein Schattenprofil einzusehen?
  • Wie sieht es mit Dritten aus?
  • Wie geht Facebook mit diesen Daten außerhalb der Freundeslisten, ja vielleicht sogar außerhalb der Domain um?
  • Welche Schlüsse zieht Facebook aus den Verbindungen, zu welchem Zweck und mit welchen Folgen?
  • Und – sind diese Daten sicher geschützt vor unbefugtem Zugriff?

Kurz erklärt:

Das Schattenprofil ist ein Eurem Profil zugeordneter Datensatz, der diejenigen Informationen über Euch enthält, die Ihr Facebook mit ziemlicher Sicherheit nicht freiwillig, ja nicht einmal selber überlassen habt. Der Schlüssel sind Eure Kontakte, und zwar die im echten Leben; den „Flaschenhals“ dieses steten geheimen Datenstroms bilden Adressbücher von Nutzern auf Mobilgeräten und in Browsern und Mailclients auf Desktop-Computern.

Es ist der Datensatz, auf den Ihr so gut wie keinen Einfluss habt, weil andere ihn – meist aus Unbedarftheit – für Euch ständig komplettieren, synchronisieren und Facebook zur Verfügung stellen.

Ihr selber braucht dazu gar nichts zu tun – es reicht, wenn Freund XY sämtliche Kontakte seines Adressverzeichnisses mit einem Klick auf die Plattform hochlädt und im schlimmsten Fall noch das ständige Synchronisieren erlaubt.

Oder endlich, nach langem Drängen, den Freundesfinder nutzt, der verbundene Kontakte anhand der Mailadresse hochlädt – ganz gleich übrigens, ob diese Kontakte selber auf Facebook angemeldet sind. Angeblich nutzt doch bereits über drei Viertel der Freunde dieses wunderbare Tool. Das kann man nun glauben oder auch nicht.

Durch diese Kanäle werden Personen innerhalb und außerhalb von Facebook erfasst, aber auch Arbeitskollegen, Ärzte, Therapeuten, Chef, Jugendamt, Bewährungshelfer, Sucht- oder Schuldnerberatung, Selbsthilfegruppe – die Liste ist so lang wie die der Daten, die sie mitbringen: Wohnort, sämtliche Telefon- und E-Mail-Daten, Konten bei anderen Online-Diensten.

Diese Angaben werden dann mit den offiziellen Profilangaben abgeglichen und im Falle eines „Treffers“ wird der jeweilige Datensatz Eurem Schattenprofil hinzugefügt, bleibt aber – wie der Name schon sagt – für den User selber im Dunkeln.

Diese Daten sind es auch, die die Freundschaftsvorschläge „steuern“. Wenn Ihr also rätselt, woher die ein oder andere Idee stammen könnte – oder gar an Hexerei glaubt – wo Ihr einander im „Real Life“ vielleicht flüchtig kennt, auf der Plattform selber jedoch nie Kontakt hattet: Facebook sorgt dafür, dass Ihr Euch beim nächsten Besuch im Wartezimmer vom Nervenarzt auch sicher wiedererkennt.

Facebook gewährt dem Nutzer selbst auf Anfrage übrigens keinen Einblick in sein Schattenprofil – die Daten seien nicht sein Eigentum, da von anderen bereitgestellt – an Ironie ist diese Erklärung kaum noch zu überbieten.

Solange der Nutzer rätselt, zieht sich Facebook hinter eine Mauer von Schweigen, Hundertachtziggradwenden und schwammigen Begriffen zurück. Erklärte ein Unternehmenssprecher, dass auch leichtsinnig erlaubte Ortungsdaten bzw. Standortfreigaben für Freundesvorschläge zum Einsatz gekommen seien, ruderte das Unternehmen Wochen später heftig zurück: Dies sei nicht der Fall, der Schutz sensibler Userdaten sei der Plattform höchstes Bestreben.

Kurz gebrodelt hat es in der Datensuppe 2013, als dem Datenpaket, das Facebook seinen Usern unter dem Kürzel DYI (Download Your Information) zur Verfügung stellt, versehentlich zusätzliche Kontaktdaten von Freunden beigefügt wurden, die diese dem Netzwerk entweder niemals selber überantwortet beziehungsweise zur Anzeige für Andere freigegeben hatten.

Ungewohnt offen und freizügig bekannte das Unternehmen sich zu der Panne und veröffentlichte eine Stellungnahme, in der es sich zur Existenz der Schattenprofile genau so bekannte wie zu der Tatsache, dass nicht etwa nur „gemeinsame Freunde“, geteilte Interessen oder der gleiche Wohnort den Algorithmus steuern.

//: Important Message from Facebook’s White Hat Program

Über 6 Millionen Menschen waren betroffen, Facebooknutzer, aber auch Personen, die nie bewusst in eine Beziehung mit dem Netzwerk getreten sind. Für letztere legt Facebook angeblich keine Datensätze an. Der Aufruhr um die Schattenprofile ist inzwischen längst Vergangenheit, was zum einen am perfekten Verdrängungsverhalten der User, andererseits aber auch an der Komplexität des Themas liegen dürfte.

Das Verhalten selbst der engsten Freunde habt Ihr nicht im Griff; einfacher ist es dagegen, dafür zu sorgen, dass man selber nicht zur Datenschleuder wird: Sucht sämtliche Einstellungen, die Facebook Zugriff auf Eure Kontakte ermöglichen – und schaltet sie konsequent aus.

Sind die „Schatten“ auch nicht mehr zu vertreiben, hält konsequenter und verantwortungsbewusster Umgang mit Euren Kontakten und ihren Daten sie auf diese Weise ein Stück weit davon ab, unseren Spaß auf der Plattform nachhaltig zu trüben.

Quelle: Gizmodo

Autorin: Dagmar K., mimikama.at

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