TikTok

Verjüngungskur? Facebook will mehr wie TikTok werden!

Einem geleakten, internen Memo nach, dessen Echtheit bestätigt wurde, plant Meta mit deren Plattform Facebook tiefgreifende Änderungen: Der Messenger wird wieder in die App integriert, Kurzvideos und Empfehlungen sollen in den Vordergrund rücken.

Ralf Nowotny, 17. Juni 2022

Facebook hat es nicht einfach: Das Durchschnittsalter der Nutzer rutscht immer höher, die Meta-Aktie schwächelt, und Apps wie das sehr erfolgreiche TikTok sind alleine schon von den Download-Zahlen her beliebter als die „Plattform für alte Leute“ (ja, das hab ich wortwörtlich so gesagt bekommen). Nun soll laut einem internen Memo vom Ende April Facebook bald jünger wirken, indem es sich mehr TikTok angleicht.

Das interne Memo

Der Seite „The Verge“ liegt ein internes Memo vor, in dem der für Facebook zuständige Meta-Manager Tom Alison einen Plan für künftige Änderungen an der Plattform offenlegt:

Anstatt Posts von Konten, denen die Nutzer folgen, zu bevorzugen, wird der Facebook-Haupt-Feed wie TikTok damit beginnen, Posts zu empfehlen, unabhängig davon, woher sie stammen. Und Jahre nach der Trennung von Messenger und Facebook als separate Apps werden die beiden wieder zusammengeführt und die Messaging-Funktionalität von TikTok nachgeahmt.

Instagram hat bereits seinen Fokus auf sogenannte Reels geändert, nun hoffen die Verantwortlichen, dass ähnliche Änderungen bei Facebook möglicherweise wieder junge Menschen auf die Plattform locken wird. Meta sieht TikTok als zunehmende Bedrohung für das eigene soziale Netzwerk, weshalb beispielsweise die Einführung einer speziellen Registerkarte zum Ansehen von Videos von Freunden in den Fokus rückt.

Wie das „neue Facebook“ aussehen soll

  • Der Haupt-Tab wird eine Mischung aus Stories und Reels am oberen Rand sein
  • Darunter folgen Post, die die sogenannte „Discovery Engine“ von Facebook und Instagram empfiehlt
  • Der Messenger-Posteingang kommt oben rechts in die App

Die Trennung von Facebook und Messenger wird also nach acht Jahren wieder rückgängig gemacht. Zudem wird man wieder weniger Post und Empfehlungen von Freunden sehen, dafür mehr Posts, die aufgrund des eigenen Nutzerverhaltens und der Popularität von einem Algorithmus empfohlen werden.

Ausweg aus extremen Blasen? Zweifelhaft!

Da bisher zumeist Empfehlungen und Beiträge von Freunden angezeigt wurden, entwickelten sich Meinungsblasen: Viele Nutzer bekamen beispielsweise dadurch nur noch Beiträge und Artikel von politisch extremen Richtungen angezeigt, eine objektive Meinungsbildung war dadurch kaum noch möglich.

Der neue Algorithmus soll dem nun entgegenwirken, doch die Beschreibung lässt daran zweifeln: Wenn der Algorithmus ähnliche Videos und Beiträge empfiehlt, bedeutet dies, dass er auch mehr extremere, also beispielsweise rassistische oder hetzende Beiträge und Videos zeigt – nur dann halt nicht von Freunden, sondern von Fremden, was eine solche Meinungsblase eher verstärkt.

Man darf also gespannt sein, ob und wann diese Änderungen eingeführt werden… und ob sie den von Facebook erhofften Erfolg bringen.

Artikelbild: Unsplash

Weitere Quellen: The Verge, t-online, heise

Auch interessant:

Meta: Social-Media-Atlas 2022: Studie zur Nutzung Sozialer Medien beleuchtet Reichweite, Stärken und Schwächen der drei Plattformen.
Meta vs Meta vs Meta: So schneiden Facebook, WhatsApp und Instagram gegeneinander ab


Hinweis: Dieser Inhalt gibt den Stand der Dinge wieder, der zum Zeitpunkt der Veröffentlichung aktuell
war. Die Wiedergabe einzelner Bilder, Screenshots, Einbettungen oder Videosequenzen dient zur
Auseinandersetzung der Sache mit dem Thema.

  • Mit deiner Hilfe unterstützt du eine der wichtigsten unabhängigen Informationsquellen zum Thema Fake News und Verbraucherschutz im deutschsprachigen Raum. Ein unabhängiges und für jeden frei zugängliches Informationsmedium ist in Zeiten von Fake News, aber auch Message Control besonders wichtig. Wir sind seit 2011 bestrebt, allen Internetnutzern stets hochwertige Faktenchecks zu bieten.  Dies soll es auch langfristig bleiben. Dafür brauchen wir jetzt deine Unterstützung!

Mehr von Mimikama